Fields of Gold

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Der August ist fast zu Ende und während ich hier draußen im Garten sitze und diesen Artikel schreibe, herrscht um mich herum eifrige Betriebsamkeit. Es ist die Zeit, in der alle Landwirte das Wort Freizeit wahrscheinlich nicht mal mehr buchstabieren können, so fremd wird ihnen genau diese sein. „Meine“ Bauern hier sehe ich momentan zumindest so oft, wie sonst das ganze Jahr über nicht.

Was sie derzeit sowohl an-, als auch raus treibt, ist die diesjährige Heu- und Kornernte, die hier in vollem Gange ist. Und sagt selbst, ist dieser Geruch nach frisch gemähtem Gras und Getreide, nicht einer der schönsten auf der Welt?

 

Neulich erst kam ich bei meiner Rezension von „Tilleul“ (Link zu dem Artikel dazu aus der letzten Woche) ins Schwärmen und lud Euch ein zur nostalgischen Landpartie. Dabei hatte ich überlegt, dass ich Euch passenderweise eine kleine Auswahl (klein nur deshalb, weil es nicht allzu viele passende Düfte gibt!) von Gras- und Heudüften präsentieren könnte. Schließlich lebt nicht jeder Tür an Tür mit Nachbars Kühen und glücklicherweise haben sich eine handvoll Parfumeure diesem Duft-Thema angenommen und olfaktorisch umgesetzt. Schauen wir uns also einmal an, wie Ihnen das gelungen ist.

Mit viel Moschus erzeugen die Macher von „Musc de Java“ aus dem Hause Les Néréides einen tuffigen und watteweichen Duft, mit einer so authentischen Heunote, wie man sie nicht oft vorfindet. Das Heu in diesem zarten Duft-Gebilde ist ganz frisch geschnitten, ein wenig grün sogar noch, und stößt sogleich alle Türen auf zum olfaktorischen Schatz-Kästchen. So lange schon vergangen sind sie, diese Tage, an denen wir Unmengen schwarzer Beeren aßen, bis unsere Zungen und Lippen gänzlich eingefärbt waren und wir stets barfuß und mit nassen Haaren durchs Leben hüpften. Doch sofort ist sie da, die Erinnerung daran. Und auch das Wohlbefinden, das diese Tage ausmachte, ist spürbar und von Les Néréides perfekt kopiert und in Flaschen gefüllt worden. „Musc de Java“ ist so zart und lieblich, dass man sich einkuscheln möchte, in diese Vertrautheit und Leichtigkeit, denn das macht den Zauber dieses unbeschwerten Duftes aus.

 

Mit „Vohina“ beweisst Huitième Art, dass es manchmal nicht viel braucht, um einen phantastischen Sommermoment einzufangen und diesem olfaktorisch ein Denkmal zu setzen. Und der Moment, der Pierre Guillaume zu „Vohina“ inspirierte, muss ein ganz besonderer gewesen sein. Wie sonst hätte er „Vohina“ diese unschuldige Schönheit einhauchen können?

Pfirsich, Lavendel und Heu. So einfach kann Gutes manchmal sein. Der ausklingende Sommertag ist so intensiv wahrnehmbar, inmitten von goldgelbem Heu und dunkelviolett blühenden Lavendelstöcken, deren unnachahmlicher Duft vom warmen Sommerwind herüber getragen wird. Die Fahrräder lehnen an den reich bestückten Pfirsichbäumen und wie wir dann so auf dem frischen Heu sitzen und samtige Pfirsiche essen und die zauberhaften Düfte purer Natur in uns aufsaugen, geht er zu Ende, dieser perfekte Tag auf dem Lande. „Vohina“ schafft diese Illusion perfekt und alleine dafür muss man ihn lieben!

 

Das Leben am Schloß „Vie de Chateau“ bezaubert und betört durch seine Andersartigkeit. Es gibt zwei Versionen des Duftes, einmal eine etwas leichtere Version, das Eaux Fraîches und des weiteren die Intense-Version. Ich persönlich ziehe das Intense vor, das erscheint mir harmonischer, irgendwie runder zu sein. Im Eaux Fraîches empfinde ich die Tabaknote als etwas zu „spitz“ und aufdringlich, diese ist in der Intense-Version viel schöner und milder gelungen. 

Bereits der Auftakt des Intense hat einen gewagt-eigenwilligen Touch, der mich spontan an „L’Air de Rien“ von Miller Harris denken lässt. Diese Assoziation ist vermutlich dem Tabak geschuldet, der in beiden Düften sehr ähnlich zum Vorschein kommt. Ganz leicht süßlich, hell aber kräftig ist dieser Tabak, gemischt mit der Herbheit von wilden Kräutern und einer minimalen Fruchtsüße. Grün und holzig ist der Gesamteindruck, ohne jedoch allzu männlich und markant zu wirken. Alles ist weich und verschmilzt deliziös mit der Haut. Die Heunote, die sich ab der Herznote intensiv bemerkbar macht, fängt nicht mehr ganz frisches Gras ein, das schon ein paar Tage liegt und seinen Duft zu verändern beginnt. Alles duftet nach Geborgenheit und die Faszination liegt für mich in der Heunote, die im Verbund mit dem Tabak so eigenwillig und unglaublich anziehend duftet. Ich glaube, ich bin nun auch neugierig, wie sich das auf Männerhaut macht.

 

Verlassen wir die Spätsommer-Szenerie doch noch einmal für einen Moment und schenken „L’Amandière“ von Heeley unsere Beachtung.  „L’Amandière“ steht mit seinen zarten Noten eigentlich für den Frühling, doch nachdem ich hier sowohl Gras, als auch Heu entdecke, kann ich gar nicht anders, als Euch diesen zauberhaften Duft vorzustellen. In der Kopfnote zeigt sich das spätere Heu nämlich noch als grünes, saftig-knackiges Gras, das vor Leben nur so strotzt. Das Grün seit jeher Symbol für Wachstum, Neubeginn und Kraft, ist überraschend frisch und von feinen Kräutern durchzogen. Die oft allzu dominante Hyazinthe erfährt durch einige Spritzer Limettensaft eine Art Verjüngung. Das Ergebnis ist eine Hyazinthe, die keinerlei Kopfschmerz-Neigung füttert, sondern die ein fast frisches Gefühl erzeugt. Wässrig-frischer Hyazinthenduft also, macht sich ebenso breit, wie auch ein ganz zarter und leiser Heu- und Wildwiesenduft, der dem Ganzen einen fast aquarellistischen Ausdruck verleiht. Ein harmonisches Blumen-Bouquet rundet „L’Amandière“ ab und zusammen mit den Hölzern der Basis, wird ein perfektes Duft-Gemälde des Frühlings daraus.

Das waren sie, meine Gras – und Heuempfehlungen für Euch.

Mögt Ihr diese Duft-Richtung auch so gerne und kennt Ihr noch weitere Kandidaten, die man unbedingt kennen sollte? Lasst es mich unbedingt wissen, bitte! 🙂

Eure Evelyn

PS: Was könnte perfekter zum Thema passen, als Eva Cassidy mit „Fields of Gold“? Seit vielen, vielen Jahren einer meiner absoluten Lieblings-Songs und auch ein prall gefülltes Erinnerungs-Schatzkästchen. 🙂

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

2 Kommentare

  1. Wunderschön. „Fields of Gold“ ist ja eigentlich von Sting, aber diese Version ist vielleicht noch passender.
    Tolle Empfehlungen. „Vie de Chateau“ hatte ich noch nicht unter diesem Aspekt betrachtet.

  2. Stimmt, liebe Claudia,

    auch Stings ursprüngliche Version schätze ich sehr – gebe jedoch ganz klar der glockenhellen Stimme Evas den Vorzug. 🙂

    Freut mich sehr, dass Du noch was für Dich entdecken konntest. 🙂

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