Lily of the Sands

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Lily Beach“ von Jacques Zolty ist einer der ungewöhnlichsten Lilien-Düfte, den ich kenne und ich finde er passt ganz wunderbar zur momentanen Wetterlage! Also wird es Zeit, dass ich Euch dieses Schätzchen vorstelle.

Mir persönlich gefällt ja schon der Name so gut – Lily Beach – das klingt nach entspannten Stunden am Strand, fernab vom Jet Set und jeglichem Getöse. Ich sehe zart gebräunte Menschen, die aussehen wie wenn die Sonne ihnen permanent Küsse in gold aufhauchen würde, in leichten, unbedingt(!) weißen Leinenklamotten, Blüten im Haar und direkt der Raffaello-Werbung entsprungen… Entsteht hier etwa der Eindruck dass ich erstens, unverbesserlich romantisch, als auch zweitens, urlaubsreif bin? Beides richtig! 😉 Also ziehen mich Düfte mit so romantischen und ein wenig geheimnisvollen  Namen wie Lily Beach magisch an und ich mache mich voller Neugier auf, um ein wenig mehr darüber zu erfahren, was oder wer denn nun eigentlich dahinter steckt.

Der Mann dahinter, Jacques Zolty also, er ist schnell enttarnt, wenn auch nicht wirklich optisch, da kaum Bilder von ihm, aus seiner Zeit als eines der erfolgreichsten Male-Models existieren. In den 70er und 80er muss das gewesen sein, vielleicht kennt ihn ja auch noch wer. Ich kenne nur die Bilder neueren Datums von ihm und ich muss gestehen, er hat was, der gut aussehende Mann mit dem silbergrauen Haar und dem markanten Gesicht, der noch immer eine sehr ansprechende Ausstrahlung hat. Ich bin sicher, der gebürtige Franzose sah früher umwerfend aus, war beruflich extrem erfolgreich und jettete durch die Welt. Die 2-3 Filmchen, in denen er mitspielte, müssen als Jugendsünde abgehakt werden, sprechen wir nicht mehr darüber. 😉

Irgendwann, im Zuge seiner vielen Reisen, landete er auf Saint-Barthélemy, einer der kleine Antillen-Insel, die übrigens Kolumbus auf seiner zweiten Reise entdeckte. Er erlag dem Charme dieser Insel mit der üppigen Vegetation, wie bereits so viele vor ihm. So oft es ging verbrachte er seine  freie Zeit dort, schöpfte Kraft für seinen Alltag und seine Worte zeigen, was St. Barth bis heute für ihn bedeutet: „I found the island of my life.  St. Barth is like a rock for me where I can escape, when the world is going too wild, and where I can always find exitement when that’s what I need!“. So kam es, dass die Antilleninsel mit dem tropischen Klima zu seiner Wahlheimat wurde. 

Diese weltberühmte Insel ist es auch, die Jacques Zolty zu seinen (bisher drei kreierten) Düften inspirierte. Lily Beach ist eine Huldigung des unermesslichen Reichtums der örtlichen Flora, die einen wahren Schatz an seltenen und wilden Pflanzenarten beherbergt. Es gibt dort allein Hunderte von wilden Blumenarten, die man hier bei uns kaum kennt, darunter viele seltene Orchideenarten. Lily Beach ist einer ganz besonderen Blumenart gewidmet, die auch gleichzeitig als Namensgeberin fungiert. 

Namen hat sie übrigens extrem viele, diese besondere Strandschönheit. Man kennt die Strand-Lilie auch als Dünen-Trichternarzisse (Pancratium maritimum), damit aber nicht genug, ich habe noch viel mehr Namen für sie ausgegraben und möchte Euch diese nicht vorenthalten: Sea Lily und Lily of the sands, sowie Sea Daffodil sind ihre geläufigsten Bezeichnungen oder auch auf italienisch Giglio di Mare und auf spanisch wird sie Nardo Marino genannt. Die weiße Dünen-Trichternarzisse mit ihren stark duftenden, sternförmigen Blüten blüht von Juli bis September und das nur vom nachmittag bis zum nächsten morgen. Während dieser kurzen Blütezeit verströmt sie am Abend einen intensiven Duft, der überall als extrem betörend und sehr besonders beschrieben wird. Leider habe ich keine genaueren Angaben zum Duft gefunden, ich kann ihn also nicht beschreiben. Einziger Anhaltspunkt war der spanische Name „Nardo Marino“. Nardo ist nämlich die Tuberose und ich hänge nun mal mutig aus dem Fenster und denke, dass der intensive Duft der Strandlilie, dem der Tuberose ähnlich sein muss.  

Und so verwundert es mich dann doch nicht mehr, dass ich bei „Lily Beach“ eben nicht nur Lilien, sondern auch einen Hauch von Tuberose erkennen kann. So schließt sich also der Kreis für mich.

Lily Beach ist jedoch mitnichten ein Tuberosen-Lilien-Keulenschlag, falsch getippt, ganz falsch getippt! Das ist nämlich die Eingangs erwähnte Besonderheit, die ich so bisher noch in keinem anderen Lilien-Duft kennen gelernt hatte. Am ehesten lässt sich „Lily Beach“ noch mit „Baiser Volé“ von Cartier vergleichen, zumindest die Richtung ist ähnlich, wenn gleich ich persönlich Lily Beach viel spannender und aussagekräftiger empfinde. Die Cartier Lilie ist zu grün-wässrig, irgendwie unausgewogen, da fehlt mir etwas. „Lily Beach“ hat einfach mehr zu bieten. 

Bereits der erste Moment ist total überraschend und ganz anders, als man einen Lilien-Duft erwartet. Lily Beach beginnt mit mächtig viel Grün und einer angenehmen Kühle, mit der man so nicht gerechnet hat. Sehr natürlich ist das Grün, fast ein wenig waldig und unglaublich erfrischend, sogar ein bißchen meditativ. Wenn ich meine allwöchentlichen Blumensträuße fürs ganze Haus arrangiere, dann riecht es um mich herum genau so. Frisch geschnittenes Grün in allen möglichen Variationen. Dieser natürliche Duft ist einfach herrlich! Efeu soll laut den Duftnoten dafür verantwortlich sein, ich gestehe, da wäre ich nicht drauf gekommen. Pures Efeu riecht man ja auch selten, finde ich, oder? Unter diese wohltuende Grünnote mischt sich noch eine sanfte Würzigkeit, die ganz klar als Kardamom zu erkennen ist. Die leichte, typische Schärfe ist charakteristisch und mutet immer auch ein wenig orientalisch an. Hier schafft Kardamom den Ausgleich zum kühlen Grün und hält wunderbar die Balance zwischen den beiden Polen.  

Die Herznote ist vom intensiven Duft der Lilien geprägt und es begeistert mich immer wieder, mit welcher Leichtigkeit diese umgesetzt wurde. Kein schwere, betäubende Schwülstigkeit und schon gar kein narkotisierender Kopfschmerz-Kandidat. Lily Beach scheint schwerelos zu schweben und verbreitet dennoch einen intensiven und extrem feinen Wohlgeruch. Edel, sehr edel und dabei voller natürlicher, anmutiger Weiblichkeit und Klasse. Diese Lilien werden einem niemals zu viel, das können sie gar nicht, denn ihre Nähe zum Meer lässt sich im weiteren Verlauf der Herznote nicht leugnen und aquatische Anklänge verleihen zusätzlich unschuldige Frische und filigrane Eleganz. 

Die watteweiche und moschuslastige Basis zeigt sich ein wenig „milky“ und skinnig und lässt dadurch eine hauchzarte Sonnenmilch-Assoziation aufkommen. Diese ist jedoch wirklich nur auf der Haut auszumachen, auf dem Papierstreifen ist sie nicht wahrnehmbar. Gerade dadurch aber, ist diese Note so betörend, weil sie so unverhofft ist. Dank dem Moschus ist Lily Beach“ bei aller Leichtigkeit und Fragilität auch enorm aussagestark, sowie langanhaltend und begleitet uns so durch einen langen Sommertag oder wann immer wir uns nach St. Barth oder ähnlichen Destinationen träumen wollen… 😉

Herzlichste Grüße
Eure Evelyn

PS: Die passende Szenerie der eingangs beschriebenen Stimmung 🙂

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

3 Kommentare

  1. Oh, ich liebe diesen Duft. Vielen Dank Dir für diese schöne Hommage. Er war und ist meine erste große Nischenduft-Liebe. *Herzchenmal*
    Der letzte Streich von Herrn Zolty (A bientot) gefällt mir aber auch sehr – so frisch-spritzig-kräuterig, ein unaufgeregter und doch auch ungewöhnlicher Duft.

  2. Das ist ja schön, liebe Christiane, dass ich damit so Deinen Nerv getroffen habe! 🙂

    Stimmt, „A bientot“ ist wirklich außergewöhnlich schön, der gefällt mir auch sehr gut. Vorallem jetzt im Sommer ist der super-schön.

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