The Myth of a timeless Eternity – Vero Kern – Teil 2

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Den Anfang verpasst? Hier gehts zu Teil 1

Vero, woher nahmen Sie das Vertrauen in sich und ihre Arbeiten, was gab Ihnen damals Kraft, Mut und Zuversicht?

Ich bin einfach eine Macherin und habe große Freude am Tun. Damals habe ich aus der Aroma-Therapie heraus angefangen mit den Aroma-Mischungen und habe dabei mein Talent dafür entdeckt. Vor allem habe ich damals auch gemerkt, welch großen Spaß mir das macht und ich war sicher, dass das genau das ist, was ich machen muss. Ziemlich zielstrebig habe ich dann meine Ausbildung absolviert und danach als Auftrags-Parfumeur gearbeitet. Zum einen um mir damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen, zum anderen auch um Erfahrungen zu sammeln, jedoch vor allem um meine eigene Parfum-Kollektion in Ruhe reifen lassen zu können. Ich wollt da ganz ohne Druck rangehen können, das war mir sehr wichtig und ich vertraute einfach darauf, dass das der richtige Weg ist.

Woran erkennt man Ihre Parfums und was sind ihrer Meinung nach die typischen Merkmale Ihrer Handschrift?

Allen meinen Düften ist gemein, dass sie irgendwie irritieren und überraschen und dass sie nicht zu rund sind. Für mich braucht ein gutes Parfum eine animalische, eine leicht dreckige Note, damit daraus etwas besonderes wird.

Diese animalische Noten wurden früher in der klassischen Parfümerie viel mehr betont, heute findet man das nur noch selten. Ich bin jahrelang nach Versailles gepilgert und habe dort in der Osmotheque die ganzen alten Düfte studiert, um möglichst viel von den Meistern der alten Schule zu lernen. Damals waren dort auch noch zwei der damaligen Gründer, Jean Kerléon und Jeannine Mongin tätig und diese beiden haben diese Art von Parfümerie noch gekannt und konnten es mir auch sehr gut erklären und verdeutlichen.

 Meine Ausbildung machte ich in Paris bei Cinquième Sense, einer Privatschule die von Monique Schlienger gegründet und geleitet wurde. Monique wiederum hat ihre Ausbildung an der Roure Perfumery School in Grasse gemacht, die 1946 von Jean Carles (Shocking, Tabu, Ma Griffe und Miss Dior) gegründet wurde. Dort arbeitete und lehrte man zu ihrer Zeit noch mit animalischen Duftstoffen, wie Zibet, Ambra oder Moschus oder Castoreum.

Damit ebenfalls unterrichtet zu werden, das war mein großes Glück und Beginn meiner Liebe zu diesen „dreckigen“ Noten.

Außerdem hatte ich das große Glück und durfte die große Legende Guy Robert besuchen und ihn persönlich kennen lernen. Calèche, Madame Rochas und Dioressence sind große Klassiker, die von ihm kreiert wurden und er gab mir viele wertvolle Tipps. Er nahm die Rolle eines Mentors für mich ein, wobei wir nie ein klassisches Lehrer/Schüler-Verhältnis hatten, ich war ja nie seine offizielle Schülerin. Aber wir standen in Kontakt und er teste auch meine Duft-Kreationen, die ich ihm zusandte und stand mir oftmals mit Rat zur Seite. Er ermunterte mich stets dazu, auch die animalischen Ingredienzien zu verwenden, um so meinen Düften meine persönliche Handschrift zu verleihen. Dem bin ich bis heute treu geblieben. Und diese wurden auch zu meinem Markenzeichen.

Ihre Flakons werden aus durchgängig gefärbtem Glas hergestellt und sind dadurch auch optisch echte Highlights. Warum war es Ihnen so wichtig, dass es gefärbtes Glas ist und was ist das Besondere daran?

Glas, das auf dieser traditionellen Basis hergestellt wird, hat eine ganz andere Qualität und ist reiner. Die Herstellung von Glas ist ein alchimistischer Prozess und ich habe das in den Produktionsstätten erlebt und kennen gelernt. Dahinter steckt reinstes Handwerk und ein uraltes Wissen,  das weitergegeben werden soll. Es ist wirklich ein ganz großer Unterschied, ob Glas traditionell oder im Eilverfahren hergestellt wird. Der chemische und alchimistische Prozess der Glasherstellung findet meiner Auffassung nach, zu einer Gesamtheit mit meinem eigenen anspruchsvollem Handwerk. Durch diese Symbiose findet zusammen, was zusammen gehört.

Wie wählt man als Parfumeur die richtigen Rohstoffe aus und wie aufwändig ist dieses Verfahren? Reisen Sie dafür selbst in Anbaugebiete um die perfekten Duftstoffe zu finden oder sind das romantisierte Vorstellungen eines Laien?

Ja, das ist sehr romantisch und ein wenig verklärt. (schmunzelt) Ich beziehe fast alle meine Rohstoffe von einem einzigen Lieferanten. Diese sind dann zertifiziert und analysiert, entsprechen dann den strengen Vorschriften der europäischen IFRA. Nur dann, bin ich auf der sicheren Seite mit meinem Schöpfungen. Diese Zertifikate kann mir jemand nur bieten, der allerbeste Kontakte hat zu den Rohstoff-Produzenten hat und pflegt. Die Einkäufer zertifizieren die Rohstoffe und bieten diese dann an.

Würde ich selbst reisen, um Duftstoffe in aller Welt zu finden, dann wäre ich nur noch unterwegs! Guerlain hatte immer eigene Anbaugebiete zum Beispiel für Ylang Ylang. Früher ist Jacques Guerlain noch viel gereist, unter Anderem auch nach Tunesien. Dort hat er sein Neroli-Öl gekauft. Das waren die goldenen Zeiten der Parfümerie, diese kann man heutzutage glatt vergessen und man kann es kaum noch wagen ohne vertrauenswürdige Kontakte einzukaufen. Das hat natürlich auch seinen Preis, so wie Qualität immer ihren Preis hat.

Apropos Reisen – jetzt wo Monsieur Guerlain nicht mehr arbeitet, könnte er doch eine Art Parfum-Reise anbieten und die Reiseleitung dafür übernehmen. Ich würde sehr gerne mal mit ihm verreisen!

Wenn man wie Sie, überwiegend mit natürlichen Duftstoffen arbeitet, wie schwierig ist diese Arbeit, angesichts schwankender Qualitäten?

Mit den Rohstoffen ist es ein wenig wie bei der Weinernte, die auch nicht immer gleich ausfällt. Wenn die Qualität eines Rohstoffes extrem schwanken würde und zum Beispiel sehr viel schlechter als gewohnt wäre, dann müsste ich warten, bis er wieder in gewohnter und bester Qualität zu bekommen ist. Die Produktion des jeweiligen Duftes müsste dann ausgesetzt werden und ich müsste darauf hoffen, dass die Parfum-Liebhaber dafür Verständnis hätten. Es ist wirklich ein großes Glück, wenn man von einer Verknappung der Rohstoffe verschont bleibt und damit noch nichts zu tun hatte.

Verläuft der Prozess der Parfum-Komposition eher linear oder phasenweise? Arbeiten Sie dann monatelang an einem einzelnen Duft oder fahren sie mehrgleisig und entscheiden tagesaktuell woran Sie weiterarbeiten?

Teilweise arbeite ich an verschiedenen Düften, weil die Mischungen auch zwischendurch reifen müssen, das nimmt dann mind. 2-3 Wochen in Anspruch. In dieser Zeit arbeitet man dann an einem anderen Projekt weiter. So ergibt sich immer die Möglichkeit an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten.

Wie schwierig ist es, ein Parfum wirklich loszulassen und zu erkennen, wann es wirklich ausgereift und abgeschlossen ist? Und wie groß ist die Verlockung danach doch noch hier und da eine winzige Veränderungen vorzunehmen?

Oh ja, das ist wirklich nicht leicht! Das erlebe ich momentan mit dem Mito-Extrait. Erst dachte ich, dass ich fertig wäre und merke aber jetzt doch, dass ich damit noch arbeiten möchte. Trotzdem muss ich irgendwann einfach loslassen und dann lasse ich auch einfach los. Ich muss bei diesem Prozess und in dieser Endphase ganz auf mich selbst hören und kann nicht zu viele Stimmen von außen in mein Bewusstsein dringen zu lassen.

Jeder nimmt Düfte anders wahr und man darf nicht zuviel auf Stimmen von Außenstehenden hören. Nehmen wir zum Beispiel Kumin, das vom Charakter her etwas stark aldehydisches hat und der den Orangenblüten einen Kick verleiht. Vielen lehnen Kumin ab, obwohl die wenigsten den wahren Geruch davon kennen und würden dann in der Testphase dazu raten, kein Kumin zu verwenden. Ich habe den Duft aber mit Kumin kreiert und mir dabei etwas gedacht und bleibe dann auch dabei. Man kann es niemals allen recht machen, jeder möchte etwas anders. Deswegen richte ich mich nach dem, was für mich stimmt und was meiner Meinung nach für die Gesamtkomposition wichtig ist

Glauben Sie, dass sich die Vorangehens- und Arbeitsweise von Frauen und Männer, die als Parfumeure arbeiten, unterscheiden?

Frauen sind vielleicht eher bereit sich mehr noch nach links und rechts zu orientieren, wobei Männer vielleicht geradliniger sind. Aber solche Vergleiche sind immer schwer, weil wir alle verschieden ticken und jeder anders arbeitet, geschlechterunabhängig. Außerdem bringt jeder eine andere Lebensgeschichte mit, die ja auch immer in eine Duft-Kreation einfließt. Ich bin davon überzeugt, dass wenn ich vor vielleicht 40 Jahren mit der Parfümerie begonnen hätte, dann hätte ich ganz anders komponiert als heute. Heute kann ich aus dem Vollen schöpfen, blicke auf eine reiche Lebenserfahrung zurück, habe eine andere Meinung zu Erotik und muss mir nichts mehr vormachen. Ich weiß wer ich bin und ich weiß was es heißt zu leben. Und all das traue ich mich auch nach außen hin zu leben. Vielleicht ist es das, was sich im Leben einer Frau am stärksten verändert.

Es gibt aktuell einige Frauen unter den Parfumeuren, die großartige Parfums machen, ich bin sehr gespannt darauf, wie diese sich im Laufe der Zeit verändern werden.

 

 

Morgen gehts weiter mit Teil 3 und meinem Gespräch mit Vero Kern.

To be continued.

 

Herzliche Grüße

Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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