The Myth of a timeless Eternity – Vero Kern – Teil 3

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Für alle, die den Anfang verpasst haben:

The Myth of a timeless Eternity – Vero Kern – Teil 1

The Myth of a timeless Eternity – Vero Kern – Teil 2

Vero, es kommt immer öfter vor, dass sich Parfumeure dafür entscheiden, keine Duft-Pyramiden zu veröffentlichen. Sehen Sie das eher als Hürde oder als Hilfe für den Verbraucher und für den Parfumeur?

Die meisten Menschen brauchen eine Geschichte, als eine Art Gehhilfe um einen Duft zu erkunden, darin spazier zu gehen und ihn zu verstehen. Die Geschichte, die ich als Parfumeur zur Verfügung stelle, darf also als eine Art Führung verstanden werden. Damit ein Duft gefällt, muss er auch verstanden werden und man möchte sich mit der Hintergrundsgeschichte identifizieren können.

Ich versuche die Düfte immer in ihrer Stimmung, in ihrer Energie und nicht nur in Duft-Pyramiden zu beschreiben. Die wenigsten Menschen sind wirklich neugierig auf das was ein Duft bei ihnen auslöst. Die Duft-Rezeptoren arbeiten bei uns allen unterschiedlich und es gibt fast schon Wettbewerbe im Riechen und man schaut quer durchs Internet, wer was wo heraus riecht. Alles ist stark kommerziell und man besinnt sich nicht auf das was wirklich zählt: Das Riechen als solches und als großartiges Sinneserlebnis, darauf muss man sich einlassen, auch ohne Duft-Pyramide. Es sollte mehr mit dem Geruchssinn gearbeitet werden.

Ich gebe für die Duft-Pyramiden das Nötigste bekannt, damit man einen ersten Gesamteindruck der Düfte bekommt. Die Richtung soll vorgewiesen werden, aber der Duft nicht in seiner Gesamtheit offenbart sein.

Reizt es Sie, für eine andere Marke einmal als Gast-Parfumeurin zu agieren? Wenn ja, welche Marke würden Sie als spannend empfinden?

Ja, im Prinzip schon. Vielleicht kommt so etwas ja auch einmal, es ist zumindest nichts, was ich ausschließen würde. Wenn mich eine Marke zu 100% überzeugen würde und mich das Konzept anspricht, warum nicht. Es müsste halt etwas Spezielles und Besonderes sein und dürfte nicht mit meiner eigenen Linie konkurrieren.

Vero, st es für die Arbeit eines Parfumeurs hinderlich, wenn er selbst parfümiert ist und verzichten Sie selbst deswegen oft auf das private Vergnügen der Parfümierung?

Ich trage Düfte nur in meiner Freizeit, nie während der Arbeit. Manchmal auch nur aus Neugier um sehen was läuft und wie Düfte sich entwickeln, welche Geschichte sie erzählen. Das ist dann ein wenig wie Youtube auf der Haut.

Mit welchem Kollegen würden Sie gerne mal einen Tag verbringen?

Germaine Cellier. Sie suchte immer spezielles Rohmaterial und schuf dadurch ganz besondere Kompositionen. Für eine Frau war sie sehr mutig, eigenwillig und eine Rebellin. Mit ihrem Weitblick, war sie ihrer Zeit weit voraus.

Welches Parfum eines anderen Parfumeurs hätten Sie gerne selbst geschaffen und warum?

Am liebsten hätte ich „Shocking“ von Schiaparelli gemacht, weil hier alles passt und „Shocking“ alles beinhaltet, was ein gutes Parfum braucht. Eine Kombination, die sehr gewagt ist und mich lange begleitet hat.

Aber ich würde auch gerne die innigsten Geheimnisse von „Jicky“ oder vom wunderbaren „Vol de Nuit“ kennen. Deswegen hätte ich sie gerne geschaffen, nicht wegen dem Ruhm, sonder um zu wissen wie sie „funktionieren“ und um das Geheimnis dieser großen Düfte aus dem Hause Guerlain zu verstehen.

Vero, Sie scheinen sehr inspiriert von großen Klassikern und vor allem von der traditionellen französischen Parfumeurs-Kunst zu sein. Gibt es auch zeitgemäße Duft-Kreationen, die Ihre Anerkennung finden?

Das ist tatsächlich ganz schwierig. Manche Sachen rieche ich zwar ganz gerne, aber das sind flüchtige Duft-Impressionen, die mich nicht wirklich berühren und die ich aber auch nie tragen würde.

Ganz gerne mag ich zum Beispiel die alten Serge Lutens Düfte, die fand ich früher schon genial, die habe ich auch getragen, manche zumindest, als sie noch alle das gewisse Etwas hatten und etwas Besonderes und Neuartiges waren. Manche habe ich nur zur Inspiration gekauft. Viele habe ich damals in Paris direkt kennen gelernt im „Les Salons du Palais Royal Shiseido“, der damals schon so magisch und einzigartig war. Das waren schon sehr besondere Erlebnisse, die prägten.

Die Edition Frederic Malle hat auch einzelne gute Düfte, aber da fehlt mir irgendwie die Identität des Einzelnen. Nasomatto ist auch sehr gut, seine Arbeiten gefallen mir gut.

Mit Andy Tauer verbindet mich ein freundschaftliches Verhältnis und wir beraten uns auch gegenseitig. An ihm schätze ich sehr, dass auch er seinen eigenen, durchaus eigenwilligen Weg geht und nicht jedem gefallen will.

Heutzutage sind viele Parfums nur noch Kopien, richtig neuartige und innovative Sachen sind selten geworden und auch die Nischen-Parfümerie erlebt inzwischen eine Art Mainstream-Bewegung. Angefangen haben damals Marken wie Annick Goutal, Maître Parfumeur et Gantier und Parfums de Rosine. Das waren die ersten Marken, die Nischen-Parfums anboten und ab dann ging eigentlich alles immer schneller und schneller und es folgten immer mehr Marken. Zwischen 1997 und 1999 habe ich meine Ausbildung gemacht, damals gab es nur wenige Nischenmarken. Nun ist dieser Markt riesig geworden, fast schon überschwemmt und Wiederholungen sind zumeist vorprogrammiert.

Heutzutage ist aus Parfum eine Massenbewegung geworden und muss immer gleich und zumeist unauffällig riechen. Die meisten Auftrags-Parfumeure haben für die Duft-Rohstoffe wenig Geld zur Verfügung, dafür wird umso mehr für aufwändiges Marketing ausgegeben.

Welcher Geruch steht bei Ihnen für Heimat?

Heimat setzt sich auch vielen verschiedenen Gerüchen zusammen. In meiner Zeit mit der Swissair bin ich viel gereist und wenn ich zurück geflogen bin und an irgendeinem Flughafen dieser Welt in eine Swissair Maschine eingestiegen bin, kam mir dieser Geruch von „Heimat“ entgegen. Ging man vom Gangway Richtung Flugzeug, begrüßte einen, je näher man der offenen Türe kam, ein Duft-Mischung von frisch gebrühtem Kaffee und den süsslichen Gummiduft der Flugzeug-Reifen. Dazu noch der Duft des Swissair-Haus-Cologne und der Duft der Lederpolster in der ersten Klasse. Diese spezielle Mischung symbolisierte Heimat für mich und ich habe mich sofort gut aufgehoben gefühlt. Das hatte auch viel mit Vertrauen und Vertrautem zu tun.

Die frühste Heimat ist für uns die mütterliche Brust. Hier ist es dieser spezielle Hautduft, der dafür sorgt, dass ein Baby die Mutter sogar blind findet. Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns so zu Haut-Düften hingezogen fühlen, sie geben uns Geborgenheit und Sicherheit.

Wenn Sie in Urlaub fahren, nehmen Sie dann auch eine Duft-Auszeit oder ist das gar nicht vorstellbar für Sie?

Arbeit nehme ich mir keine mit in den Urlaub. Aber selbstverständlich kann ich meinen Geruchsinn nicht abschalten und erlebe natürlich auch im Urlaub immer viele Inspirationen. Meine nähere Umgebung, Pflanzen, Luft, Tiere, Räume, Essen, alles kann als Inspiration dienen und irgendwann zum Einsatz kommen. Zu „Mito“ fand ich ja auch während einer Urlaubsreise.

Ich habe in einem Interview gelesen, dass es Sie reizt einen Rosen-Duft zu kreieren. Außerdem schwebte Ihnen etwas mit Tabak, etwas Orientalisches, im Kopf herum. Gibt es schon konkrete Pläne in diese Richtung? 

Oh ja, die Rose, die trage ich noch immer in mir, auch die anderen Ideen sind noch aktuell! Ideen dafür sind einige da, aber es ist noch nichts worüber man sprechen könnte, nichts was schon eine klare Gestalt hätte.

*

Liebe Vero, ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen, dass Sie mir so ausführlich Rede und Antwort standen und meine Leser nun so vieles über Sie und Ihre Arbeit erfahren dürfen! Es war mir eine große Ehre mit Ihnen zu sprechen und ich hoffe, dass sich schon bald wieder einmal die Gelegenheit dazu ergibt.

PS: Und morgen nehmen wir dann noch „Mito“ etwas genauer unter die Lupe! 🙂

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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