Byredo(lence) – „Black Saffron“

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Der in Stockholm geboren Hüne Ben Gorham ist Parfum-Liebhabern längst schon ein Begriff. Seit der Markteinführung in 2006 von Byredo sind inzwischen einige Jahre vergangen, doch Ben Gorham, Gründer und Ideengeber von Byredo, scheint ein Mann mit so viele Erinnerungen und Emotionen zu sein, dass ihm der Stoff aus dem er seine Duft-Träume webt, nicht ausgeht. Und das ist gut so!

Ungewöhnlich und unkonventionell war Ben Gorhams Weg. Geboren als Sohn einer Inderin und eines Kanadiers, wuchs er in Stockholm,  Toronto und New York auf. Seine Leidenschaft war der Sport und nachdem ein beachtlicher Wachstumsschub ihn seinen Träumen näher brachte, schlug er eine Karriere als Profi-Baseballer ein. Die Gedanken an das „danach“ beschäftigen ihn jedoch bereits früh und so kam es, dass er außerdem eine Ausbildung auf der Swedish Academy of Realist Art absolvierte und als Interior Designer arbeitete.

Ein Wendepunkt seiner Karriere war, als er zufällig die Bekanntschaft mit Schwedens populärstem Parfumeur, Pierre Wulff, machte. Die Möglichkeit, dass man Erinnerungen zu Düften machen kann, war sehr faszinierend für den smarten Ben Gorham und erweckte eine schlummernde und unbekannte Seite in seinem tiefsten Innern. In den darauf folgenden Jahren gab sich der gutaussehende und charismatische Sportler ganz seinen olfaktorischen Studien hin und schöpfte aus Erinnerungen an seine Kindheit und an seine vielen Reisen. Besonders Indien, das Geburtsland seiner Mutter, übte eine große Faszination und Reiz auf ihn aus und inspirierte ihn bislang bereits zu einigen Düften.

Mit drei der weltbesten Parfumeuren unserer Zeit an seiner Seite, nämlich Olivia Giacobetti, Jerome Epinette und Michel Almairac, gelang es Ben Gorham immer wieder französische Haute Parfümerie, sowohl mit skandinavischem Minimalismus, als auch mit der Aromenvielfalt des Orients, kunst- und genussvoll zu vereinen.

Indien, das Land seiner Vorfahren, war auch die große Inspiration für seine neuste Kreation, für „Black Saffron„.

Black Saffron“ ist dem Safran, dem Symbol Indiens, gewidmet und eine Hommage an das teuerste Gewürz der Welt, das wie kein anderes Indien symbolisiert. Safran ist für Inder ein heiliges Gewürz und nicht umsonst haben auch die gold-orangenen Kutten der buddhistischen Mönche eben diese Farbe des Safrans. Als Gewürz verleiht Safran, dessen orangefarbene, süß-aromatisch duftenden Stempel-Fäden des Safrankrokusses mühselig von Hand geerntet werden müssen.

Ben Gorham, Gründer und Ideengeber von Byredo, selbst sagt:

„Safran war immer schon ein Teil meiner indischen Erziehung, sei es wegen seines Geruches, als auch wegen des Geschmackes und des Farbtons. Er ist für alle Hindus heilig, er gibt den buddhistischen Kleidern seine Farbe und ist zu einem Symbol Indiens geworden. Der „Schwarze Safran“ von Byredo ist ein Duft, der durch diese Idee der erhabenen Einheit inspiriert wird. Während ich aufwuchs habe ich mehr über mein Erbe erfahren, und dieser Duft hat sehr viel zu diesem Prozess beigetragen.” – Ben Gorham

Bereits die Eröffnung von „Black Saffron“ ist hinreißend schön und zieht mich direkt in den Bann der fernen Welt. Eine Mischung aus fruchtiger Himbeer-Süße und ledrigen Akkorden strömt mir entgegen, die harmonisch verwoben sind mit den kühlen Nuancen der Veilchen.

Ich wünschte, ich könnte ihn besuchen, jenen Ort, an dem es so herrlich duftet! Das wäre ein Traum, denn diese Mischung aus sinnlich-animalischen Komponenten wie Leder und unschuldigen Veilchen, ist nun zwar nicht ganz neu, aber immer wieder schön. Besonders, wenn sie so gut gemacht wurde, wie in „Black Saffron„.

Das weiche, knautschige und herb-aromatische Leder ist es übrigens auch, dass dafür sorgt, dass ich den neusten Byredo-Streich sehr viel eher als dunkel-sinnlich erlebe, statt als kontemplativ-erhaben. Obwohl – Erhabenheit, ja doch, diese kann ich fühlen, aber es ist eine erotische Erhabenheit. Vielleicht eine, die auch Überlegenheit feststellt und demonstriert? In jedem Fall gefällt mir was ich rieche sehr! Auf meiner Haut wird „Black Saffron“ ganz warm und durchleuchtet von Schattierungen, die mit ihrer hell-dunkel-Wirkung spielen. So sind es in einem Moment die fruchtigen Rosen, die eine gewisse Tranparenz und Unschuldigkeit ausstrahlen und im nächsten, die würzige Mischung aus Leder, Hölzer und Safran. Die Safrannote ist hier sehr subtil, es fehlt diese typische Herbheit, die Safran auch gerne verbreitet. Glücklicherweise wurde diese hier nicht in den Vordergrund gestellt.

Auch die Pampelmuse gibt sich für mich glücklicherweise nicht zu erkennen, davor fürchtete ich mich schon ein wenig. Zumal ich mir nicht wirklich vorstellen konnte, wie das mit den aromatischen Noten zusammen passen sollte. Insofern bin ich also froh darüber, dass die Pampelmuse keine bedeutende Rolle einnimmt. Zumindest nicht auf meiner Haut. Auf dem Papierstreifen verhält es sich ein wenig anders, dort macht sich nämlich tatsächlich eine etwas zitrisch-säuerliche Note breit.

So bleibt „Black Saffron“ also in erster Linie ein samtiger Veilchen-Leder-Duft mit verführerisch fruchtig-rosigen (Himbeer + Rose) Akzenten. Wem „Tuscany Leather“ von Tom Ford ein wenig zu markant-männlich war oder wer dabei nicht soooooo toll mit der deutlich anhaftenden Neuwagen-Note zurecht kam, der sollte unbedingt „Black Saffron“ testen. „Chambre Noir“ geht übrigens eine ähnliche Richtung, schlägt dann jedoch kurz vor dem Ziel doch noch einen gänzlich anderen Weg ein.

Mir gefällt dieser neue Byredo ausgesprochen gut. Die Haltbarkeit ist sehr gut und „Black Saffron“ ist auch noch in der Basis aussagekäftig und reizvoll. Das Hell-Dunkel-Spiel bleibt bis zum Ende hin erhalten und ich zwischendurch meine ich sogar, dass die ätherisch-kühlen Veilchen von etwas Weihrauch Unterstützung angedeiht bekommen. Zumindest erweckt es den Anschein und würde die luftige Textur erklären, die stellenweise trotz der Dunkel-Töne vorherrscht.

Wie gefällt Euch „Black Saffron„, habt Ihr schon getestet?

Ganz liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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