Maison Francis Kurkdjian – Amyris Femme

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Wenn an einem kalten, regnerischen Spätherbsttag urplötzlich das Zimmer, die Seele, das Herz, ach das ganze Leben, von Sonne und Licht geflutet wird, dann kann man sicher sein, dass einmal mehr der großartige Francis Kurkdjian gezaubert hat.

Mit spielerischer Neugier und einem Talent gesegnet, das über die Jahre immer ausgefeilter und brillanter wurde, erfreut Francis Kurkdjian auch mit dieser Komposition die Herzen und Nasen(!) der Duft-Liebhaber. Bereits im jugendlichen Alter von 15 Jahren wusste er genau, was er einmal werden möchte, wenn er „groß“ ist und er scheint sich bei aller Professionalität einen kindlichen Funken erhalten zu haben. Es ist diese positive und lebensfrohe Ausdruckskraft, die seine Parfums charakterisiert. Besonders seine als Damendüfte gekennzeichneten Parfums, sind lichtdurchflutet und von strahlender Anmut.

Er versteht es meisterlich, unaufgeregte Eleganz und die Magie der lichtdurchlässigen Leichtigkeit mit extremer Strahlkraft zu vereinen. Pure, flüssig gewordene Magie scheint auch bei seiner neusten Kreation „Amyris Femme“ im Spiel gewesen zu sein.

 

Sprüht man „Amyris Femme“ auf, dann ist das in etwa so, als würde man an einem etwas wärmeren Frühlingstag, der Sonne Türen und Fenster öffnet und sie einlädt, uns mit ihren Strahlen zu erhellen. Voller unbändiger Energie und Kraft heißen wir das Leben willkommen und genießen die Wärme, aber auch die zitrische Frische, die die Blüten der Kopfnote verströmen.

Zitrusnoten scheint er überhaupt gut zu können, der werte Herr Kurkdjian, ich liebe seine Zitrus-Impressionen und das sagt eine, die nicht auf zitronenfrische Düfte steht! Es sei denn Francis Kurkdjian hat sie kreiert.

Die Kopfnote in „Amyris“ ist geprägt vom Strahlen und Funkeln der Zitronen- und Orangenblüten und ich bin überrascht, wie gut sich die beiden verstehen und ergänzen. Die eine sorgt mehr für die Frische, während die andere für die Wärme zuständig ist, das ist grandios gelöst und überaus gefällig.

Im Herzen gibt dann Amyris, die Namensgeberin, ihre Charakterzüge preis. Der ursprünglich von den westindischen Inseln stammende Amyrisbaum, wird auch Balsambaum (Amyris balsamifera) genannt. Das aus dem Holz gewonnene Öl, bezeichnet man als Amyris-Öl oder im Volksmund auch als „Westindisches Sandelholz“. Diese Bezeichnung ist auf den, leicht an Sandel- und Zedernholz erinnernden Duft zurückzuführen, wobei das kostbare echte Sandelholz von viel stärker Intensität und Tiefe ist.

Francis Kurkdjian hat diesen besonderen Duft für sich entdeckt und daraus etwas gezaubert, dass von einer ganz eigenwilligen und erhabenen Schönheit ist. Die zarte, trockene Holznote untermalt die zart-gliedrigen Eigenschaft der Iris Pallida, die ebenfalls ab der Herznote ihren großen Auftritt hat.  Die Florentinische Schwertlilie gehört mit zu den teuersten Duft-Ingredienzien der Welt und ist extrem kostbar. Dementsprechend selten wird sie leider verwendet und in Szene gesetzt. Und das ist gleich doppelt schade, so sie doch mit ihrer staubtrockenen Pudrigkeit ganze Heerscharen an Anhänger hat.

Die edle Dame Iris Pallida ist eine echte Aristokratin und duldet keine Nebenbuhler und andere Götter neben sich. Deswegen gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, wenn man als Parfumeur mit ihr zu tun hat und ihr ein olfaktorisches Denkmal setzen möchte. Ihre Ausstrahlung changiert von kühlen Grün-Nuancen bis hin zu fruchtigen Floral-Noten. Ich finde, dass sie stets würdevoll wirkt und eine leichte distanzierte Arroganz ausstrahlt. Francis Kurkdjian ist es also schlau angegangen, als er ihr das Amyris-Öl an die Seite stellte, das mit den holzig-cremigen Schattierungen, die majestätische Iris huldigt und zu wahrer Größe verhilft, jedoch nicht in Konkurrenz mit ihr tritt.

Nach ca. 1 Stunde wird „Amyris Femme“ wärmer und wärmer und das Eis scheint gebrochen zu sein, die unterkühlte Lady Iris taut auf und gewinnt zunehmend an Körperwärme. Ich vermute, sie hat die große Robe, das tief-dunkel lilafarbene, taillierte Abendkleid, das Eleganz und Raffinesse zeigte, ausgezogen und nach einer ausgiebigen Dusche, gegen einen bequemen Kaschmir-Pullover eingetauscht. Barfuß geht sie in den nächtlichen Garten und holt sich dort, in der feucht-kalten Erde, ihre tägliche Dosis Bodenständigkeit. Sie saugt den Duft des schlafenden Gartens tief ein und die grüne Würzigkeit mischt sich ein wenig mit ihrer zart nach Vanille und Moschus duftenden Körpercreme.

Die grasigen Nuancen des Vetiver tragen „Amyris Femme“ gefühlvoll bis zum Ende und sorgen gemeinsam mit der Sinnlichkeit des Ambra für einen gefühlvollen Ausklang.

Amyris Femme“  verkörpert die strahlende, wärmende Sonnenenergie und auch die erdende Wirkung und die Vibrationen der Erde. Und zeigt uns damit, wie gut es ist, mit beiden Füßen am Boden zu stehen und mit dem Kopf im Himmel.

Einmal mehr zeigt Monsieur Kurkdjian was er kann.

Chapeau!

Ganz liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

2 Kommentare

  1. Bin am alten Rezensionen durchlesen…

    Amyris Femme *seufz* – der ist auch so schön. Schon auf dem Teststreifen hat er mich gefangengenommen. Und als ich ihn auf der Haut getestet habe, war schon alles zu spät.

    Den muss ich unbedingt wieder einmal auftragen.

    Barbara

  2. Evelyn @Beauty Mekka on

    Ja, liebe Barbara,

    dem stimme ich zu – auch heute noch! 🙂

    Amyris Femme hat sich tatsächlich zu einem absoluten Liebling in meiner Sammlung gemausert und ich werde seiner nicht überdrüssig!

    Schön, dass wir uns einig sind! 🙂

    Liebe Grüße
    Evelyn

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