Spanische Lyrik – „Rima XI“

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Wie so viele Künstler wurde auch Gustavo Adolfo Bécquer, der 1836 in Sevilla geboren wurde, vom Leben nicht verwöhnt und erfuhr zu Lebzeiten keine echte Wertschätzung seines Könnens. Früh verlor er Vater und Mutter und so hielt ihn nichts in Sevilla, als er sich dazu entschloss seiner Heimatstadt den Rücken zu kehren und in Madrid ein Literaturstudium zu absolvieren. Nachdem er dieses erfolgreich hinter sich gebracht hatte, schlug er sich mit Gelegenheits-Aufträgen durch, blieb aber nie allzu lange bei einer Stelle und als er dann noch schwer erkrankt,e zog es ihn wieder nach Sevilla zurück. Dort lernte er seine künftige Frau kennen, leider war diese Ehe jedoch nicht von Dauer und so kam es, dass Gustavo Adolfo Bécquer im jungen Alter von 34 Jahren einsamen Herzens stirbt.

Die Liebe vermochte nicht ihn glücklich zu machen, es scheint, als wäre er ein ewig Suchender geblieben. Sein lyrisches Selbst suchte nach dem Absoluten und Unmöglichen, deshalb nennt man ihn auch „Poeta del Amor desesperado“ (Dichter der unmöglichen Liebe). Ganz und gar der romantischen Poesie verpflichtet, sind seine lyrischen Werke, zwar ohne Pathos, dafür reich an romantischen Gefühlen und Melancholie. Seine poetischen Auseinandersetzungen mit der nicht erreichbaren Liebe nannte der Spanier schlicht „Rimas“ (Reime).

Der Großteil dieser „Rimas“ wurde nach seinem Tod von Freunden veröffentlicht und sie gelten heute als Standardwerke der spanischen Romantik.

Einer dieser Reime war es nun, der Sara Carner zum neusten Duft des Hauses Carner Barcelona inspirierte. Genauer gesagt, war es dieser hier:

 

RIMA XI

—Yo soy ardiente, yo soy morena,
yo soy el símbolo de la pasión,
de ansia de goces mi alma está llena.
¿A mí me buscas?
—No es a ti, no.

—Mi frente es pálida, mis trenzas de oro:
puedo brindarte dichas sin fin,
yo de ternuras guardo un tesoro.
¿A mí me llamas?
—No, no es a ti.

—Yo soy un sueño, un imposible,
vano fantasma de niebla y luz;
soy incorpórea, soy intangible:
no puedo amarte.
—¡Oh ven, ven tú!

Gesungen hört sich das so an:

 

 

Ahhhhhhh, spanisch ist eine so melodiöse Sprache, das klingt phantastisch, oder? Damit wir aber auch alle verstehen, was der Autor uns sagen will, habe ich hier noch eine Übersetzung gefunden.

 

Rima XI
Ich bin feurig, mein Haar ist schwarz, voll Glanz,
Symbol der Leidenschaft bin ich,
Verlangen nach Lust erfüllt mich ganz.
Bin ich’s, die du suchst?
Nein, nein, dich nicht!

  Mein Haar: goldne Flechten, meine Stirne: bleich.
Glückseligkeit grenzenlos biete ich dir.
An Zärtlichkeit bin ich unendlich reich.
Bin ich’s, die du rufst?
Nein, nein, nicht dich!

Ich bin Traum, bin nichtiger Phantasie
Gebilde aus Licht und Nebeldunst.
Körperlos bin ich und greifbar nie.
Ich kann dich nicht lieben.
O komm; komm, du!

Ja, es ist schnell erkennbar, leicht mochte er nicht, er liebte (es) kompliziert. All die lockenden Versprechen entsprachen nicht seinem Wunsch, erst das Traumgebilde vermochte sein Interesse zu wecken, das Leiden war also vorprogrammiert. Auch die anderen seiner Reime sind erfüllt von großen Gefühlen und der Suche nach dem großen Liebesglück. Die würden allesamt gut taugen als Duft-Vorlagen – warum nicht: Rimas de Parfume. Welcher poetische Parfumeur greift sie auf, diese Idee? 😉

Sara Carner hat dies bereits getan, sie bescherte uns vor wenigen Tagen ihren vierten Duft für Carner Barcelona.

Nach „Tardes„, „D600“ und „Cuirs„, die allesamt Barcelona und den unterschiedlichen städtischen Strömungen gewidmet waren, offenbart sie nun mit „Rima XI“ die Affinität zur spanischen Literatur.

Auch dieses Mal konnte sie die Parfumeurin Sonia Constant für die Zusammenarbeit gewinnen, die bereits mit „Cuirs“ ihr gefühlvolles Können demonstrierte. Und so ist auch „Rima XI“ ein Inbegriff von Schönheit und ein Paradebeispiel einer harmonischen, als auch facettenreichen Duft-Komposition.

Wer nun etwa einen Drama-Duft erwartet, der wird enttäuscht sein, denn genau das ist „Rima XI“ nicht. Auch die Femme Fatale, sorry, ich entdecke sie nicht. Dafür aber einen reichen und warm-würzige Wohlfühl-Duft der Extra-Klasse! Nein, keinen Couch-Duft für lazy Days, dafür wäre diese olfaktorische Kaschmirdecke viel zu schade und kostbar. Eher für die Tage, an denen wir uns verletzlich und ungeschützt fühlen und ganz bei uns bleiben wollen und unsere Mitte stärken wollen. Dann sehe ich „Rima XI“, der dann umhüllt wie eine Stola, Wärme und Geborgenheit schenkt und uns beschützt vor den tiefen des Lebens und – vor der (manchmal unausweichlichen) Tragik der Liebe. Und das ist dann auch schon der einzige Bogen, den ich zum Hintergrund von „Rima XI“ spannen kann.

Also nix mit Drama Baby, Drama!

Dafür Kekse mit einer Schoko-Haselnuss-Füllung (Na, welche könnten das sein? Genau! Die Manner Original Neapolitaner Schnitten natürlich!) und dazu einen frisch gebrühten Nana Minztee, gemischt mit Schwarztee. Das ist meine erste Assoziation, als ich „Rima XI“ das erste Mal rieche. Eine ähnliche Kopfnote hält auch „Cœur de Noisette“ von Sinfonia di Note bereit, die allerdings kräftiger und auch eindeutiger ist und von Beginn an, in die Gourmand-Richtung tendiert und auch so bleibt. „Rima“ offeriert diesen nussigen Gewürz-Keks, mit einer ordentlichen Ladung Zimt, Kardamom, Koriander und Muskatnuss, nur zu Beginn, verliert sich dann im weiteren Verlauf, zugunsten von einem Hauch Jasmin, der sich allerdings nur schwer gegen die Gewürz-Dröhnung behaupten kann. Dazu fehlt ihm vielleicht ein wenig Indol, dann hätte der Jasmin ein echtes Statement abgeliefert. So aber ist er lediglich eine stilvolle Unterbrechung der köstlich zusammengestellten Gewürzmischung. Ich mag das total, könnte mich hinein setzen in diese Abendländische Würz-Mischung und die crispy Kekse!

Als dann auch noch floral-süssliche Vanille, balsamisches Ambra und Sandelholz ins Spiel kommen, streiche ich meine Segel und gebe mich ganz diesem samt-weich und sanft umhüllenden Genuss hin.

Ohne Drama. Und ohne Melancholie. Und die mystische Femme Fatale lass ich diesmal auch nicht raus.

Manchmal kommt es halt doch anders als man denkt. 🙂

Allerliebste Kuschel-Wohlfühl-Grüße
Eure Evelyn

PS: Vier Lagen Streichmasse zwischen 5 Lagen Waffeln. Boah, das hab ich nun davon –

Jieper ohne Ende!

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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