Pure Nostalgie – „Volutes“

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Der Parfumeur Fabrice Pellegrin malte für „Volutes“ zarte, ganz weiche Bilder. Fast ein wenig wie ein Aquarell. Denn an ein solches erinnert mich die Zartheit und Leichtigkeit, die „Volutes“ ausstrahlt.

Diese Ankündigung versteckte sich bereits im Namen, denn Volutes kommt auf dem französischen und hat gleich mehrfache Bedeutungen zur Auswahl. Am passendsten erscheint mir die Übersetzung und die Assoziation der Rauch-Kringel in der Luft, die eine Raucher malt.

Zumindest passen diese Kringel zum Tabak-Thema des Duftes und auch zu den lang zurückliegenden Erinnerungen von Yves Coueslant, einem der drei Mitbegründer von Diptyque. Diese Erinnerungen erzählen von einer Schiffsreise mit einem Überseedampfer von Marseille nach Saigon, die er in seiner Kindheit mit seinen Eltern unternahm. Diese lange Reise hat  Yves Coueslant nachhaltig beeindruckt und immer wieder auch sein Schaffen bei Diptyque geprägt. Man darf davon ausgehen, dass bei der Namensgebung von „Volutes“ auch noch andere Aspekte eine Rolle spielten, als nur die Tabakrauchschwaden in der Luft. Volutes heisst nämlich auch Wirbel und sicherlich wirbelte diese Schiffsreise einiges auf – nicht nur äußerlich, wie beim sichtbaren Rauch der Zigaretten und des Überseedampfers.

Liest man die Pyramide zu „Volutes“, kann man schnell zu der Überzeugung gelangen, dass es sich hier um einen handfesten Orientalen handeln könnte. Weit gefehlt! Im Gegenteil, ich möchte sogar all jene warnen, die hier genau so einen Kracher erwarten. Denn all das ist „Volutes“ nicht und Fans von raumgreifenden Orientalen könnten enttäuscht werden. Fabrice Pellegrin schuf wie Eingangs bereits erwähnt ein sehr zartes Duftgebilde aus den Erinnerungen Yves Coueslants. Und wenn man bedenkt, welch kräftige, dunkle, tiefe und würzige Nuancen er hierfür verwendetet, dann ist dieses filigrane Gebilde umso erstaunlicher.

Aus einem Wirbel aus Klängen, Farben, Düften, Menschen und Landschaften, arbeitete Pellegrin mit umsichtiger Hand die vielfältigen Gerüche und Düfte der Überfahrt heraus. Da sind die Öl- und Teergerüche aus dem Schiffsbauch und auch die vielen Düfte der Gewürze, die in großen Säcken und Holzkisten lagerten und ihre exotischen Duftschwaden verströmten. Holzvertäfelte Salons und Nobel-Unterkünfte, die gefüllt sind mit den raumfüllenden Parfums der Damen und den lavendel-krautigen Colognes der Herren. Bohnerwachsnoten vereinen sich mit dem Duft der Honigwachskerzen, die den Tanzsaal erhellen. Ganz in weiß gekleidete Damen und Herren, selbstverständlich mit Hüten und zierlichen Schirmchen, stehen rauchend an Deck und genießen die Nähe des Meeres. Dabei vermischt sich der Geruch der Gischt mit dem süßlich-herben Aroma der ägyptischer Le Khédive Zigaretten , die damals zum guten Ton gehörten und die „en vogue“. waren. Dieser Duft des Tabaks ist es, der in dicken Kringeln über allem schwebt und der „Volutes“ diesen ganz speziellen Charakter verleiht.

Bei all dieser Dichte an Sinneseindrücken verwundert es umso mehr, dass „Volutes“ so wundervoll zart und durchscheinend gewebt ist. So flüchtig wie manche Erinnerungsfragmente vor kurze Zeit aufblitzen, so flüchtig sind auch die Nuancen von „Volutes“. Und das ist nicht einmal ein Makel, denn in stärkerer Dosierung wäre „Volutes“ möglicherweise kaum zu ertragen mit seiner olfaktorischen Fülle an und dem Reichtum an Emotionen.

So aber ist „Volutes“ ein leiser, aber unterhaltsamer Begleiter, der viel zu erzählen hat.

Vom ersten Moment an ist es der Tabak, der sein süssliches, vage an Kirschen erinnerndes Aroma verströmt. Dieses vermischt sich mit der zuckrigen Fruchtüße von Trockenfrüchten. Zweierlei Pfefferkörnen „entschärfen“ die Süße sozusagen, sorgen also für eine gewisse Schärfe, damit es nicht zu süss wird und stets die Würze überwiegt.

Schnell macht sich auch die erdig-pudrige Iris bemerkbar, die auch etwas ledriges an sich hat. Es ist dieser Geruch von weichem, ganz dünnem Leder, das gleichzeitig anschmiegsam, als auch wärmend ist. Dieses Gemisch aus Tabak, Iris und Leder ist so betörend und wohlig warm, dass man hineinsinken möchte.

Die Seele der aromatischen Duftnoten ist warm und einladend und man könnte sich darin schnell verlieren. Gleichzeitig erzeugt die Leder-Note auch eine gewissen Animalität, die streichelweich ist und tiefe Sinnlichkeit verheißt. Die Immortelle zusammen mit dem Bienenwachs, ergibt eine trockene, betörende Note, die dazu einlädt, sie zu ergründen. Nähe erzeugend wie diese Schattierung also ist, spielt sie mit dem, der ihr nahe kommt und den Geruch ergründen will. Ein Spiel, das aus Nähe und Distanz besteht und flüchtig ist wie ein Tagtraum oder eine längst vergangene Erinnerung, bei der sich Gewesenes mit Gewolltem verwebt.

Eine golden-schimmerende Honignote beschert „Volutes“ eine äußerst delikate Süße, die jedoch gleichzeitig würzig und harzig vor sich hin simmert. In den kräftigen Honig werden Myrrhe-Zweige getaucht und gemeinsam mit balsamischem Styrax und pudrig-trockenem Opoponax in eine sepiafarbene, leicht vergilbte Szene verwandelt. 

Said, Suezkanal, Dschibuti, Colombo und Singapur… Es sind Städte, die nach Abenteuer und Gewürzen riechen und all das ist unglaublich gekonnt und mit femininer Fragilität versehen in „Volutes“ zu entdecken. Dank den bildreichen Farbakzenten entpuppt sich dieser zart-leise Duft, der zwar von feiner Struktur ist, als kontrastreich und punktet durch strahlend helle Würzigkeit.

Ein wundervoller Alltagsbegleiter, der sanft umhüllt und intime Wohlfühl-Momente zaubert.

Viele liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

2 Kommentare

  1. Evelyn @Beauty Mekka on

    Bin gespannt, liebe Claudia,

    wie er Dir gefallen wird… Ich bin mit jedem Tragen mehr begeistert!! 🙂

    Allerliebste Grüße
    Evelyn

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