Parfums de Marly – Safanad und Meliora

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Früher, als ich jung, ähm, Kind war, war eigentlich alles ganz einfach. Es gab zwei Sorten von Mädchen: Pferde-Mädchen und Ballett-Mädchen. Ich war ein Ballettmädchen und spätestens nachdem mich einmal ein Gaul abwarf (ich begleitete meine Pferde-Freundinnen des Öfteren zum Ausreiten und probierte es selbst auch ein einziges Malaus!), war klar, dass das Thema Pferd und Evelyn vom Tisch war. Dieses schmerzhafte Ereignis prägte meinen gesamten weiteren (quasi nicht vorhandenen) Umgang mit Pferden und noch heute erstarre ich vor Ehrfurcht angesichts der Größe und Kraft dieser riesengroßen Tiere. Ihre Eleganz und ihre Schönheit jedoch bewundere ich sehr – am liebsten allerdings mit dem nötigen Sicherheitsabstand zwischen uns. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen bei einem meiner Wien-Aufenthalte eine Übungs-Stunde (Morgenarbeit genannt) in der Spanischen Hofreitschule zu besuchen. Die Lipizzanerhengste und ihre Reiter waren gleichermaßen anmutig und geschickt und gemeinsam sehr eindrucksvoll anzusehen.

Hier ein kleines Video, um einen besseren Eindruck davon zu bekommen.

Begeistert war ich jedoch am allermeisten vom prachtvollen Ambiente des „Reitsaals“, das pompöser nicht sein könnte und mit seinen prunkvollen Kronleuchtern eher einem Festsaal gleicht. Das reittechnische Highlight der Morgenarbeit war für mich (wen wundert es) „Das Ballett der weißen Hengste“, welches die schwerste Quadrille der Welt ist. Alles in allem zeigte ich mich wirklich sehr beeindruckt und behalte das alles gerne in schöner Erinnerung.

Das waren nun aber auch schon meine nennenswerten Berührungen oder Infos über Pferde, selbst wenn der CHIO Aachen alljährlich quasi vor meiner Haustüre ausgetragen wird. Insofern springe ich nun also nicht unbedingt begeistert darauf an, wenn irgendwo Pferde oder Reitsport thematisiert wird.

Warum möchte ich nun trotzdem über die beiden Neuerscheinungen von Parfums de Marly schreiben möchte? Ganz einfach, die Düfte sind traumhaft und ich lass mir die nicht entgehen nur weil da ein paar Gäule eine Geschichtshintergrund-Rolle spielen. 😉 Aber so absolut nicht-pferde-affin wie ich nun mal bin, wird das nun leider keine Rezension mit gut recherchiertem Wissen zum Hintergrund der namensgebenden Pferde. Ich müsste mich dafür stundenlang durch Material quälen von dem ich NULL Ahnung habe. Also lass ich es. Und hoffe, alle Pferde-Mädchen verzeihen mir mein Unwissen. 🙂 Ach, bevor ich es vergesse: Meine liebe Kollegin Ulrike vom Dufttagebuch war wohl eindeutig ein Pferde-Mädchen und sie wusste bereits vor einiger Zeit einiges zu den Marly-Pferdchen zu berichten, nachzulesen hier in diesem Artikel aus dem Jahre 2010.

Das Dufthaus Parfums de Marly wurde also bisher von mir aufs sträflichste vernachlässigt, zumal bisher eh nur Herren-Düfte im Programm waren. Sehr gut gemachte allerdings, wie mir inzwischen mehrfach glaubhaft versichert wurde. Inzwischen hat man jedoch bei Parfums de Marly beschlossen, dass künftig auch die Damenwelt beglückt werden soll und soeben die beiden Düfte „Safanad“ und „Meliora“ gelauncht. Das macht die Marke dann (trotz Pferdelogo!) interessant für mich. 

Interessanterweise gibt es bei Parfums de Marly mehr über die Pferde, ihre Stammbäume und ihre Geschichten, sowie über die historischen Gründungsgeschichten der Marke zu erfahren, als über die Menschen dahinter.  Wer also steckt hinter Parfums de Marly und welcher Parfumeur ist verantwortlich für die dichten und tiefgründigen Parfums?

Tja, wenn ich das nur wüsste!

Es gibt jede Menge tolle Düfte, doch keinen Parfumeur dazu. Spontan fällt mir dazu natürlich Montale ein, dessen ominösen Eigentümer und Parfumeur auch noch nie jemand zu Gesicht bekam. Vom Stil her gehen die Parfums de Marlys in Richtung Micallef oder eben auch Montale. Einerseits also französisch-klassisch, anderseits deutlich arabisch angehaucht. Ob hinter Parfums de Marly eine arabische Nase steckt? Egal, das sind alles nur wilde Spekulationen und wir widmen uns jetzt endlich den beiden wirklich zauberhaften und (von wem auch immer) gut gemachten Damendüften!

Safanad“ ist der Inbegriff von Weiblichkeit. Hier ist alles Frau und die geballte Energie eines Vollweibes bestimmt den gesamten seidig-weichen Duftverlauf. 

Orange und Birne sind hier die Türöffner und bilden ein eindrucksvolles und stimmiges Paar. Die sahnige Cremigkeit der reifen Birne, hält die süß-herbe Fruchtigkeit der Orange in Schach. Die vollblutweibliche Herznote  lockt und bezaubert mit ihren cremigen und betörend duftenden Orangeblüten und narkotischem Ylang-Ylang. Die erhabene Eleganz der Iris schafft Harmonie und einen Gleichklang, der rund, weich und warm ist. Nicht kuschelig-gemütlich rund, sondern weiblich-anmutig rund. Keine Ecken und Kanten, kein angestrengter Spannungsbogen, sondern einfach nur gleißende Schönheit und strahlende Harmonie. 

Die Basis mit cremig-holzigem Sandelholz korrespondiert perfekt mit der blumigen, zarten Süße der Vanille und dem trocken-dunklem Ambra. Wer „Ylang in Gold“ oder auch „Mon Parfum“ von Micallef liebt, wird „Safanad“ zu Füßen liegen. „Safanad“ ist ein Duft, wie ihn Männer an Frauen lieben und der jeder Frau schmeichelt. Die fließende Harmonie und die anmutige Weichheit umhüllen wie ein kostbares Kleid aus Kaschmir.

Meliora“ ist der Stute gewidmet, die die Mutter des berühmten Hengstes Tartar war. Ungeachtet dessen ist „Meliora“ ein lebhaftes Parfum, das mit einer herb-süssen Fruchtigkeit überrascht. Prickelnde schwarze Johannisbeeren, Heidelbeeren und Himbeeren von intensiver Frucht, bilden das köstliche Intro und bleiben auch im fortschreitenden Verlauf gut erkennbar erhalten.

Dann gesellen sich alsbald noch üppig florale Noten dazu und Lilien, Rosen und Ylang-Ylang tanzen einen blumigen Reigen, der fröhlich und lebenslustig wirkt. „Meliora“ ist belebend, gleichzeitig aber auf ganz zarte Art und Weise sehr feminin und durch und durch zauberhaft.

Ich bin sehr angetan von den beiden, besonders von „Safanad“, der meinen Nerv mal wieder voll und ganz trifft. Beide Eau de Parfums sind sehr langlebig und ausdauernd und auch die Sillage ist sehr ordentlich und gut wahrnehmbar, ohne jedoch aufdringlich oder gar störend zu sein.

Bitte mehr Damendüfte, liebe unbekannte Macher von Parfums de Marly! 🙂

Herzliche Grüße
Eure Evelyn

PS: Im Februar dürfen wir uns auf „Herod“ freuen – ich scharre (ganz thema-affin) schon mal mit den Hufen, denn dieser ist ein echter Kracher, der auch wieder so richtig, richtig klasse ist!

[Edit:] Ja, ist denn nun schon Februar?! 😉 „Herod“ ist bereits im Shop gelandet, eine Rezension dazu reiche ich gerne dieser Tage nach! 🙂

[Edit:] Inzwischen sind mir die Namen zweier Parfumeure bekannt, die ich somit gerne nachreichen möchte. Nathalie Lorson und Olivier Pescheux sind die beiden „Nasen“ der Marke. Beides keine Unbekannten, Pescheux kennen wir hauptsächlich von seinen vielen wunderbaren Kreationen für Diptyque und Nathalie Lorson arbeitete bereits für Jil Sander, Lalique, Lancome, Boucheron und Scherrer. Mit „Autoportrait“ für Olfactive Studio schaffte sie den Sprung ins Nischen-Segment und verzauberte eine große Fangemeinde damit..


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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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