Spiel mit der Feuer – Teil 2

Bereits gestern stellte ich Euch die beiden ersten Düfte, der neuen Parfum-Kollektion von Tiziana Terenzi vor. Alle vier Düfte der Linie sind dem Thema Feuer gewidmet und stehen jeweils für eine bestimmte Energie des Feuers.

Was aber ist es eigentlich, was uns so fasziniert am Feuer und was den kulturübergreifenden Mythos des Feuers nährt?

Feuer steht in fast allen Kulturkreisen für die Urkraft, die Energie und den Lebensfunken, sprich das Leben selbst. Das Feuer in unserer Mitte wird als Lebenskraft bezeichnet, das pulsiert und uns am Leben erhält, so wie auch die Erde einen glühenden Kern besitzt. Ob auf dem afrikanischen Kontinent, Europa oder Asien, die Verehrung des Feuers spielt überall eine Rolle, zumeist eine mystische oder religiöse.

Gleichzeitig ist Feuer auch Licht und Wärme und beides ist für uns überlebenswichtig. So hat Feuer die Macht Leben zu zerstören, aber auch am Leben zu erhalten. Die reinigende Kraft des Feuers ist stark und nicht umsonst wird in vielen Kulturen mit der Macht des Feuers intensiv gearbeitet und danach gelebt. Feuer ist gleichzeitig anziehend, als auch beängstigend, zumindest wenn es unkontrolliert auftritt.

Ziemlich kontrolliert spielen diese Ladies hier mit dem Feuer:

Manch einer kann das Spiel mit dem Feuer niemals lassen und begibt sich immer wieder hinein. Soviel harmloser und gleichzeitig mit einem Hauch von Abenteuer versehen, ist da doch ein Lagerfeuer! Einem Lagerfeuer kann kaum einer widerstehen, egal ob jung oder alt und sobald irgendwo eines brennt, versammeln sich stets alle drum herum. Und irgendwie macht sich dann meist auch so eine ganz bestimmte, eine ganz besondere Stimmung und Atmosphäre breit. Man rückt enger zusammen und aneinander, die Stimmen sind gedämpft und fast ist es, als wäre man näher an sich und den Mitmenschen dran, als sonst im Alltag.

Ich kann also gut nachempfinden, warum den Terenzi-Geschwistern dieses Thema so am Herzen liegt. 🙂

Doch, schauen wir sie uns an, die beiden verbleibenden Düfte, die übrigens wie auch die beiden ersten Extrait de Parfums sind.

Ecstasy“ beschwört das heilige Feuer der Seele herauf. Ein durch und durch mystischer Duft, der tief zu berühren vermag. Von der Suche nach Authentizität ist genauso die Rede, wie von der Anziehungskraft totaler Schönheit. „Ecstasy“ besitzt solch einen großen Zauber und solch eine große Anziehungskraft, dass ich ganz still vor Ehrfurcht werde.

Die waldig-harzigen Auftakt-Noten versetzen mich in meinen geliebten Wald. Nicht der Herbstwald, den ich heute so sehr liebe, nein, es ist der dunkel-düstere Tannenwald meiner Kindheit, der Schwarzwald. Die Luft ist geschwängert vom klaren Duft der dunklen, riesengroßen Tannen und kaum etwas anderes ist wahrnehmbar. Obwohl so düster, hat diese Atmosphäre nichts beängstigendes oder gruseliges an sich. Es entsteht und umhüllt mich ein wohliges Gefühl von Geborgenheit und Ruhe.

Eine waldestypische Kühle liegt in der Luft, die zusammen mit den Tannen Erhabenheit verströmt und sich wie beruhigender Balsam auf die Seele legt. Während dann dunkle Rosen und Veilchen um Aufmerksamkeit buhlen, erscheint wie von Zauberhand eine kräftige Dosis Weihrauch. Er ist es also einmal mehr, der für die zarte Kühle in der Luft sorgt und alles ein wenig schwebend macht. Dieser mystischen Zartheit kann selbst Patchouli nichts anhaben, zumal dieser in „Ecstasy“ unverschämt schön und betörend ist. Kein Muff, kein feuchter Keller, einfach nur kuschelige, trockene und erdige Noten, mit jenem Hauch Kakao, der mir sonst zumeist verwehrt bleibt in Patchouli-Kreationen. Hier passt jedoch alles für mich, ach was, nennen wir das Kind beim Namen, es ist ganz wundervoll und ich bin hin und weg!

Die göttliche Basis mir all ihren wundervollen Ingredienzien verstärkt meine spontane Liebesbekundung sogar auf heftigste, denn auch hier wurde nicht gespart und aus dem Vollen geschöpft. Ambra und Tonka sorgen für eine leicht balsamische Süße und Sandelholz mit seiner einmaligen Cremigkeit passt perfekt dazu. Je länger „Ecstasy“ auf meiner Haut verweilt, desto schmeichelnder und samtiger wird er. Der Balsam wird immer wärmer und dickflüssiger. Tiefgründig, pulsierend, facettenreich und atemberaubend schön, all das ist „Ecstasy“.

Wundervoll, ganz und gar wundervoll ist das!

Mit „Gold Rose Oudh“ erzählt Tiziana Terenzi vom mystischen Feuer der Wüste. Dieser Mystik nähert man sich hier mit einer inzwischen recht gut bekannten Duftnote, dem orientalischen Adlerholz, das Oud genannt wird. Manch einer zeigt sich gelangweilt von dieser Parfum-Zutat, ich rieche es noch immer sehr, sehr gerne und bin neugierig auf (fast) jeden neuen Oud-Duft. Man denkt immer, dass das Rad nicht mehr neu erfunden werden kann, aber Ausnahmen bestätigen diese Regel, wie wir sicherlich alle wissen. Ich habe gerade in der letzten Zeit, einige tolle Oud-Düfte kennen gelernt, die mich tatsächlich in Erstaunen versetzen und die mich begeisterten.

Ob Tiziana Terenzis Rosen-Oud-Interpretation dazugehört?

Gold Rose Oudh“ legt überraschend frisch los, damit hätte ich gar nicht gerechnet, ich staune darüber, dass die Bergamotte hier so eine enorme Kraft entwickelt. Es ist flirrend-prickelnd und es dauert eine halbe Ewigkeit, bis ich eine Veränderung feststellen kann. Diese ist allerdings nur auf der Haut auszumachen, der Papierstreifen lässt sich komplett von der Bergamotte einnehmen und gibt erst am nächsten Tag(!) mehr Duftnoten frei. Solange muss ich glücklicherweise nicht warten und nach dem strahlenden Auftakt wird es bald wärmer und somit auch sinnlicher. Rosen und Patchouli sind nun beide gleichberechtigt „voll da“ und tauchen „Gold Rose Oudh“ in orientalische Mystik und glimmende Dunkelheit. Die Herznote nimmt an Tempo auf und heizt ordentlich ein, so dass alles sehr viel komplexer und betörender wird.

Das gefällt mir schon deutlich besser als die Prickel-Bergamotte der Kopfnote, die jedoch noch immer wahrnehmbar ist. Ein Prise Pfeffer sorgt für etwas Schärfe, die Spannung erzeugt und Würze bringt. Allerdings empfinde ich diese Prickelei als etwas nervend und das verleidet mir doch ein wenig das Duft-Erlebnis. Das muss man also mögen, sonst wird man mit dem 4. Duft der Terenzi-Reihe nicht glücklich. Ist das allerdings überstanden, dann hat man einen sehr gefälligen Rosen-Oud – wenn man denn noch einen braucht. 😉


„I’m on fire“ – Bruce Springsteen live – Pinkpop Festival 2009

Und Ihr Lieben, lachen sie Euch an und werdet Ihr testen?

Herzliche Grüße
Eure Evelyn

Von Evelyn

Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.