Baldi – Parfumkunst auf höchstem Niveau – Teil 2

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Wie bereits gestern in der langen Einleitung angekündigt, schauen wir uns heute und morgen gemeinsam die vier Baldi-Düfte an.

Diese sind „Lapislazzuli„, „Malachite„, „Occhio di Tigre“ und „Ametista„. Alle vier stammen aus der Phiole von Enzo Galardi, der Nase hinter den bekannten und beliebten Düften von Bois 1920 und Odori.

Stürzen wir uns also direkt in olfaktorische Vergnügen und schnappen uns den ersten Kandidaten! 🙂

Malachite“ gleicht einem Traum aus 1001 Nacht.

Magische Ingredienzien offenbaren von der ersten Sekunde an die reiche Opulenz des Orients mit all seinen Facetten. Mit einer fast atemberaubenden Intensität finden wir uns wieder inmitten dieser fremden, exotischen Welt, die soviel Reiz und Faszination ausübt. Immer wieder wählen Parfumeure den Orient als Thema und die Duft-Gruppe der Orientalen ist sehr gut vertreten. Enzo Galardi zeigt ohne Umschweife wo es langgeht und das Tempo erscheint hoch.

Würzig-warmer, leicht pfeffriger Ceylon-Zimt und Safran, das sind die ersten beiden Duftnoten, die es mir um die Nase weht. Bei Safran bin ich immer ein wenig ambivalent, schnell wird das edle Gewürz allzu herbbitter und leicht beißend. Doch Maestro Galardi hat gute Arbeit geleistet und durch Hinzugabe der Harze dem Safran balsamische Weichheit verliehen. Besonders die Labdanum-Note besitzt genug Intensität und Kraft um den Safran im Zaun zu halten und zu bändigen. Nach kurzer Zeit kommen die Auftaktnoten ein wenig zur Ruhe, keine drängelt sich mehr vor und ab dann lässt sich auch das volle Ausmaß von „Malachite“ sehr gut erkennen. Man kann nicht anders als diesem Zauber zu erliegen.

Ein klein wenig gezähmt also geht es weiter und je mehr Zeit vergeht, umso schöner und anschmiegsamer wird „Malachite“ auf der Haut. Ganz anders auf dem Papierstreifen! Dort überwiegt tatsächlich eine bittere, fast medizinische Note, die etwas Stechendes hat und mir so gar nicht gefallen will. Gut also, dass unsere Haut die Fähigkeit besitzt Parfums zu ihrer wahren Größe zu verhelfen! Eine imposante Rose, nimmt es neben der Immortelle, als einzige Blüte mit den Großkalibern an Gewürzen, Harzen und Hölzern auf. Faszinierend, wie ihr das tatsächlich auch gelingt, muss sie doch hier neben opulenten und kraftvollen Gewürz-Souks bestehen. Die Immortelle, eher ja bekannt für ihrer leicht salzige, krautig-würzige Crispigkeit, verleiht hier einen warmen honigartigen Schleier, der alles zart umhüllt.

Und dann ist da noch das Oud. Es unterstreicht hier die orientalische Exotik vortrefflich und mir fällt bei Gott keine andere Ingredienz ein, die diesen Charakter so passend unterstreichen könnte. Mag sein, dass der eine oder andere die Nase voll hat von dem fast inflationären Umgang mit diesem Rohstoff, wenn er jedoch so gekonnt stattfindet wie hier, dann bitte mehr, immer mehr davon! Ohne die gefürchtete medizinische Kratzigkeit ist dieses Oud in „Malachite“ vor allem balsamisch, weich und anschmiegsam. Magische, fast hypnotische Momente offenbaren sich, je tiefer und je weiter man sich darauf einlässt. Changierend zwischen weicher Feminität und würziger Maskulinität wird „Malachite“ beiderlei Geschlechter begeistern und mit dem, ihm anhaftendem Zauber, ins (dunkle) Reich der Sinnlichkeit entführen.

Als nächstes habe ich „Occhio di Tigre„, das Tigerauge also, aufgesprüht.

Die Duft-Pyramide macht Lust auf mehr, hier sind es eher krautig-mediterrane Noten, die Verwendung gefunden haben. Lavendel, Bergamotte, Koriander, Muskatnuss, Salbei, Geranium, Vanille, Heliotrop, Patchouli und Benzoe sind als Duftstoffe angegeben und lassen nun sicherlich schon das eine oder andere Herz höher schlagen, da bin ich mir ganz sicher. 😉

Herzklopfen bekomme ich auch sofort, denn was mir hier ums Näschen weht ist berauschend schön, von ersten Moment an! Würzig-weicher Lavendel täuscht für einen winzigen Moment Leichtigkeit vor, doch sofort lässt sich erahnen, welche Kraft und Präsenz diesem Tigerauge innewohnt.

Tiefe und Eleganz sind eines Tigerauges absolut würdig und die krautigen Noten verstärken diese sinnlich-pudrige Melange eher noch.

Occhio di Tigre“ fasziniert mich wirklich, denn je länger ich darüber nachdenke, umso verblüffender wirkt dieser herrliche Duft auf mich!

Genau betrachtet sind es nämlich tatsächlich nur Kräuter und Gewürze, die diesen dichtgewebten Duft ausmachen. Abgesehen vom Heliotrop. Und diesem ist es nämlich zu verdanken, dass trotz aller herb-krautigen Würze eine pudrige Sinnlichkeit dominiert. Der Heliotrop, der ja auch Vanilleblume genannt wird, geht hier wirklich aufs Ganze und überzieht alles mit einer sinnlichen, verführerischen Puderschicht. Nicht staubtrocken, Gottlob nicht, aber Puder-Nuancen sollte man schön mögen, sonst könnte es schwierig werden.

Mir persönlich gefällt diese lustvolle Variante sehr und wer zum Beispiel „Stoned“ von Solange Azagury-Partridge liebt, sollte sich „Occhio di Tigre“ nicht entgehen und unbedingt testen!

Man möge von der Dekadenz der Baldi-Objekte halten was man mag, die vier Parfums sind überraschend tragbar und bodenständig, im Sinne der soliden Handwerkskunst, die dahinter steckt.

Für morgen bleiben uns dann noch diese beiden hier: „Lapislazzuli“ und „Ametista„. Ich freu mich schon darauf und bin gespannt was man da für uns kreiert hat. 🙂

Ihr hoffentlich auch?!

Morgen geht’s weiter,
bin dahin viele liebe Grüße
Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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