Segel setzen mit „Mistral Patchouli“

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Atelier Cologne nehme ich persönlich immer mehr wahr, als ein Dufthaus mit Mut zu Experimenten und Freude am Ausprobieren. Ganz besonders gefällt mir auch die Poesie hinter den Duft-Konzepten, wahrscheinlich einfach deshalb, weil ich das geschriebene Wort gerne mag. Jongliere und spiele ich ja selbst jeden Tag mit Worten, deshalb genügen mir diese meist, um mein Kopfkino anlaufen zu lassen.

Zu „Mistral Patchouli“ war folgendes zu lesen: „Genauso wenig wie sie die Gewalt des Windes stoppen konnte, genauso wenig konnten sie noch länger voneinander getrennt bleiben. Sie hatten allen Besitz zurückgelassen, aber jetzt waren sie zusammen, furchtlos und frei. Sie lachten in der salzigen Seeluft und verbrachten noch einen letzten Moment an Land, bevor sie die Segel setzten, hinein in eine leuchtend blaue Nacht.“ 

Klingt das mal richtig romantisch oder nicht?! *schmacht* Aus Liebe alles hinter sich lassen, noch einmal neu beginnen, mit nichts, als der Liebe und dem, was man am Leibe trägt. Zugegeben – eine ziemlich wild-romantische Vorstellung, wenn gleich auch, ich es so ähnlich erlebt und erliebt habe. 😉 Wie sonst käme ein waschechtes Schwabenherz so mir nix, Dir nix, ins rheinländische Exil? 😉

Furchtlos und frei. Angstfrei könnte man auch sagen. Angstfrei ein Wagnis einzugehen und unkonventionelle Duft-Kreationen ins Leben zu rufen. Düfte mit Ecken und Kanten zu kreieren und sich ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen. Wohlwissentlich um die Gefahr, die da lauert, wenn ein Duft zu „nischig“ ausfällt und für die Allgemeinheit zu wenig glatt gebügelt ist.

Atelier Cologne sind diesen (durchaus unsicheren) Weg mit „Mistral Patchouli“ gegangen und alleine dieser Mut ist es schon wert, dass man sich mit „Mistral Patchouli“ näher befasst.

Was dürfen wir also erwarten, von einem Duft der den Hinweis auf den Mistral, ein aus Nordwest wehender kalter Wind, der beachtliche Kräfte entwickeln kann, im Namen trägt? Mindestens ja einen Patchouli-Kracher, so denkt man, nicht wahr?

Weit gefehlt, denn genau das ist „Mistral Patchouli“ nicht! Echte Patchouli-Hardcore-Liebhaber könnten enttäuscht sein, insofern wäre mein einziger Kritikpunkt die Namensgebung. Denn, wie gesagt, es besteht immerhin die Gefahr, dass die einen sich enttäuscht abwenden, während die anderen diesen Duft erst gar nicht probieren, weil Patchouli drauf steht.

Und das wäre tatsächlich ein großer Jammer! Entgehen würde einem hierbei nämlich ein ganz großartiger Vertreter der salzig-maritim-rauchigen Richtung und genau diese genannten Komponenten machen die fesselnde Faszination von „Mistral Patchouli“ aus. Grüne, luftige Erde ist es, gemeinsam mit einer trockenen Iris, meditativem Weihrauch, minzig-frisch angehauchten Geranien und allen voran dem Sternanis, der tonangebend ist. Dieses Grün der Erde ist ein besonders schönes und schmeichelndes. Es ist ein Grün, das von der Meeresnähe lebt und den Salzgehalt der Luft aufnimmt und in sich trägt. Grasig-rauchige Vetiveranklänge lassen an den wunderbaren und vielgeliebten „Sel de Vetiver“ von The Different Company denken, wobei durch den Sternanis eine andere Stimmung aufkommt. Ich empfinde eine salzige, trockene Frische, die tatsächlich gut vom Mistral stammen könnte. Die Saftigkeit und Säure der Pampelmuse bringt ihr helles Leuchten ein und bildet so einen schönen Gegenpol zu den erdigen Nuancen. Und dieses sonnengelbgesprenkelte Maritim-Stillleben hält sich erstaunlich lange auf der Haut.

War da nicht noch was? Patchouli, genau! Ich nehme an, diese anziehende Kraft, die zum Kuscheln, Verweilen und Entdecken einlädt, wird von einem besonders schönem und weichem Patchouli bestimmt. Gut getarnt ist er, so sanft und milde dosiert, dass selbst die, die im Patchouli ihren Angstgegner gefunden haben, unbedingt testen sollten.

Jérôme Epinette scheint derzeit zu Höchstform aufzulaufen, war doch schon „Rose Anonyme“ eine durch und durch bezaubernde Rosen-Oud-Interpretation, die ich gerne und oft trage. „Mistral Patchouli“ dagegen sehe ich tendenziell eher am männlichen Geschlecht, lasse mich aber (speziell im Hochsommer!) gerne eines besseren belehren. Ich kann mir bei entsprechenden Temperaturen nämlich gut vorstellen, dass genau dieses erdige Herbheit auch auf Frauenhaut eine betörende Mischung darstellt. Momentan fehlte bei meinem Hauttest jedoch eindeutig ein wenig Wärme. Umso herrlicher und kraftvoll intensiv, empfand ich „Mistral Patchouli“ auf Männerhaut…

Wie gefallen Euch denn die Düfte aus dem Hause Atelier Cologne, was sind Eure Lieblinge?

Viele liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

4 Kommentare

  1. Christiane on

    Hallo Evelyn,
    mein absoluter Liebling ist ja Orange Sanguine. Einer meiner Lieblingssommerdüfte. Aber die Vanille ist auch sehr schön, wenn auch „spezieller“, weniger gefällig.

  2. Evelyn @Beauty Mekka on

    Hallo liebe Christiane,

    ohja, die beiden sind auch ausgesprochen schön.

    Wobei ich mit der Orange auf meiner Haut nicht zurecht komme, die macht Faxen. Ich hätte ihn gerne geliebt, mir gefällt die Beschreibung dazu so sehr. 🙂

    Dafür liebe ich die Vanille umso mehr und trage sie gerne und häufig. 🙂

    Hast Du Neroli schon probiert? Das ist ein absoluter Sommersonne-Wohlfühlduft!

    Liebe Grüße
    Evelyn

  3. Christiane on

    Neroli??? 😮 Da muss ich doch gleich mal auf die Suche im www gehen….
    P.S. Du bist böööööse! 😛

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