Rhabarber-Düfte 2013

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Rock’n Roll der Duftnoten

Man hasst oder man liebt sie, die langen Stangen mit der eigentümlichen Säure und der prickelnden Herbheit. Als Kinder liebten wir wohl alle den Rhabarber, frisch aus dem Garten und großzügig eingetunkt in Zucker. Mhmmmmm! Schon der bloße Gedanke daran, macht heute noch den Mund wässrig und nur die Erinnerung macht, dass mein Mund sich sofort zusammenzieht. Irre, oder? Welch ein Macht Düfte und Geschmäcker doch auf unsere Erinnerungen ausüben!

Rhabarber in Parfums gibt es schon länger, zumeist waren sie bisher jedoch eher Nebendarsteller auf großer Bühne, nett zwar, doch ohne einen großen Eindruck zu hinterlassen. Statisten halt. Schön anzusehen, irgendwie auch von Nöten, doch nichts, an was man sich wenige Momente später noch erinnern könnte.

Das ändert sich nun spätestens in diesem Sommer! Rhabarber ist der Sommer-Hit schlechthin und man kommt um die sauren Stängel, die zu den Knöterichgewächsen zählen, einfach nicht drum rum. Das bescheidene Gemüse stellt wenig Ansprüche an Boden und Bepflanzung, umso erfreulicher ist, dass der Geschmack dafür umso kapriziöser ist. Die prickelnde Säure macht mitunter sogar die Zunge pelzig und irgendwie liegen hierbei Lust und Abneigung immer ganz nahe beinander. Es schüttelt einen vor Säure, gleichzeitig verlangt man nach mehr. Verrückt! Und sooooo lecker! Als Kompott, als Kuchen sowieso und ganz besonders auch als Limonade, die an heißen Tagen wunderbar den großen Durst.

Nun also Rhabarber als Sommer-Hit 2013! Passt perfekt, das wissen wir nicht erst seit letzten Sommer, in dem Aedes de Venustas den Hype um die prallen Stangen mit ihrem gleichnamigen Signature Eau de Parfum „Aedes de Venustas“ einläuteten. In diesem Masterpiece bildet knackige, fast quietschende Säure mit ziemlich herb-grünen Tomatenblättern und rauchigen Akzenten, ein ganz und gar un- und außergewöhnliches und Duft-Erlebnis. Changierend zwischen den zwei Polen, fällt eine Einordnung schwer, so intensiv sind die deutlichen Chypre-Charaktere. Auf einen klassischen Duftaufbau wurde verzichtet, „Aedes de Venustas“ entfaltet sich eher rund und in weichen Wellen. Schnell avancierte diese Komposition von Großmeister Bertrand Duchaufour zum Kult-Duft und zur Referenz für Rhabarberdüfte.

Comme des Garçons hatte schon vor einiger Zeit den richtigen Riecher und macht deshalb schon länger einen auf Rhabarber. Das wundervolle „Series 5: Sherbet – Rhubarb“ stammt übrigens ebenfalls aus der Phiole von  Bertrand Duchaufour. Hier sind es jedoch eher cremig-sinnliche Genuß-Momente, die kredenzt werden. Weiche, himmlisch sahnige Anleihen kitzeln den Gaumen, säuern jedoch den Mund nicht direkt so heftig ein. Es ist eher eine milde Säure, eine die mit viel Sahne und Vanille gefügig gemacht wurde. Immer noch erfrischend und perfekt für sommerliche Träumereien, doch mit weit weniger krautiger Frische ausgestattet. Ein Schmeichler durch und durch.

Schmeichelhaft und köstlich – das passt ebenso auf gleich zwei Düfte von James Heeley. Und bei beiden spielt der Rhabarber (dem Namen nach!) eigentlich keine Rolle, doch witzigerweise empfindet das die Nase ganz anders. Bei „Figuier“ mögen zwar saftig-pralle, süße Feigen und eine unwiderstehliche, authentische Heunote in der Hauptrolle sein, doch trotzdem offeriert sich hier eine ganz großartige Rhabarber-Nuance. Für mein Empfinden ist es sogar so, dass eben dieser Rhabarber die Besonderheit dieses Feigenduftes ausmacht. Grün, cremig und mit einer fein dosierten, cremig-milchigen Frische ausgestattet, ist dieser Heeley ein Duft, wie ein perfekter Urlaubstag von dem man nicht genug bekommen kann. Sinnlich und aufregend!

Verveine“ – nun auch das klingt nun erst mal nicht nach allzu viel Rhabarber, oder? Trotzdem – hier haben wir es mit einer ausgesprochen dominanten und intensiven Rhabarbernote zu tun! Spritzig und ein wenig herb, rauscht „Verveine“ los und knallt einer Explosion gleich, zitrische Säure und herbe Würzigkeit um die Nase. Das milde Eisenkraut hat hiergegen kaum eine Chance, somit ist eigentlich das Thema verfehlt, doch ein anderes umso schöner getroffen. 😉 „Verveine“  ist die perfekte Erfrischung an schwül-heißen und (stimmungs)drückenden Sommertagen mit heftiger Gewitterneigung und selbst dann nicht zuviel, dafür sorgen die fein abgestimmten Duftnoten.

Von ähnlicher Sanftheit, dabei jedoch prickelnd-modern und überaus entzückend ist auch Monodie von YS UZAC. Zusätzlich zu den begehrten Stangen finden sich hier Mirabellen, Pflaumen, Pampelmusen und Mandarinen wieder. Ein herrliches Sorbet also, das von der feincremigen Milde der Alpenveilchen und den Freesien zart-floral ausgeschmückt wird. Strahlend und erfrischend, fern ab der üblichen zitrisch-lauen Sommerwässerchen. Zwischendurch blitzt immer mal sahniges Karamell durch, das mit seinem hauchfeinen Röstaroma einen ausgezeichneten Spannungsbogen bildet. Wer gerne raffinierte und außergewöhnliche Fruchtdüfte mag, sollte hier unbedingt testen!

Raffiniert und außergewöhnlich ist auch mein heißgeliebtes „Eau Radieuse“ aus dem Hause Humiecki & Graef. Nicht vordergründig rhabarberig, doch trotzdem unverkennbar als solcher einzuordnen, punktet dieser Duft mit seiner ätherisch-frischen Minznote, die besonders an heißen, und ich meine richtig heißen, Tagen wirkt. Die Minze alleine verbreitet schon spürbare Kühle, doch erst mir der herben Säure des Rhabarbers wird daraus ein hochsommerliches Duft-Vergnügen, das durchaus süchtig machen kann! Bei mir schon seit einigen Sommern ein Dauerbrenner, immer und immer wieder gerne.

Das Zeug zum Dauerbrenner hat auch der neue Duft von  Olfactive Studio. „Flash Back“ funktioniert meines Erachtens nur im Sommer, dann aber so richtig gut!  Säuerlich-herbe Fruchtigkeit trifft auf trockene, warme Hölzer. Die Säure des Rhabarber ist stellenweise fast bitter und deswegen kann ich die Kuchen-Assoziation nicht im Geringsten nachempfinden, trotzdem wird „Flash Back“ zum Verführer – für mich allerdings eher auf Männerhaut.

Ein echter Geheimtipp ist „Roboris„, bei dem das Kompott-Gemüse auch wieder nicht vordergründig, doch wahnsinnig gut gemacht, präsentiert wird. Im Verbund mit dem zarten Grün der Veilchen, Kaktus und Glyzinie, wird daraus ein unwiderstehliches Duftgebilde, das einerseits grüne Cremigkeit verbreitet, anderseits auch feuchte Würzigkeit verströmt. Die Rhabarbernote fungiert als Verbindung zwischen diesen beiden Empfindungen und kitzelt aus „Roboris“ ein Mindestmaß an Schönheit und Außergewöhnlichkeit heraus.

Das, meine Lieben, waren sie auch schon, meine Rhabarber-Tipps für Euch!

Übrigens – Georg Wuchsa, Gründer und Eigentümer von „Aus Liebe zum Duft“, gab Radio Arabella erst kürzlich ein Interview. Thema war Sommerdüfte 2013 und auch er sprühte nur so vor Begeisterung für die köstlichen Stangen, mit dem besonderen Aroma. 🙂

Hört doch mal rein, es lohnt sich:

Viel Spaß beim Ausprobieren und Genießen
wünscht Euch
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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