Byredo Parfums – Bullion

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Pflaumenkuss auf Leder

Bullion, der letzte Duft des sehr verehrten Mr. Gorham, seines Zeichens Gründer von Byredo, ist eigentlich kein ganz neuer Duft mehr. Lanciert wurde er bereits im Frühjahr diesen Jahres, zusammen mit Inflorescence, der jedoch eine ganz andere Duft-Melodie spielte und den nahenden Frühling ehrte. „Bullion“ dagegen erschien mir für eine Frühjahrs-Rezension doch etwas unpassend, wo doch alle Welt sich nach frühlingshafter Leichtigkeit und sonnigen Duftnoten sehnte. Denn all das ist „Bullion“ nicht. Im Gegenteil – schon beim ersten Schnuppern, sah ich dieses Schätzchen sofort als Duft, der den kommenden Herbst in sich trägt und Lust auf eben jenen macht. Unbändige Lust!

Nun ist es bald soweit – erahnen lässt er sich da draußen bereits. Die Luft hat sich verändert, wurde klarer, kühler, vor allem frühmorgens und am späten Abend, aber vor allem das Licht hat sich verändert. Nicht nur, dass es bereits wieder merklich früher dunkler wird, nein, es herrscht dieses ganz besondere Licht, das ich immer gerne „Toskana-Licht“ nenne. Ein wenig milchig, noch warm, aber nicht mehr von Hitze geprägt, milde Sonnenstrahlen zaubern eine einzigartige Atmosphäre in der Natur. Das erste zaghafte rot der Blätter mischt sich schon bald mit den goldenen Strahlen der tiefstehenden Sonne. Noch ist er weit, der Indian Summer, und doch – es liegt was in der Luft. Eindeutig Herbst, finde ich.

Byredos „Bullion“ ist dem frühen Herbst ganz ähnlich.

Einerseits sind da noch helle, fast strahlende Momente anzutreffen, anderseits atmet alles eine fast verwegene Mischung aus Wärme, Nähe und Abenteuer. Reiter unter uns, werden sicherlich genau wissen was ich meine, wenn ich Mensch und Pferd, als Einheit, im warmen Abendlicht über leere, karge Stoppelfelder in Richtung Sonne reiten sehe. Das Leder vom Sattel duftet intensiv und ein wenig rau, vermischt sich aber mit dem Duft von dunklen, reifen und saftigen Pflaumen. Ihr Saft tritt aus, wenn man leicht dagegen drückt, ihre Süße kitzelt die Geschmacksknospen und verwöhnt den Gaumen. Die Verbindung von Leder und Pflaume erhält einen milchigen Touch und eben jener ist es auch, der „Bullion“ so besonders und eigenwillig macht. Diese seidenweiche, helle Milchigkeit ist betörend und nimmt die leicht animalische Strenge des Leders in sich auf. Der Hauch von Pfeffrigkeit, erzeugt gemeinsam mit dem tuffigen Moschus, edle Schattierungen von hell nach dunkel. „Bullion“ ist unbedingt als sinnlich zu bezeichnen, doch keinesfalls als aufdringlich oder überbordend.

Die klare orientalische Ausrichtung ist unverkennbar, doch sie ist anders, als Orientalen sonst komponiert sind. Reiner irgendwie, heller und strahlender, dabei mangelt es „Bullion“ keineswegs an Tiefe und Komplexität! Im Gegenteil. Ich empfinde diesen Duft als reich und opulent, aber die Ingredienzien scheinen äußerst fein und gekonnt aufeinander abgestimmt zu sein.

All das ergibt einen extrem hochwertigen, dicht gewebten und vielschichtigen Duft, der einen mit seinem pflaumengeküsstes Leder-Thema leicht zum Wahnsinn treibt.

Tragbar übrigens für beiderlei Geschlechter. Auf meiner Haut dominiert die pflaumige Köstlichkeit zusammen mit dem Leder, auf der meines Liebsten treten eher die holzigen, ledrigen und eindeutig männlich-herberen Noten zutage. Tatsächlich riecht er auf Männerhaut ganz anders als an mir, kaum hätte ich ihn wiedererkannt, ein echtes Chamäleon also. Und welch wunderbares dabei noch!

Ein wenig geht „Bullion“ in die Richtung von Olfactive Studios „Chambre Noire„, dieser ist jedoch dunkler und – direkter. Hat mehr Sex in sich und fordert – was auch immer. 😉

So riecht Vorfreude auf den Herbst!

Viele liebe Grüße,
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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