Erik Kormann – Eau de Fröhliche No. 3

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Fröhliche Neuigkeiten aus Berlin

Und wieder hat er es getan. Erik Kormann präsentiert den dritten und letzten Teil seiner Weihrauchöl-Trilogie. Nach dem legendären Eau de Froehliche No. 1, das mit dem Mops, folgte im letzten Jahr die No. 2 mit der Frechdachs-Katze und nun eben als (krönender?) Abschluß die No. 3, dessen Flakon diesmal ein Rabe schmückt.

Ist er nicht allerliebst der Flakon? Selbst ich, als bekennender Nicht-Sammler von Flakons, werde hier schwach und muss dieses hübsche und kunstvolle Fläschchen einfach haben. Einmal mehr war es der Leipziger Künstler Jo Zarth, der für die künstlerische Gestaltung der Flakons zuständig war. War der Mops schon eine echte Augenweide, ist dieser Rabe wahrhaftig grandios, seht Euch das mal genau an. So wunderschön!

Doch – wie wir wissen, der tollste Flakon taugt ja nichts, wenn der Inhalt nicht stimmt. Also konzentrieren wir uns darauf, denn das ist es doch, was am Ende zählt.

Einfach drauflos sprühen ist hier aber nicht, meine Herrschaften! Hinter Erik Kormanns Eau de Fröhliche No. 3 steckt soviel Geschichte, die darf ich Euch nicht vorenthalten.

Eau de Fröhliche No. 3 entpuppte sich als echtes Gemeinschafts-Projekt und bemühte großartige Nasen und Duft-Entwickler. Auf seinem Blog, beschreibt Erik wie es zur schöpferischen Zusammenarbeit mit Dr. Philip Kraft (Riechstoff-Chemiker bei Givaudan) und  Alain Alchenberger (Forschungsparfumeur bei Givaudan) kam. Philip Kraft war so angetan von Eriks Grundidee, den letzten Duft der Reihe mit Cassis zu kombinieren, dass die Zusammenarbeit sogar so weit ging und Philip Kraft eigens einen neuen Duftstoff für Erik Kormann erfand und entwickelte.

Hierüber sagt Dr. Philip Kraft selbst:

Cassyran, im Deutschen ohne ‘e’, war durch die Übertragung des seco-Konzeptes vom Pomarose auf das Theaspiran, den natürlichen Duftstoff der schwarzen Johannesbeere, designt worden. Theaspiran riecht wunderbar natürlich, aber ist etwas schwach und wird so selbst in der schwarzen Johannisbeere von anderen Verbindungen, die schweflige, metallische oder katzenurinartige Noten besitzen, überdeckt. Durch ein paare gezielte Schnitte am Theaspiran konnte der natürliche Duft um ein vielfaches intensiviert werden, vor allem in seiner Fruchtigkeit, so dass das natürliche Prinzip des Cassis übernatürlich verstärkt wird. Häufig nun braucht es, wegen konservativer Markttest, Jahre bis Parfümeure die Dosis einer neuen Verbindung schrittweise nach oben anpassen. Das ‘Eau de Froehliche 3′ bot, da das Konzept so perfekt zum Duft passte, die Gelegenheit Cassyran direkt in einer Überdosis von um die 10% einzusetzen, und davon konnte ich die richtigen Leute in meiner Firma (Givaudan) überzeugen.

Als also das sagenhafte Cassyran geboren war, da kam dann Krafts Kollege, Alain Alchenberger, ins Spiel. Alain nahm sich der Schwarzen Johannisbeer Note an und komponierte eben diese um das Cassyran herum, ganz nach Eriks Vorstellungen. Es wanderten sicherlich unzählige Pröbchen und Duftblätter hin und her, ich kann mir gut die Ungeduld auf der jeweiligen Seite vorstellen, bis man wieder eine Schnupperprobe im Briefkasten vorfand. Welch eine konstruktive und offensichtlich harmonische Zusammenarbeit!

Denn – bei aller Professionalität der Givaudan-Herren, der Funke ist ganz offensichtlich übergesprungen, wie sonst könnte das Ergebnis ein derart überzeugendes geworden sein?! Hier waren gemeinsam drei Menschen am Werk, die genau spürten was zu tun war und heraus kam ein Duft, der nur so sprüht vor Lebensfreude und Fröhlichkeit.

Und das mitten im Winter. Aber das kennen wir ja von Erik bereits, er verwirrt gerne auch mit seinen Monatsdüften und beschert so schon mal einen September im schönsten Mai. 😉

Schön und gut, doch wie duftet sie denn nun, die No. 3 der Eau de Fröhliche Trilogie? Ganz und gar bezaubernd! Bereits die Eröffnung ist so kraftvoll und so positiv erfrischend, dass es sich dafür alleine schon gelohnt hätte. Krautige Frische und herrliche Fruchtigkeit, ganz ohne Säure. Mouthwatering also, aber nicht etwa durch zusammenziehende Säure, sondern durch die herbe Fruchtsüße, die sicherlich die schönste Cassis-Note ist, die ich so jemals gerochen habe. Die Rispen der Schwarzen Johannisbeeren sind üppig bestückt und fanden im Ganzen ihren Weg in den Raben-Flakon. Genau das macht hier auch den Reiz aus, denn die Fruchtigkeit konkurriert mit der grünen Frische, die saftig und fast herb erscheint. Prickelnd und perlend, so lebendig und fröhlich, einfach lebensbejahend und energiereich, eine Kopfnote, die schöner nicht sein könnte. Die spritzige Heiterkeit ist ganz sacht gepfeffert und mit einem Hauch Fruchtsüße versehen. Später lese ich, dass das eine zart-pudrige Himbeer-Nuance ist und kann nur zustimmend nicken, während ich dem Akkord hinterher rieche. Perfekt getroffen und wahnsinnig lecker!

Auch das Herz von Eau de Fröhliche No. 3 ist bestimmt von Krafts Cassyran. Die olfaktorische Kraft dahinter nimmt kaum ab, wird nur weicher und etwas milder, doch kaum schwächer, bringt alle anderen Ingredienzien zum Strahlen und Leuchten. Ein Hauch von Rosen und (minzigen?) Geranien ist zu erhaschen, verstärkt wird dieser florale Kuss natürlich wieder vom Cassyran. Die Dichte nimmt ein wenig zu, es machen sich bereits die Basisnoten spürbar, wetteifern um ihren Raum und Platz, doch glücklicherweise verdrängt hier keiner den anderen. Ein jedes Glied der Duftkette kennt seinen Platz, nimmt diesen ein und gibt sein Allerbestes. Mit Weihrauch, Carvacrol (Bohnenkraut), Cashmeran (Musk), ambrierte Noten, Ceder und Sandelholz ist die Basis benannt und sofort fällt hier natürlich die ungewöhnliche Bohnenkraut-Note ins Auge. Ich wäre nicht darauf gekommen, keine Angst also davor, es riecht selbstverständlich nicht wie Essbares. Eher kräuterwürzig und doch mild, warm und holzig, trocken, kuschelig und sehr einladend. Die zauberhafte Cassis-Note bleibt lange, wirklich sehr lange erhalten und sorgt für diese langanhaltende Frische und die belebende Kraft.

Eau de Fröhliche No. 3 darf zurecht als krönender Abschluß bezeichnet werden! Selbst ich, die sich gelegentlich schwer tut mit den Schwarzen Johannisbeeren im Flakon, bin hier durch und durch begeistert!

Und Ihr? Konntet Ihr schon testen?

Viel Vergnügen dabei
wünscht Euch
Eure Evelyn

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About Author

Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

6 Kommentare

  1. Ich habe ihn getestet – und nein, auch mit dem wirklich zauberhaften Flacon, mich hat er nicht berührt. Johannisbeere, Johannisbeere, Johannisbeere – keine andere Note hatte auf Haut und Stoff eine Chance. Interessantes Experiment – ohne Frage – aber ich mag so nicht riechen 😐
    Haltbarkeit phänomenal – nach einer Woche riecht es auf dem Stoff noch immer sehr stark nach … künstlicher Johannisbeere,

  2. Damit der o.g. Eindruck nicht alleine steht möchte ich meiner Vorrednerin, die schon im Dufttagebuch ihr Missfallen äußerte, es scheint ihr wichtig zu sein, deutlich widersprechen. Eau de Froehliche 3 ist die erste fruchtige und dabei nichtsüße Cassisnote, die mit einem langen Duftverlauf aufwartet und dabei reichlich Platz für anderes lässt. Von Künstlichkeit überhaupt keine Spur. Ganz im Gegenteil. Dafür ist schon die Rosmarinfacette viel zu deutlich. Man sollte nur nicht, wenn man Lederdüfte und liebliche Orientalen bevorzugt, genau das erwarten und dann bemängeln. Dafür sind solche Experimente einfach viel zu schön.

  3. Meiner Vorrednerin möchte ich an dieser Stelle deutlich widersprechen. Eau de Froehliche Nummer 3 ist meiner Kenntnis nach der erste Cassisduft, dessen Fruchtnuancen sich nicht-süß durch den Duft hindurchziehen, entwickeln und dabei viel Platz für anderes lassen. Keine Spur künstlich, dagegen spricht schon die deutlich wahrnehmbare Rosmarinnote. Man sollte nur nicht erwarten, wenn man Lederdüfte und schwere Orientalen mag, dass sich dieser fruchtige „Gewürzduft“ ähnlich verhält.

  4. Natürlich finde ich es schade, dass ich Evelyns Begeisterung nicht nachvollziehen kann – mein Konto eher weniger 🙂 . Aber ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn es andere Meinungen/Empfindungen gibt – Nasen, Erinnerungen, Geschmäcker sind verschieden. Und das ist auch gut so. 😆

  5. Evelyn @Beauty-Mekka on

    So ist es, gerade das unterschiedliche Duftempfinden und das Erleben, ist es doch, was die Duftwelt so spannend macht.

    Würden wir alle die selben Parfums lieben und tragen – Mon Dieu, was wäre das doch sterbenslangweilig! 8)

    Und unterschiedliche Meinungen sind da um hinterfragt und ggf. selbst ausgetestet zu werden. Manchmal ist es genau diese andere Meinung, die wieder andere anspricht und als Aufforderung zum Test gesehen wird. So ist das eben und das ist auch gut so. Finde ich zumindest. 🙂

  6. Wie recht Ihr habt… und bei aller Liebe zu den Düften – hier geht es „nur“ um Parfum, nicht um Leben und Tod.

    Geschmäcker sind verschieden. Ich liebe z. B. Schokolade mit Orangenaroma und meine Zwillingsschwester rümpft nur die Nase…

    Wie sagte schon der alte Fritz: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“.

    Schönen Sonntag!

    Barbara

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