Penhaligon’s – Vaara

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I wanted to love it

Während ich die meisten der „alten“ Parfum-Kreationen des Hauses Penhaligon’s sehr schätze, sind es nun zwei Neuerscheinungen in Folge, die mich enttäuscht zurücklassen. NachIris Prima – Thema verfehlt, setzen! – werden nun alle Erwartungen auf „Vaara“ gesetzt. Das Thema, die Duft-Pyramide, die Ingredienzien und natürlich der Parfumeur verheißen hier nur Gutes. Wo Bertrand Duchaufour draufsteht, ist Qualität zu erwarten. So war es zumindest bisher und Duchaufour ist nicht umsonst einer der begehrtesten Parfumeure unserer Zeit. Und doch – ich frage mich, hat er den Zenit seines Könnens nicht nur erreicht, sondern, mehr noch, schon überschritten? Hat er all seine Kreativität zu schnell verbraten, sich selbst verheizt und sämtliches Pulver verschossen? Zugegeben, das sind harte Worte, doch im Hinterkopf habe ich drei weitere Neuerscheinungen (NEIN, es handelt sich hierbei nicht um die die grandiosen Neela Vermeire Parfums!) von ihm, die mich allesamt nur auf den ersten Sniff begeisterten, sich dann jedoch eher mäßig bis enttäuschend entwickelten. Böse Falle. Vielleicht wäre auch in Ihrem Falle, weniger eindeutig mehr, Monsieur Duchaufour?

Alles begann mit der Geburt von Vaara. Vaara ist die Enkeltochter des Maharajas His Highness Maharaja Gaj Singh II. Und weil der Maharaja sowohl seine Enkelin, als auch das Land in dem er lebt, so sehr liebt und dieser Liebe ein würdiges Denkmal setzen wollte, gab er Vaara, den Duft, in Auftrag. Bertrand Duchaufour, der bereits für Neela Vermeire seine hohe Indien-Affinität erfolgreich unter Beweis stellte, war derjenige, der hierfür den Zuschlag bekam. Von farbenprächtigen Märkten ist im weiteren Verlauf ebenso die Rede, wie von prachtvollen Gärten und atemberaubenden Dufteindrücken.

Ja, diese eine Indien-Impression nehme ich Penhaligon’s „Vaara“ wirklich ab: die Gärten des Maharajas. Doch – ist das schon alles, was die meistbeschriebene Region Indiens ausmacht? Sind das die Gewürze, die Farben, die Gerüche, die Vielfalt Indiens? Bereits Etro versuchte mit Rajasthan einen olfaktorischen Eindruck Indiens einzufangen, der im Übrigen auch enttäuschte. Indien? Keine Spur davon! Meinen Artikel aus dem letzten Jahr habe ich für alle Interessierten verlinkt.

Vaara nun ist vor allem eines – eine Überdosis Rosen. Mädchenhafte, roséfarbene, wässrige Rosen, mit deutlicher Süße und Zuckrigkeit. Kurz denke ich an orientalisches Mürbegebäck, das mit Rosenwasser verfeinert wurde. Und das ist auch bereits schon das orientalischste an dieser Kreationen, das Rosenwasser. Neben den Rosen lässt sich vor allem in der Kopfnote noch eine kräftige Fruchtnote ausmachen. Quitte, so lese ich, ist das. Ehrlich, ich wäre nicht darauf gekommen, jetzt wo ich es weiß, kann ich dem Duftpfad flogen, kann der Spur „nachriechen“ und erkenne diese charakteristische Mischung zwischen Apfel und Birne doch ganz gut. Wobei hier eher der säuerlich-frische Apfel in den Vordergrund tritt. Eine mehlige Birne wäre mir persönlich lieber gewesen.

Die Herznote besteht aus Rose, Freesie, Magnolie und Pfingstrose und kommt wässrig-floral, ein wenig milchig fast, diffus, mit leichter Neigung ins Süßliche, daher. Besonders das üppige Pfingstrosen-Arrangement betont die jugendliche, frische Ausstrahlung zusätzlich. Hier duftet alles (kurzfristig) leicht, frisch und flirty. All das könnte wirklich nett sein, wäre da nicht diese aufdringliche Haarspray-Note, wie man sie eigentlich nur von Moschus, in niedriger Qualität kennt. Puh, jetzt ist es raus. Vaara hat tatsächlich keine sehr hochwertige Ausstrahlung, wirkt in seiner Machart eher dem Mainstream angepasst und ich werde das Gefühl nicht los, dass hier nur auf den großen Namen des Star-Parfumeurs gesetzt wurde – statt auf Qualität und Ausdruckskraft.

Versöhnt denn dann wenigstens die Basis ein wenig? Nein, denn diese ist nicht wirklich wahrnehmbar. Sandelholz? Fehlanzeige! Tonka? War wohl aus und selbst der Honig ist wohl dem Bären (den man uns hier hoffentlich nicht aufbinden wollte…) zum Opfer gefallen.

Vaara bleibt leider die meiste Zeit über seltsam farblos und matt, fast plakativ, ohne große Strahlkraft und Bewegung. War Bertrand Duchaufours Mohur ein Masterpiece auf höchstem Niveau, so mutet Vaara – man verzeihe mir meine Offenheit! – ein wenig wie der billige, verwässerte Abklatsch dessen an, mit der man die Aushilfe beauftragt hat. Hier fehlt es eigentlich an allem – an Spannung, an Innovation und an Qualität.

Setzen. Thema verfehlt.

Wie ist es mit Euch, wollt Ihr solche Marketing-Versprechen eingelöst wissen und werdet Ihr dann auch schon mal sauer, wenn der Duft nicht hält was er verspricht?

Viele liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

3 Kommentare

  1. Liebe Evelyn,

    ich gehöre zu denen, die das „Drumherum“ ziemlich wenig interessiert. Die Geschichten zu den Düften (das sind ja zum Teil so lange „Romane“, dass man sie verfilmen könnte!) lassen mich eigentlich völlig kalt.

    Deswegen bin ich ohne jede Erwartungshaltung.

    Und – ich finde Vaara richtig gut! Ein wunderschöner freundlicher Rosenduft, der mich an das alte „Escada Sentiment“ erinnert, den ich auch schon mochte.

    Allerdings werde ich ihn mir erst im Frühjahr zulegen,
    er ist für mich absolut kein Winterduft.

    So verschieden sind zum Glück die Geschmäcker!

    Liebe Grüße, Birgit

  2. Wenn ich auch noch meinen Senf zu diesem Thema beitragen darf…

    Diesen Beitrag habe vor knapp einem Monat „drüben“ zu einem der drei neuen Duchaufour geschrieben:

    Ja, die Parfumnamen… Immer wieder etwas Neues zu finden, dass ist sicher nicht einfach. Aber die Namen sind mir ehrlich gesagt – schnuppe! Auch die manchmal “konstruierten” Geschichten um den Duft. Mich interessieren eigentlich nur die Zutaten und das Endergebnis. Aus den Rest könnte ich eigentlich verzichten.

    Da geht es mir gleich wie Birgit.

    Ich analysiere die neuen Düfte bei „Aus Liebe zum Duft“ fast wie Kochrezepte: Zutaten interessant? Ja, das muss gut sein. Den „Begleittext“ überfliege ich meistens nur.

    So haben mich z. B. der neue Miller & Bertaux-Duft „in“. Ist vielleicht für die ganzen Marketing-Heinis deprimierend, aber am Ende des Tages geht für mich nur darum: Der Duft ist gut oder nicht. So einfach!

    Liebe Grüsse, Barbara

  3. ARGH…! 😥 😡 😥 😡 😥

    Jetzt schreibe ich den Satz richtig:

    So haben mich z. B. der neue Miller & Bertaux-Duft „in“ und „Almost Transparent Blue“ anhand der Duftnoten „gepackt“.

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