Maria Candida Gentile – Finisterre

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Der Duft der Sehnsucht

Gibt es einen Pilgerweg, um den sich mehr Legenden ranken, als den Jakobsweg? So viele Menschen sind ihn bereits gegangen, jeder kennt inzwischen zumindest einen, der es schon hinter sich hat oder schon Jahre davon träumt. Spätestens seit Hape Kerkeling ist das Pilgern gesellschaftsfähig geworden, angekommen bei der breiten Masse. Nach einer langen Reise, ist Finisterre ein Ort voller Magie, am Ende des Jakobsweges.

Maria Candida Gentile selbst sagt zu Finisterre folgendes:

Ich widme diesen Duft dem Jakobsweg, ein langer Pfad, auf dem die Pilger oft ihren Weg zurück zu einer verlorenen geglaubten, heiligen Dimension finden. Insbesondere ist der Duft Finisterre gewidmet, dem Ort, in dem Sie sich nach der Ankunft in Santiago entscheiden können, noch etwa hundert Kilometer zu Fuß weiterzugehen. Nach alter Tradition sollen dort die Reisenden im Meer baden, ein Kleidungsstück, das sie während der Wanderschaft trugen, verbrennen und schließlich eine Muschel als Beweis ihrer Erfahrung mitnehmen.

Die Begegnung mit dem Ozean, der Kraft des Meeres, dem Wind und der Natur, mit der besonderen Energie dieses Ortes, hat die Kreation dieses Duftes inspiriert.

Und tatsächlich – Finisterre ist ungewöhnlich und ganz und gar bezaubernd. Auf eine seltene Art einfach gestrickt, doch gerade dadurch entfaltet sich der Zauber, dem ich mich nicht entziehen kann. Nicht, wenn ich mich einlasse auf meine immer wiederkehrende Sehnsucht nach dem Meer. Diese Sehnsucht, die hungrig anklopft in meiner Seele, hinaus will, gestillt werden will und einen Weg sucht all dies zu schaffen. Besser wird es durch solch einen sehnsuchtsvollen Duft nicht… *seufz*

Der bodenständigen italienischen Meister-Parfumeurin Maria Candida Gentile gelang mit Finisterre einmal mehr eine melodische Duft-Komposition, die vom Weglassen lebt. Reduktion auf Wesentliches, so scheint es mir oft, ist Marias Thema, das sich stets bei ihr wieder findet. Die Kopfnoten werden einzig als „Maritime Noten“ tituliert, was durchaus richtig ist, dabei jedoch noch viel mehr ausmacht. Diese Kopfnote öffnet Haus und Tür zur Sehnsucht nach dem Meer. Gischt sprüht bis ganz nach oben, auf den Felsvorsprung, von wo wir ein wenig abseits stehend, die Szenerie beobachten. Und schon ist es um uns geschehen! Die Nase erhascht eine flüchtige Ahnung dessen, was da noch kommt, ist wie elektrisiert und wartet begierig auf die nächste Woge, die herauf schwappt. Duft-Moleküle, die nach Salz, Seetang und Haut schmecken, mischen sich mit dem Duft der Immortellen, die am imaginären Wegesrand blühen und stets ihre eigentümliche, seltsame Sprödigkeit zur Schau tragen. Strohblume! Nun gut, eine italienische zwar, doch welch ein unpoetischer Name für eine Blume! Gnädig, dass man ihr wenigstens einen solch wohlklingenden Botanischen Namen verpasst hat und sie sich sonnen kann in eben jenem. Immortelle. Die Unsterbliche. Ihr Gemisch aus Salzigkeit und jenem, leicht bitterem Curry-Aroma ist so besonders, dass ihr Vorkommen in Parfums oftmals zum entscheidenden Zünglein auf der Waage wird. Man liebt oder hasst dieses eigenartige Aroma. Ich liebe es und mag die Eigentümlichkeit dieser Pflanze, die nicht viel neben sich duldet – und auch nicht braucht.

Die Kiefer ist es, die Signora Gentile ihr an die Seite gestellt hat. Welch gekonnter Schachzug, der hier nun solch eine besondere Authentizität erzeugt. Auch die bodenständige Basis, die für das Festland steht, für den Weg, den die Pilger gehen, auf dem sie sich bewegen, überzeugt mich auf ganzer Linie. Gewohnt zurückhaltend, dafür jedoch überraschend ausdrucksstark, wurde auch diese mit nur wenigen Noten geschaffen. Ambra und Sandelholz werden genannt, ich erhasche noch trockene Hölzer und vielschichtige pulvrig-pudrige Nuancen, die sowohl vom Ambra kommen können, aber möglicherweise auch auf einen Hauch Patchouli zurückzuführen sind. Zwischendurch meine ich immer mal wieder einen Hauch von bittersüßem Mandelaroma zu entdecken, da kann mir natürlich meine Fantasie auch Streiche spielen.

Diese gesamte Kombination, zusammen mit der luftigen, prickelnden Leichtigkeit der Kopfnote, ist pure Energie und Labsal für die Seele. Welch wunderbarer, klarer und doch kraftvoller Duft Finisterre doch ist! Eine kurze Auszeit, eine kleine Flucht, spirituelle Einkehr, ein olfaktorischer Tagtraum – Finisterre ist sowohl Auslöser, als auch perfekte Begleitung für all das.

Sehnsucht, ich komme…!

Viele liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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