Yosh – König

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Königliches Elixier

Meist es ist andersrum. Im deutschsprachigen Raum findet der Anglizismus große Verbreitung und geht mehr und mehr in unseren Sprachgebrauch über. Vieles bürgt sich einfach so ein, Neudeutsch nennt sich das dann. Einiges stammt aus dem Internet, anders schwappt durch den modernen Sprachgebrauch zu uns herüber. Im Gegensatz dazu sind immer mehr deutsche Wörter vom Aussterben bedroht und landen auf der „roten Liste der vom Ausstreben bedrohter Wörter“. Traurig irgendwie, nicht?

Umso verwunderlicher und irgendwie auch erfreulich, wenn plötzlich ein neuer Duft erscheint, der den urdeutschen Namen König trägt. Verwunderlich vor allem auch deshalb, weil eben nicht, wie vielleicht zu vermuten wäre, eine deutsche Marke dahinter steht. Nein, hier geht es um die Parfumeurin Yosh und ihre neue Duft-Komposition König.

Kollege Harmen attestierte König in seiner Rezension Unisex-Qualitäten, das sehe ich persönlich nicht so. Für mich ist König eindeutig Mann. Und zwar sehr viel Mann. Zumindest im ersten Teil des Duftverlaufs. Irgendwann, viel viel später dann, dann wird König ein wenig weicher und geht auch für meinen Geschmack noch als unisex durch. Doch bis dahin – ein ganzer Kerl, dieser König.

Der Blick auf die Duftnoten verrät ein wenig darüber, wohin des Königs Reise gehen wird.

Kopfnote: Aromatische Noten, Salbei, Zypresse, Apfel
Herznote: Papyrus, Florale Noten, Hölzer, Vetiver
Basisnote: Weißer Moschus, Leder, Ambra, Rauchige Noten

Von Anfang an dominieren hier die rauchigen Akzente. Eigentlich sollten diese erst in der Basis eine nennenswerte Rolle spielen, doch ich erhasche sofort einen Blick auf kokelnde Räucherwaren, nächtliche Lagerfeuer und gegerbte Tierhäute. Irgendetwas ziemlich Animalisches fordert hier meinerseits eine eindeutige Nasendistanz, sobald ich zu nahe rankomme, wirft es mich zurück. Als Duftkerze wahrscheinlich anziehend, als Duft für mich eher grenzwertig. Nicht falsch verstehen – nur an mir selbst, kann ich mir diese Melange nicht vorstellen, da einfach zu animalisch, zu naturburschen-mäßig und zu kraftvoll-markant. Schade eigentlich, denn auf den ersten Blick ist hier alles enthalten, was ich gerne mag. Tiefgründigkeit, Wärme, Dichte, Hölzer, Balsame, ein Fitzelchen Frucht und ganz viel Aroma. Wenn da nur nicht diese enorme Rauchentwicklung wäre. Ob alle Ex-Raucher so rauchempfindlich sind?

Trotzdem – ich möchte es noch einmal deutlich betonen: Yoshs König ist nicht das Problem, der Duft selbst ist wirklich sehr besonders. Er funktioniert nur nicht an mir und für mich. An der richtigen Person (ich denke da an Liebhaber von Naomi Goodsirs beiden Düften, Bois d’Ascèse und auch Cuir Velours gewinnt dieser König sicherlich auf der ganzen Linie. König könnte aus der Verbindung dieser beiden entstanden sein, bringt von beiden das Beste mit und wird dadurch zum eigenständigen Duft.

Die krautrig-herbe Anordnung von Gräsern, Hölzern und Rauch ist wahrlich eines Königs würdig, strahlt sie doch stille Erhabenheit und Würde aus. Wer an Rauchnoten Spaß hat, wird die anspruchsvolle Leder-Rauch-Kombi dieses Königs lieben.

Viele liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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