Franck Boclet – Teil 1

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Franck Boclet spielt mit den Gegensätzen und vereint sie scheinbar mühelos. Genau das spiegelt sich auch in seiner Mode wieder, die einerseits vor Maskulinität nur so strotzt, anderseits jedoch einen durchaus femininen Touch aufweist. Härte trifft auf Weichheit, Leder auf Rüschen, Stiefel auf Anzug, Nieten auf fließendweiche Schnitte, Karos auf Punkte und Schwarz auf Weiß. Obwohl Farben nur sehr reduziert zum Einsatz kommen, wirken seine Herren-Kollektionen lebendig und abwechslungsreich. Ein Stil, der mir sehr gefällt und den ich wahrscheinlich gerne tragen würde, wäre ich ein Mann. Ganz zu schweigen von den tollen Schuhen, die seine Kollektionen schmücken…!

Der namenhafte französische Designer durchlief eine Bilderbuch-Karriere mit Stationen bei Kenzo, Ungaro und Smalto, die mit der Gründung des eigenen Labels gekrönt wurde. 2010 ging er mit diesem auf den Markt und die eigene Duft-Kollektion ließ nicht allzu lange auf sich warten. Immerhin konnte er während seiner Laufbahn vielseitige Erfahrungen sammeln, die nicht nur seinem Modeverständnis zugute kamen. In der Fashionwelt gilt Franck Boclet als Chamäleon, eben weil er sich und seine Mode nicht auf einen einzigen Stil reduzieren lässt. Neben der Mode gehört seine Leidenschaft und seine Begeisterung den Rock-Ikonen der 80er Jahre, außerdem pflegt er sein Faible für Kunst und Filmtheater.

Eigentlich klar, dass so jemand dann nicht mit 1 oder 2 langweiligen 08/15 Düften den Markt aufmischen möchte. Vier Eau de Parfums umfasst die Duft-Kollektion derzeit und der Star Designer selbst sagt dazu:

Meine Kollektion wird sich nicht auf einen Stil beschränken, eher auf eine Farbe, als Orientierung für den Franck-Boclet-Träger und um immer ein Chamäleon zu bleiben, ganz nach dessen Wünschen: an einem Tag weiß, an einem Tag schwarz, an einem Tag kreativ, an einem Tag urban, an einem Tag festlich, an einem Tag traditionell … Männer werden nicht mehr nur auf einen Stil reduziert, denn wahrer Stil ist es, alle Stile hinter sich zu lassen.“

Ob die Düfte ebenso maskulin sind wie seine Entwürfe? Ich bin gespannt und ahne, dass wir es hier mit richtigen Kerlen zu tun bekommen…! Roaaaar! Sowas lieben wir Frauen, ob Mann das nun gefällt oder nicht… 😉

Es geht um Momente, Stimmungen, aber auch um Jahreszeiten und Seelenfarben. Welche Farben Franck Boclet wohl für seine Düfte gewählt hat? Schwarz oder Weiß? Oder beide zusammen? Er lässt sich nicht gerne festlegen, spielt mit seinem Image des Chamäleons, dem Mann, der immer wieder für Überraschungen gut ist. Sich selbst immer wieder neu erfindet und all seine Seelenanteile auslebt. Ungeniert und ungezähmt. Ladies, ist es nicht das, wovon wir alle träumen? Franck Boclet weiß also wovon Frauen träumen und wovon Männer oft kaum zu Träumen wagen…

Wie meine Modekreationen wollte ich eine Duftkollektion kreieren: vier Düfte, meinen Codes entsprechend, die ein Mann je nach Stimmung braucht, nach seiner Verfassung, um so den Duft auf die Zeit anzupassen. Es gibt immer mindestens vier Arten sich zu kleiden, vier Jahreszeiten und somit vier Düfte. Mich ziehen starke Düfte an, denn sie markieren für mich wichtige Momente in meinem Leben.

Die vier Düfte der Duftkollektion sind wie die Reflexionen meiner Begierden, alle meine Kreationen. „Oud“, „Incense“, „Leather“ und „Patchouli“.

Franck Boclet erklärt weiter: „Zuerst wählte ich Patchouli, da ich seit Jahren ein Fan bin. Dann Oud, da es stark, hart und süchtig machend ist. Weihrauch kommt als Drittes, leichter und mit einem sich diskret verströmenden Charakter. Der letzte und vierte Duft ist ein Leder. Ich liebe es, mit Leder zu arbeiten durch meine Lederlinie und Lederbekleidung. Es erinnert mich an Zeiten, als ich mit Materialien arbeitete, um ihnen Form zu geben.„.

Für seine olfaktorische Kollektion hat Franck Boclet eine Frau zur Zusammenarbeit engagiert. Mélanie Leroux ist ihr Name und leider habe ich nicht sehr viel mehr über sie in Erfahrung bringen können. Angetrieben von meiner Neugierde recherchierte ich im Netz, doch ich fand nicht wirklich etwas Brauchbares. Müssen wir uns eben auf das beschränken was gegeben ist: vier Herrendüfte für Franck Boclet, die ich Euch in den nächsten Tagen genau vorstellen werde.

Beginnen möchte ich heute mit Incense. Kurz und bündig. Weihrauch. Doch – ist das wirklich schon alles? Den Ingredienzien zufolge nicht, die da wären:

Kopfnote: Kardamom, Zimt, Pfeffer, Rosa Pfeffer
Herznote: Benzoeharz
Basisnote: Guajakholz, Sandelholz, Ebenholz

Ähm. Wem fällt es auf? Incense? Weihrauch? Wo ist der Weihrauch? Ein Weihrauchduft ohne Weihrauch? Okay, so what? 😉

Klar wird sofort, man hätte den Duft auch Kardamom nennen können. Denn er ist es, der hier tonangebend ist. Vom ersten Augenblick (oder muss man es Nasenzug nennen?!) dominiert Kardamom und das bleibt auch so bis zum nächsten Tag. Ehrlich. Als ich gestern mit der Recherche begonnen habe, habe ich auch alle vier Düfte auf Papierstreifen gesprüht, weil ich mich immer gerne „einrieche“ auf ein Thema, speziell dann, wenn es neue Düfte sind. Dann möchte ich die Parfums gerne ein paar Tage um mich rum erleben, jeweils zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten wahrnehmen und auch mit anderen Stimmungen rangehen. Blöderweise muss ich ja auch manchmal morgens schreiben und da zum Beispiel, brennt mir vieles in der Nase, zwickt mich richtig, was ich dann ab dem Nachmittag wieder sehr liebe. Oud zum Beispiel oder auch Safran. Morgens bäh, abends wow! Rieche ich morgens Oud, wird mir regelmüßig schwummrig, abends dann könnte ich mich reinlegen. Oder Tom Fords meisterhafter „Noir de Noir“ (Rosen und Schokolade! Luca Turin hat so recht!). Gestern Abend seit langem mal wieder getragen und es wirklich sehr, sehr genossen. Die Reste davon heute morgen waren mir tatsächlich (nach über 12 Stunden!) too much. Man sollte also neue Düfte stets zu unterschiedlichen Uhrzeiten und mehrmals testen. 🙂


Was ich eigentlich sagen wollte – Incense duftet nach Kardamom. 🙂 Warm, sehr sinnlich, würzig und ganz sanft. Eine hauchfein dosierte Nuance von Zimt bringt ein wenig milde Schärfe ins Spiel, wunderschön untermalt von der Prise Pfeffrigkeit. Was sich hier so scharf anhört, ist in Wirklichkeit sehr gefällig und unheimlich weich. Erinnert mich vage an Olfactive Studios Lumière Blanche, wenngleich dort die Milch eine bedeutende Rolle übernimmt und viel zum Wohlfühl-Effekt beiträgt. Franck Boclets Weihrauch-Impression ist würziger – ja und vor allem männlicher. Und doch denke ich, dass diesen Duft auch Frauen gerne tragen würden. Die weiche Holzigkeit ist schmeichelhaft, umhüllend und gleichzeitig stärkend. Mir persönlich gefällt er auf der Haut meines Liebsten ein klein wenig besser als an mir, doch ich erlebe das leider oft, dass meine Haut Hölzer zu kantig und herb herausarbeitet, leider.

Incense punktet hauptsächlich mit seiner herbsüßen Kardamomwürze und den wirklich schönen Holznoten. Besonders die spezifische Cremigkeit des Sandelholzes passt perfekt zu den warmen, balsamischen Nuancen und zur trockenen Ausstrahlung dieses ausgesprochen gefälligen Dufts. Incense ist hell und strahlend, dank dem Rosa Pfeffer sicherlich, schafft dabei intensive Tiefe und unaufdringliche Präsenz.

Ein wirklich gelungener Auftakt oder was meint Ihr dazu?

Weiter geht es schon morgen,
bis dahin alles Liebe,
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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