Antonio Alessandria – Teil 2

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Moonstruck

Bereits gestern in Teil 1 habe ich Euch vom ersten wunderschönen Duft der Antonio Alessandria Kollektion vorgeschwärmt. Zwei weitere Prachtexemplare bleiben uns noch, diese schauen wir uns heute gemeinsam ganz genau an. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten und ich hoffe, Euch geht es ganz genauso! 🙂

Nuit Rouge im glutroten Kleid ist unser nächster Kandidat.

Ein silbern schimmernder Mond erhellt die frostige Nacht. In der Dunkelheit zeichnen sich die Konturen eines Vulkans ab. Der rote Schein einer unvermittelten Eruption erregt Furcht und Faszination zugleich.

Kopfnote: Bergamotte, Limette, Schwarze Johannisbeere, Grapefruit, Rhabarber
Herznote: Geranium, Iris, Safran, Schwarzer Pfeffer, Muskatnuss, Kaffee
Basisnote: Leder, Zedernholz, Patchouli, Sandelholz, Weihrauch, Vanille, Tonkabohne, Moschus

Nuit Rouge legt einen recht frischen Start vor. Besonders Rhabarber, Grapefruit und Schwarze Johannisbeere sorgen für Aufsehen und die nötige Aufmerksamkeit. Ich persönlich ziehe ja Rhabarber mit Streusel vor, doch ich komme nicht umhin, auch diese Kopfnote extrem gut zu finden. 😉

Spritzig und mit herber Fruchtigkeit ausgestattet, ist diese nämlich sowohl kühl und metallisch fast, gleichsam jedoch auch voller sonnenwarmer Fruchtigkeit und prickelnder Fruchtsüße. Dieses inspirierende Gefühl von seidiger Kühle setzt sich weiterhin fort, zusätzlich untermalt von weichen herbgrünen Grapefruit- und Limettennoten. Mhmmmm! Ganz toll und wirklich ein wunderbares Preludio, das hineinführt, in ein sehr viel wärmeres, loderndes Herz.

Antonio Alessandria erklärte hierzu:

„I’m from Sicily and it’s very strange when you are walking at night and you see the volcano Etna exploding. You feel attracted to it but at the same time you are frightened. It’s dangerous and there’s a different sensation between the green, metallic and cold notes in the opening and the sensation of soft leather with saffron and an accord of iris and sandalwood. It works on a battle of contrasts.“ 

Tatsächlich – genau dieses Gefühl ist ihm hier wirklich gelungen! Papier ist ja oft geduldig, doch Nuit Rouge erzeugt genau dieses beschriebene Gefühl, bzw. man kann sich die Szenerie bildlich sehr lebhaft vorstellen.

Mehr und mehr sind es die trockenen Hölzer, warm, duftend, doch weder hutzelig, noch verdorrt, sondern einfach schmeichelnd und Wärme spendend, die dominieren. Pfeffer, Muskat und eine Spur von Kaffeebohnen erzeugen sanfte Würzigkeit, kontrastiert von der ätherischen Erhabenheit der Iris. Ein wenig erdige Pudrigkeit geht auf ihre Kappe, ansonsten hält sie sich vornehm zurück. Dafür wabert es umso ordentlicher aus der gewichtigen Basis hervor. Knautschweiches Leder und Patchouli spenden sanfte Sinnlichkeit, dunkel, aber nicht dreckig-schwarz, eher oszillierend zwischen Nachtschwärze und Silbermondleuchten. Sandelholz schenkt weiche, anschmiegsame Cremigkeit, wo Vanille und Tonka zusätzlich für den raffinierten Genuss sorgen.

Nuit Rouge ist anspruchsvoll und nicht ganz leicht greifbar. Dafür aber umso leichter zu lieben!

Noir Obscur, schwarz und geheimnisvoll wie die mondlose Nacht. 

In der Finsternis einer Neumondnacht bahnt sich die Erinnerung an sein Licht einen Weg durch die verschlungenen Pfade der Seele, um sie zu erhellen. Weich wie eine Wolke, sinnlich wie Samt, köstlich wie die Sünde.

Kopfnote: Orange, Mandarine, Davana, Rum, Gewürze
Herznote: Bulgarische Rose, Jasmin, Iris, Osmanthus
Basisnote: Leder, Patchouli, Vetiver, Zedernholz, Weihrauch, Ambra, Moschus

Ahhhhh! Welch ein Paukenschlag, welch ein Fest, ein olfaktorisches! Noir Obscur startet äußerst kraftvoll und dynamisch. Ganz schnell wird klar, dieser Duft macht keine Gefangenen. Gewidmet der Dunkelheit, becirct die Komposition vor allem mit dunkelsinnlicher Struktur. Die Kopfnote fackelt nicht lange, es geht direkt und ohne Umwege zur Sache. Davana, Rum und Gewürze. Dazwischen ein paar Orangen- und Mandarinenschnitze, die in den würzigen Rum getaucht wurden. Gehaltvoll und vollmundig ist dieses Vergnügen, dabei jedoch auch ziemlich direkt. Lustvoll schöpfte Antonio hier aus den Vollen, bekam nicht genug von der prallen Sinnlichkeit, die hier sehr deutlich ist. Davana, die Blume der Nacht mit ihrem an Mango erinnerndem Duft, untermalt diese fast schon greifbare „Fleischigkeit“ aufs Schönste und schafft außerdem eine Brücke zur hinreißenden Herznote. Obwohl – so genau lässt sich der Verlauf gar nicht bestimmen. Noir Obscur wirkt als Ganzes und ist mehr als die Summe aller Teilchen.

Kurz fühle ich mich an Bertrand Duchaufours Frapin 1697 erinnert, doch auch wenn einige der Ingredienzien identisch sind, so ist doch Duchaufours Kreation deutlich rumgetränkter, um nicht zu sagen schnapslastiger. Ich schätze ihn sehr, kann ich aber doch nur ganz selten (er)tragen, meist trägt er mir dann doch zu dick auf. All das umschifft Antonio Alessandrias Noir Obscure sehr gekonnt. Obwohl es heftig und warmblütig pocht und lodert, so bleiben doch die Blüten des Herzens erkennbar. Wie er diese Kopfnote gezähmt bekommen hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben, aber ich staune wirklich, denn ich finde es durchaus bewundernswert, wie sich die Blüten dagegen behaupten, ohne sich zu verlieren.

Wollüstiger Jasmin (oh jaaaa, mit indolischer Note!) duftet hier betörend feminin und ausdauernd, wie die längste Nacht des Jahres. Flankiert vom tiefgründigen, vollen Aroma Bulgarischer Rosen, garniert mit einem Hauch sanft-fruchtiger Osmanthusblüten und Pudrigkeit der Iris – et Voilà! Währenddem Noir Obscur fast dekadent langsam und extravagant schillernd zur Ruhe kommt, entfaltet sich mehr und mehr die sinnlich-animalische Signatur von Antonio Alessandria.

In einem Interview erzählte er: „My olfactive signature is leather. I like working with leather, and I love animalic notes and spices. All three perfumes have castoreum in them. But I wanted the challenge of adding some kind of flowers too. This is a very personal work. It was created by me and for me. I chose raw materials not based on a budget, but only for their power of expression. Regarding the bottles, I love the sensation of soft leather, like cold skin, and that’s why the surface of the bottles has this finishing, you can caress it and it feels very soft. So the contrast of soft and cold makes this perfume something (or someone) you can touch.”.

In der Basis erzeugt vor allem das Vetivergras einen sehr besonderen Twist. Der sanfte hautähnliche Salzgehalt von vielgeküsster Haut, schreit schier nach Liebkosung und Nähe, erzählt dabei von atemberaubenden Impressionen und hebt jedwede Gender-Zuordnung auf. Noir Obscur ist hemmungslos, wild, verboten sexy, mysteriös und voller gefährlicher Nachtschatten.

Hier lebt jemand seine Passion. Das kann man fühlen, das kann man riechen – ich bin begeistert.

Und das, meine Lieben, waren sie auch schon, die vom Mond inspirierten Parfums von Antonio Alessandria. Mich hat die Kollektion den Sizilianers voll und ganz geflasht und überzeugt, ich bin Feuer und Flamme für diese facettenreiche Herzblut-Kollektion.

Und Ihr? War was für Euch dabei, was meint Ihr?

Viele liebe Grüße
Eure Evelyn

Die Düfte und Proben davon, findet Ihr wie immer direkt im „Aus Liebe zum Duft“ Online-Shop: Klick

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

2 Kommentare

  1. Boris R. Lensch on

    Liebe Evelyn, eigentlich sollte meine Reaktion auf Noir Obscur hier und nicht in „Teil 1“ stehen, aber wir sind ja flexibel! 😉 Auf jeden Fall wollte ich noch nachreichen, dass du diese olfaktorische sizilianische Neumondnacht äußerst treffend und mitreißend beschrieben hast. Deine Begeisterung springt über! Danke und besten Gruß, Boris

  2. Evelyn @Beauty-Mekka on

    Lieber Boris,

    ganz herzlichen Dank für die virtuellen Blumen, ich freue mich wirklich sehr über das Lob! Immer wieder schön ud befriedigend, wenn solches Feedback kommt, danke dafür. 😆

    Herzlichst
    Evelyn

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