Enzyklopädie der Vanilledüfte – Dessert-Vanille

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Pulsschlagbeschleuniger für Naschkatzen

Und wie versprochen, widmen wir uns heute widmen dem süßen Zahn oder genauer gesagt, den Vanilledüften, die die Herzen der Naschkatzen und Schleckermäuler höher schlagen lassen. Waren es in Teil 1 noch die eher würzigen, rauchigen und kantigeren Vanille-Exemplare, so sind es heute die kleinen und großen Trostpflästerchen für die Seele, die man manchmal einfach ganz dringend nötig hat. 🙂

Mazzolari – Vaniglia ist so eine köstliche, reichhaltige Verführung, die Naschkatzen glücklich machen wird. Die Süße ist deutlich vorhanden, schafft jedoch die Gratwanderung und bleibt trotzdem tragbar und auf eine sehr spezielle Art elegant. Ob Kuschelkurs auf der Couch, Wohlfühlmomente bei Tee und Kuchen, oder Ausflügen in kühle Wälder – Vaniglia ist ein toller Begleiter und trotz Süße auch herrlich blumig und verführerisch.

Cara aus dem Hause Farmacia SS. Annunziata ist absolut reizvoll und verführerisch mit deutlichem Mandelaroma. Keksig, buttrig und lecker. Die Vanille selbst erscheint fast luftig, umso dichter sind die restlichen Duftnoten verwoben. Montales Vanille Absolu kredenzt Dr. Oetkers Vanillepudding mit einem Hauch Zimt. Tröstlich, sättigend und wärmend. Wenn alles andere nichts mehr nutzt, dann muss es Vanille Absolue sein. Oder ne große Schüssel Pudding mit Sahne. Agonist kreierte mit Vanilla Marble ein mundwässerndes Trostpflaster für die Seele. Köstlicher als die Kalorienpolizei erlaubt und glücklicherweise nicht wirklich essbar, ich müsste es sonst sicherlich eimerweise haben. Glück zum Sprühen. Ehrlich. Eine weitere Duftliebe und sogar schon eine ganz, ganz alte, verbindet mich mit Le Bain von Joop! Ich weiß nicht, wie viele Flakons, ich davon schon geleert und früher als Duschgel und Bodylotion verwendet habe, doch es müssen einige gewesen sein. Le Bain ist eine absolute cremig-süße Wohlfühl-Vanille, mit hohem Kuschelfaktor.

Organza Indécence (Vintage!) von Givenchy ist für viele der Zimtduft schlechthin. Mich erinnert er stets an Pflaumenkuchen auf Vanillecreme, mit ganz dick Zimt drüber. Durch und durch Vanille, satt und reichhaltig, süß, aber nicht klebrig, das ist Serge Lutens Un Bois Vanille. Geliebt wie kaum eine andere, was durchaus verständlich ist, denn dieser Duft ist einmalig schön und man fühlt sich schnell wie im Vanille-Himmel damit. Der perfekte Raumduft hierzu kommt übrigens von Laura Mercier und heißt Creme Brulee. Auch Indults Tihota wird von einer großen Fangemeinde gefeiert und das nicht für nichts, denn Francis Kurkdjian hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Fluffige Vanille-Tonka-Wölkchen, baisergleich und doch intensiv wie Buttergebäck, kuschelt mit watteweichem Moschus. Ein Muss für Vanille-Liebhaber!

Auch Vanitas aus der Süßwaren-Manufaktur Profumum Roma ist so richtig leckerschmecker und eine dermaßen köstliche Versuchung, dass man schnell süchtig danach wird. Süße Vanille-Orangen-Sahne, aber auch dezent rauchig, dicht und gewagt. Traumhaft! Ebenso Dulcis in Fundo, das allerdings einen Ticken rauchiger als Vanitas ist, mit mehr Orangen aufwartete und einem sehr köstlichen Käsekuchen mit Mandarinen-Touch. Süß, richtig süß sogar und überaus lecker. Da macht auch Battito d’ali keine Ausnahme, im Gegenteil, das ist sogar mein Liebling der Profumum Roma Kollektion. Hier wurde die Orangenblüten-Vanille durch eine pudrig-herbe Kakaonote verfeinert und kunstvoll bestäubt. Was hier so nüchtern klingt, entpuppt sich als Dufttraum und Seelenschmeichler, der es wirklich in sich hat. Die wissen echt wie es geht, die Italiener!

Das beweist auch Jolie von Cerchi Nell’Aqua. Jolie ist karamellisierte Mandelmilch mit einer Überdosis Vanillesirup. Zuckersüß und doch absolut unwiderstehlich. Und tragbar, ehrlich. Nicht alle Tage, wer will das schon, aber an den Süßlust-Tagen unbedingt. Zum Anbeißen! cremig-milchig und zum Anbeißen, da fällt mir natürlich sofort Chabauds Lait de Vanille ein. Diese Vanillemilch macht keine großartige Entwicklung durch, verzaubert aber alle Süßmäuler mit extrem verführerischen Vanille-Karamell-Akkorden. Pur, cremig, süß und sahnig. Lockstoff – nicht nur für Bienen!

Pures, reines Hüftgold schlechthin ist Vanille West Indies von Ligne St. Barth. Hier hat die dunkle Schote ihren großen Solo-Auftritt und kommt dabei authentisch und pur wie sonst selten zum Vorschein. Auch die Haltbarkeit ist eine Wucht, von heute an, locker bis morgen. Eine behutsame Dosierung zeigt sich unbedingt angebracht, sonst kommt es vielleicht schnell zur Übersättigung. Diese kleine Warnung passt ebenso zu Vanille Abricot von Comptoir Sud Pacifique. Zuckrig und süß wie Vanilleeis mit heißen Aprikosen. Köstlich. Dabei unschuldig und irgendwie mädchenhaft und lieb. Nicht langweilig, einfach lieb. Und verlockend lecker. Bei maßvoller Dosierung vielleicht sogar im Sommer.

Bei Sinfonia di Notes Dolce Vaniglia lacht das Herz der Süßmäuler und Naschkatzen. Kein bißchen leise, dafür mit lockend-köstlichen Gourmandnoten, wie sie im Buche stehen. Dazu saftig-süße, rote Früchte und ein Hauch von Kokos. Ein kräftiger Schuss Sahne rundet dieses Fest für die Sinne auf köstlichste Weise ab. Garniert wird das Sahnehäubchen mit einer sirupgetränkten Amarenakirsche. Ein echter Leckerbissen! Auch Crema di Latte von Hilde Soliani möchte man am liebsten mit dem Löffel zu sich nehmen, statt zu sprühen. Warmer Milchreis, üppig und gehaltvoll, verfeinert mit einer Extra-Portion Tahiti-Vanille. Dazwischen, von irgendwoher, ein Hauch Karamell. Vielleicht ist es warme Vanillemilch mit einem Klacks Karamellsirup? Egal! Es ist cremig-milky, kuschelig und ein wahninnig verführerischer Leckerbissen!

Um die Kollektion Les Senteurs Gourmandes kommt kein Vanille-Verehrer rum. Es gibt unzählige Vanilledüfte in dieser Linie, ich kenne nur 2-3 Stück davon, von denen sich besonders Tendre Madeleine allergrößter Beliebtheit erfreut. Und tatsächlich, die Illusion eines schmackhaften Gebäckstückes, ist ein olfaktorischer Hochgenuss. Verfeinert mit gerösteten Mandeln und einem Hauch Zimt, wird hier auch die Lust auf Weihnachtsmärkte geschürt. Vanille Chocolat entpuppt sich trotz des eindeutigen Namens mehr als gruftige Patchouli-Vanille, wird von manche Nasen sogar als „Klein-Angel“ wahrgenommen. Vanille Patchouli von Molinard geht übrigens in die selbe Richtung und ist dabei weniger süß, als fast schon elegant, eher ein Zwitter in dieser Rubrik also.

Ganz klar zum Anbeißen, Aufessen und süchtig werden, ist dagegen Dragée aus der Les Notes Gourmandes Kollektion von Réminiscence.

Außer der mouthwatering Gourmandnote entdecke ich noch würzigen, dezent scharfen Kardamom und eine erfrischende Nuance von Früchten. Hach, wie lecker, wie schön und wie appetitlich das doch ist! Diese zitrische Note inmitten von Mandelblüten, honigsüßen Orangenblüten, Vanille und noch mehr Mandeln (die guten, die in Bio-Qualität aus Kalifornien!), ist ganz schön flirty. Alle jene, die auf flüssig gewordene Süßigkeiten stehen, sich gerne suhlen in all den essbaren Köstlichkeiten dieser Welt, sich gerne mal anknabbern lassen und sich dann selbst am liebsten anbeißen würden, all jene werden Freudenjauchzer von sich geben!

Ein weiterer Leckerbissen für den olfaktorischen Festschmaus offeriert Caldo Gourmand von Officina delle Essenze. Die Vanille-Karamell-Melange erhält durch zusätzliche Kokosnoten ein wenig cremige Milchigkeit und entwickelt sich mehr und mehr zum Göttermahl. Eine exquisite Schleckerei von der man nicht genug bekommt!

So Ihr Naschkatzen, das waren sie, die Highlights aus dem Gourmand-Bereich, die allesamt mit deutlicher Vanille locken. Zwei weitere Düfte hatte ich noch auf meiner Liste stehen, doch davon konnte ich keine Proben organisieren. Aber VIE Vienna von The Scent of Departure und auch Vanille Marine von Molinard klingen ganz so, als würden sie hier eigentlich Platz finden. Vielleicht mögt Ihr ja mal probieren und mir berichten? 🙂

Nun sagt, ist was für Euch dabei, was lacht Euch heute an? Was meint Ihr, was würde Eurem süßen Zahn wohl munden?

Als nächstes widmen wir uns den blumigen Vanilledüften. 🙂

Bis dahin,
viele liebe Grüße

Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

8 Kommentare

  1. Liebe Evelyn (und lieber Ghostwriter Dennis),
    ich habe mich schon Wochen auf das Vanille-Special gefreut und konnte es kaum abwarten.
    Bis auf den Hilde Soliani und die zwei zuletzt genannten habe ich doch tatsächlich alle. Und es gibt nichts mehr dazu zu sagen!! Ich wecke jetzt ein paar der o.g. Kandidaten aus dem Winterschlaf und werde meinen Feierabend glücklich schnuppernd verbringen.
    Noch einen schönen Urlaub wünsche ich Dir.
    Liebe Grüße, Birgit

  2. Kannst Du bitte, bitte nicht mehr solche Bilder zeigen – ich muss jetzt unbedingt auf die Suche nach etwas zum Nagen gehen 😆

  3. Liebe Evelyn,

    nach der herrlichen Lektüre musste ich mir gerade eine große Portion Vanille-Milchreis mit geschmorten Zimtäpfeln gönnen…..hach, dieses Special ist j wie für mich gemacht. Den Crema die Latte von Hilde Soliani habe ich als Abfüllung, ihn kann ich nur in homöopathischer Dosis benutzen, obwohl ich ihn liebe. Milchdüfte und Milch generell sind schwierig für mich (komischerweise geht Milchreis…). Tihota und Vanitas stehen noch auf meiner ellenlangen Wunschliste und zwar sehr weit oben…
    Mein liebster Vanilleduft mit ganz wunderbarer Frangipani unterlegt ist Dùdu von Zeromolecole und bold auch Tobacco Vanille von Tom Ford.
    Pappsatte Grüße von Biggi

  4. Liebe Evelyn

    Zuerst einmal grosses Kompliment für diesen Vanille-Rausch! Einfach grossartig!

    Jetzt weiss ich auch, warum ich die süssen Vanilledüfte nicht so mag :D. Die liebe Biggi hat mich darauf gebracht: Ich kann mit heissem Vanille-Milchreis so gar nichts anfangen *schüttel*. Oder war es kalter Milchreis aus dem Kühlregal? Den mag ich erstaunlicherweise.

    Der eine oder andere Duft muss ich doch irgendwann noch testen, nach deiner Beschreibung geht es fast nicht anders.

    Liebe Grüsse, Barbara

    PS: Und diese Bilder… Ich habe schon nur beim Draufgucken gefühlte 5 kg mehr auf den Hüften 😆

  5. Liebe Barbara,

    für mich ist es Kindheitserinnerung pur, wenn es etwas zum Trösten gab, kochte meine Oma Milchreis, lange gerührt mit Vanille. Wenn ich heute nach einem langen und harten Tag Trost verspüre, koche ich mir Milchreis mit Vanille 😉 . Dafür hasse ich Grießbrei 😥 .
    Aber ist es nicht gut, dass wir alle verschiedene Vorlieben haben? Das macht die Vielfalt und Einzigartigkeit der Menschen aus.

    Ganz liebe Sonntagsgrüße und vielen Dank für das tolle Vanille Special,
    Biggi

  6. Hier meldet sich die Dampfnudel-Fraktion. Dampfnudeln, das ist für mich Kindheit pur… ♥ Heute noch echtes Soul-Food für mich. Aber ich liebe auch Milchreis, Grießbrei, Porridge und all solch warme Breichen. Breichen und Süppchen, das ist meins. 😆

    Ihr glaubt gar nicht wie glücklich Ihr mich mit Eurem Feedback gemacht habt! Hab mich total gefreut, dass Euch das Vanille-Special so viel Spaß gemacht hat und Ihr es so genossen habt. 😆

    Habt Ihr auch schon fleißig Vorschläge getestet und unter die Nasenlupe genommen? Ich hoffe, dass doch noch was Neues für Euch dabei war…! 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Eure Evelyn

  7. Liebe Evelyn,
    dem wundervollen Special konnte ich ja nicht widerstehen, Tendre Madeleine ist jetzt mein.
    Dragee wartet als Pröbchen auf mich und die Wunschliste ist noch größer geworden…wo soll das noch enden???

    Lieben Gruß,
    Biggi, vanilledurchtränkt…

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