Huitieme Art – Liqueur Charnelle

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Goldgelber Verführer

Auch unser aller Liebling Pierre Guillaume, war in den letzten Monaten nicht untätig und versüßt uns die kalte Jahreszeit mit einer neuen Duft-Komposition. Ein perfekter Zeitpunkt für die Lancierung dieser herrlich gehaltvollen „Wuchtbrumme“. Liqueur Charnelle heisst soviel wie fleischlich-sinnlicher Likör, also im übertragenen Sinne, vielleicht so was wie Fleischeslust-Saft. Ähm, also jaaaaa… Ach lassen wir das lieber, Ihr werdet schon selbst erleben, wohin Euch dieser Flaschengeist entführt… 😉

Werfen wir einen gemeinsamen Blick auf die Duftpyramide, die diesmal gar keine wirkliche ist:

Ingredienzien: Cognac, Vanille, Pflaume, Karamell, Orange, Aprikose, Weihrauch, Lindenblüte, Weinblüte, Traube, Veilchen, Vanille, Hölzer, Schwarzer Pfeffer, Rosa Pfeffer, Elemiharz, Tonkabohne, Himbeere

Wer verzieht das Gesicht hier, wenn er Cognac liest? Du? Aha. Ich auch. Unter uns gesagt. Ich mag keinen sehr brennenden, scharfen Alkohol, wenngleich ich natürlich weiß, dass guter Cognac genauso wenig brennt, wie guter Whisky. Trotzdem – für mich brennt das immer irgendwie. Nicht nur in der Kehle, sondern auch im Magen und das mag ich einfach nicht so sehr. So. Hätten wir das auch mal klar. 😉 Gleichzeitig finde ich es aber toll, gerade in der kalten Jahreszeit, die Abende mit solcherlei Getränken in der Hand zu verbringen. Ich rieche halt gerne daran. Rieche ja auch gerne Kaffee, obwohl ich schon seit Jahren keinen mehr trinke.

Wo waren wir noch? Ach ja hier:

Ein warmes Cognac-Aroma für die Haut. Das zugleich milde und sinnlich-süßliche Cognac-Bouquet entsteht durch eine Komposition von Vanille, Pflaume, Karamell, Orange und Aprikose.

Die zutiefst genussvolle Komposition wird weiter angereichert durch Weihrauch, durch die Aromen gepresster Trauben und Nuancen von Veilchen. Schließlich würzt Pierre das Parfum mit Schwarzem und Rosa Pfeffer, rauchigen Harzölen und rundet das Werk mit einer raffinierten Tonkanote ab.

Holla die Waldfee, das ruft nach mir! Hatte ich erst noch leise Bedenken, ob das vielleicht alles ein klein wenig zu maskulin, zu kräftig-herb sein könnte, so wurde ich in Sekundenschnelle eines Besseren belehrt. Pierre hat es mal wieder geschafft und einen mächtigen Zaubertrank gebraut. Einen, nach dem man sich verzehrt, wenn man Blut geleckt hat, einen den man haben muss und ohne den man nicht mehr sein möchte. Suchtstoff, ganz gefährlicher Suchtstoff, ich warne Euch hiermit ausdrücklich, meine Lieben!

Die Sinnlichkeit ist warm, sehr warm, körperwarm schon fast. Gesittet geht es Anfangs dennoch zu, trotz der enormen Körperlichkeit und Anziehungskraft, die Liqueur Charnelle verströmt und um sich herum ausbreitet. Cognac, der zart nach Vanille und Pflaumen duftet, dabei noch Anklänge von Aprikosen in sich trägt und generell sehr fruchtig und weich erscheint. Die herbsüßen Fruchtnoten werden flankiert von köstlichen Karamell- und Tonkanoten. Wenig süß, eher sämig und irgendwie – likörig. Genau! Dickflüssig, dunkel, fast honigartig in der Konsistenz. Das i-Tüpfelchen ist die würzige, prickelnde Pfeffernote, die die Komposition sanft würzt und ihr noch mehr Spannung einhaucht. Das Bouquet aus üppigem Duft und gehaltvoller Tiefgründigkeit ist betörend. Lockend und sinnlich bleibt es während des gesamten Duftverlaufs. Hier und da wird es zwischenzeitlich würziger, dann wieder ein wenig balsamisch-harziger, während plötzlich ein Hauch von Himbeere im rauchigen Tabakkleid zu entdecken ist. Die schwebende, luftigleichte Rauchigkeit, sorgt neben der warmen beerigen Frucht und den bestens integrierten Holzaromen für eine exzellente Balance.

Das mysteriöse und üppig-komplexe Duftgebilde punktet außerdem mit prachtvoller Langlebigkeit und einer perfekten Balance aus Sillage und Intimität. Ich für meinen Teil bin hin und weg. Und gar keine Frage – Liqueur Charnelle musste postwendend bei mir einziehen! Ohne diesen schimmernden, goldgelben Verführer will ich diesen Winter nicht verbringen müssen. Und den nächsten auch nicht. Klar, diese Duftrichtung ist weder neu, noch wahnsinnig innovativ. Aber hier von Pierre Guillaume wieder mal selten gut gemacht. Das Spiel mit dieser greifbaren und doch subtilen Sinnlichkeit und der verlockenden Verführung ist einfach seins, er beherrscht es wie kaum ein anderer Parfumeur unserer Zeit.

Lange Rede, kurzer Sinn: Liqueur Charnelle ist – unter uns gesagt – ziemlich pornös.

Hot Stuff, Ladies and Gents! Nur für Erwachsene. FSK 44. Mindestens.

Begeisterte Grüße

Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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