Acqua delle Langhe – Teil 2

Gestern im ersten Teil habe ich Euch die Marke Acqua delle Langhe und Firmengründer Alberto Avetta vorgestellt, sowie auch die beiden ersten Düfte. Heute legen wir direkt los, stürzen uns also mitten hinein in olfaktorische Vergnügen.

Wohin uns wohl Villero entführt? Der Beschreibung nach – geradewegs ins Land der Sehnsucht! Eine mediterrane Impression des Bilderbuch-Italiens also, so klingt es zumindest. Und genau das bestätigen auch die Duftnoten, schaut selbst:

Kopfnote: Orange, Zitrone, Petitgrain, Bergamotte, Lavendel, Kardamom
Herznote: Lilie, Rose, Rosmarin, Jasmin
Basisnote: Rosenholz, Baumflechte, Grapefruit, Weißer Moschus, Vetiver

Und, passt das wirklich? Oh ja, aber wie! Überhaupt – Villero ist Cannubi nicht ganz unähnlich und sie beide korrespondieren definitiv miteinander, ihre ähnliche Machart und die übereinstimmenden Duftnoten sind augenscheinlich.

Garten des Palazzo del Capitano
Garten des Palazzo del Capitano

Mit Villero fühle ich mich schnell an eines der schönsten Frühstücke meines Lebens erinnert. Mitten in der Toskana, genauer in San Quirico d’Orcia, im traumhaften Palazzo del Capitano. Umgeben von uralten, knorrigen Olivenbäumen, tischhohen Rosmarin- und Lavendelbüschen, sich leise im Morgenwind wiegenden Jasminblüten und das fröhliche Summen der Bienen, die sich an meinem Frühstücks-Dolce labten. Diese überraschende und wohltuende Stille, die dort über dem Geschehen lag, die Verheißung eines neuen Tages, die in der Luft lag und dieser herrliche, üppig und wild bewachsene Garten, sorgten dafür, dass sich unser nur 2 tägige Aufenthalt dort, ganz tief in die Erinnerungs-Schatzkiste eingegraben hat.

An dieses so besondere Gefühl erinnert mich Villero, mit seiner heiteren Selbstverständlichkeit, von der die typische Laissez-faire Atmosphäre ausgeht. Der seidige, weiche Charakter gewinnt im weiteren Verlauf, ein wenig mehr an holziger Tiefe und ich für meinen Teil bin gar nicht so sicher, ob das wirklich ein dezidiert feminier Duft ist.

Golden Hour by Francy-93
Golden Hour by Francy-93

Was uns wohl bei Cerequio erwartet? Ein Kontrast, wie er größer kaum sein könnte! Cerequio ist (nicht nur) optisch der dunkelste Duft der Kollektion und das kommt sicher nicht von ungefähr. Bereits die Kopfnoten haben hier soviel Power und Dominanz, dass man sich ihrer Wirkung kaum entziehen kann. Das passt auch ganz zur Beschreibung, denn dort heisst es, dass Cerequio ein würziger, holziger und gehaltvoller Duft für den Mann von Welt sei. Mit folgenden Duftnoten wird das untermalt:

Kopfnote: Pfeffer, Kardamom, Kumin, Weihrauch, Mandel
Herznote: Labdanum (Zistrose), Adlerholz (Oud)
Basisnote: Ambra, Vanille, Castoreum, Zibet, Zedernholz, Sandelholz

Man konnte also bei Acqua delle Langhe der Versuchung nicht widerstehen, einen Oudduft ins Sortiment aufzunehmen. Hier passt das Adlerholz aber auch ziemlich gut dazu, denn der stark würzige und trockenholzige Charakter, ist deutlich ausgeprägt und tonangebend. Balsamische Wärme, tiefgründige Langlebigkeit und ambrierte, fast ledrige Männlichkeit, die Dominanz und Kraft ausstrahlt. Dabei aber trotzdem weich und anschmiegsam bleibt, zumindest dann, wenn man nahe genug an den Mann, der Cerequio trägt rankommt. Tatsächlich – ein Mann von Welt und vor allem einer, der weiß was er will und der seinen Platz im Leben längst gefunden hat.

Ravens in the sunrise by MorgueCaroObitorio
Ravens in the sunrise by MorgueCaroObitorio

Unser letzter Kandidat für heute ist Lirano, der uns an die Küste führt. Hier ist die Rede von Leichtigkeit, Unbeschwertheit und maritimer Frische. Ein Sommersehnsuchtsduft also, wie schön! Folgende Ingredienzien hat man hierfür bemüht:

Kopfnote: Jasmin, Lilie, Rose, Maritime Noten
Herznote: Heu, Patchouli
Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Moschus

Ahhhhh! Das tut gut! Tatsächlich, ich fühle mich sofort ans Meer versetzt und spüre auch die dementsprechende Frische in der Luft, schmecke die Gischt, die der Wind herüber trägt. Kein Sonnencreme-Strand-Schönwetter-Duft, eher etwas für Liebhaber der raueren Küsten. Lirano entpuppt sich schnell als bisheriger Liebling der Kollektion und weiß mich wirklich für sich einzunehmen. Ich muss beizeiten auch unbedingt einen Vergleich zu meinem momentanen Wunsch-Meeresduft Shelter Island ziehen, den beiden gemein ist definitiv die wundervolle Liliennote, die allerdings hier nicht zu übermächtig ausgeprägt ist, keine Angst also, wer Lilie nicht so sehr liebt wie ich.

Lirano hebt sich wirklich ab von den sonstigen Meeresdüften. Besonders die warme, würzige Heunote sorgt für einen sehr speziellen und so noch nicht dagewesenen Touch. Zusammen mit dem erdig-süßlichen Patchouli ergibt das eine ganz unwiderstehliche Melange, die ausgesprochen apart daherkommt. Und wer bis hier Lirano noch nicht erlegen ist, der wird wohl spätestens bei der Basis die Segel streichen. Vanille, Tonka und Moschus. Selten habe ich eine schönere Tonkanote in einem Parfum wahrgenommen als hier. Ich liebe Tonka, reibe sie am liebsten ganz frisch über Desserts oder auch über meine warmen Getreidefrühstücksgerichte. Dieser Schmelz, der irgendwo zwischen Vanille und Kakaonuss liegt, ist einfach göttlich. Lirano lebt von diesem (durchaus gewagten) Kontrast, der aus zitrischer Leichtigkeit, heimeligen Heunoten und sündig-leckerer Tonka liegt. Dazwischen – das Meer. Endlose Weite und nie enden wollende Liebe. Süß und warm ist dieses Gefühl, ganz wie Vanille und Tonka, als i-Tüpfelchen eines grandiosen Desserts.

Acqua delle Langhe
Acqua delle Langhe

Na Ihr Lieben, war was für Euch dabei, was lacht Euch am meisten an? Mein Favorit gestern und heute ist unbedingt Lirano! Mal schauen, ob das so bleibt, für morgen stehen noch 3 weitere Testkandidaten auf dem Programm.

Herzliche Grüße
Eure Evelyn

Von Evelyn

Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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