Il Profumo – Cortigiana

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Olfaktorische Interpretation des Geistes der Kurtisanen

Zu unserer aus Italien stammenden Kurtisane, hat Harmen im Dufttagebuch hier schon ein wenig Geschichtliches angefügt und seine Gedanken zu Cortigiana zum Besten gegeben.

Auf der Suche nach Anerkennung
Sie waren so verlockend wie eine verbotene Frucht, absolut unwiderstehlich. Sie wurden sowohl für ihre Intelligenz als auch ihre Kultiviertheit geschätzt und fanden für sich eine Form der Emanzipation, trotz der chauvinistischen und prüden Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts, in der es jenseits von Ehefrau und Mutter keine Daseinsberechtigung gab. Als scharfsinnige, ehrgeizige und anspruchsvolle Frauen wurden sie von Luxus und Schönheit angezogen, und sie hatten einen Sinn für feine Düfte. Für Lola Montez, Marie Duplessis, Hortense Schneider oder Liane de Pougy, in ganz Europa bekannte Kurtisanen, gehörte die Spur ihres Duftes zu den eigenen Mitteln, sich unvergesslich zu machen.

Und auch ich frage mich, warum erwartet alle Welt von diesem Duft dass er verrucht und sexy-hexy ist?! Sicherlich rührt das vom großen Missverständnis her, dass der Begriff der Kurtisane oft nicht wirklich überlegt eingesetzt wird. Eine Kurtisane war kein billiges, dahergelaufenes Flittchen oder ausschließlich amouröses Betthäschen. Insofern kann ein nach ihr benannter Duft, gar kein Panty Dropper sein. Gleichwohl die Duftnoten vielleicht vordergründig, eben doch auch, genau jene Erwartung schüren.

Kopfnote: Florale Noten, Kirsche
Herznote: Mandel, Vanille
Basisnote: Iris, Kräuter

Il Profumo, bzw. die Frau hinter den Düften, Parfumeurin Silvana Casoli, schuf demnach ihre eigene Interpretation des Geistes der Kurtisanen:

Indem sie selbstbewusste Weiblichkeit mit Sinnlichkeit und Freiheit kombinierte, bannte sie die Freiheit selbst als Stil und Haltung in einen Duft. Früher ein recht zweideutiger – auch abwertender – Begriff, nimmt die Gestalt der Kurtisane im Jahr 2014 eine neue Bedeutung an, sicher auch deshalb, weil die Frau von heute sich nicht mehr so viel um die Zustimmung der Gesellschaft kümmert und nicht mehr darauf wartet, „gepflückt“ zu werden, als wäre sie eine Blume. Sie trägt ein selbst gewähltes Parfum und wartet nicht darauf, eines geschenkt zu bekommen. Auch das ist eine Art, sie selbst zu sein, mit einer Kühnheit, die diese emanzipierten Frauen zu einer Klasse für sich werden lässt. Als Duft der Freizügigkeit, der wie die Leidenschaft funkelt und knistert, trägt „Cortigiana“ einen Hauch von Übermut in seiner Duftpyramide. Wildblumen, Mandel und wilde Iris … Diese Duftbestandteile sind nicht so unschuldig, wie sie scheinen, denn zusammen erzeugen sie ein unwiderstehliches Eau de Parfum.

Amarenakirschen! Ahhhh, ich schmachte dahin, sehne mich auf der Stelle nach einem großen Eis mit 5 dicken Amarenakirschen, jenen prallen, zuckersüßen, fruchtigherben, fast schwarzen Kirschen aus Italien. Traditionell werden die Kirschen in einen Sirup aus Zucker, Mandellikör, Bittermandelöl und Vanille eingelegt. Eccolo! Siehe Duftpyramide. 😉 Schnell lande ich also doch auch bei den typischen Assoziationen von „Vernaschen“, „verbotene Frucht“ und „verführerische Früchtchen“. Böse Falle. Doch – nein. Nach anfänglicher Verwirrung angesichts des lolitahaften Kirschmundes, klärt sich schnell, dass sich unsere Cortigiana offensichtlich einen Schabernack erlaubt. Madame kredenzt keinen klebrigen Amaretto zur Süßigkeit, sondern einen herben Kräuterbitter, den ebenfalls typisch italienischen Amaro. Sie liebt es, ihre knackigprallen Amarenakirschen kurz in den zimmerwarmen Amaro zu tauchen und so diese beiden sinnlichen Genüsse zu vereinen. Ihr Gemach verströmt den intensiven grünen Duft der üppigen Sträuße, die ausnahmslos aus florentinischer Iris bestehen. Potpourris, verschwenderisch in großen Schalen dekoriert, sind mir erdig-pudriger Iris-Essenz bestäubt und – zieht da nicht auch ein erregender Hauch von maskulinem Tabak und Hölzern durch die duftgeschwängerte Luft?

Ich schließe mich hier also Harmens Urteil an – ich mag diese modere Kurtisane sehr, sie durfte sogar schon bei mir einziehen! Die Modernität spielt gekonnt mit der Sinnlichkeit, erfüllt jedoch, eine womöglich vulgäre Aura in keinster Weise. Damit ist Cortigiana jederzeit tragbar und ein durch und durch wundervoller Duft!

Herzliche Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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