Diptyque Florabellio

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Schatzkiste der Erinnerungen

Fast 10 Jahre sollten vergehen, bis die olfaktorischen Erinnerungen von Diptyques Mitbegründerin Christiane Gautrot, die Form dessen annahmen, was wir heute als Florabellio genießen dürfen. Sie und ihr Partner Yves Coueslant übergaben 2006 je ein „Erinnerungs-Fläschen“, darin eingefangen hatten die beiden, die verschiedenen, vielschichtigen Duftfragmente ihres Lebens. Aus Yves Erinnerungen entstand daraufhin, das bezaubernd schöne Volutes, es sollte jedoch noch einige Zeit dauern, bis auch Christianes Erinnerungsduft vollendet werden konnte. Erinnerung und Wirklichkeit heben sich gegenseitig auf, verschmelzen zu etwas Eigenem. Aus Momentaufnahmen wurde jetzt etwas Bleibendes, versiegelt in einem Flakon.

Fabrice Pellegrin stand vor der Herausforderung ganz und gar unterschiedliche Duftnoten zu vereinigen, mehr noch – etwas harmonisches Ganzes daraus zu machen. Er selbst sagt dazu:

„I wanted a fragrance as powerful and intense as a memory can be. To transmit the feeling of wellness that we feel in Normandy when we close our eyes and we feel the breeze of the sea, the salty sea spread, and the singular smell of the apple trees. A fragrance of openness and pleasure… a great escape“.

Ein Blick auf die Duftnoten bestätigt genau dies und macht außerdem mächtig neugierig, wie ich finde.

Kopfnote: Maritime Noten, Aromatische Noten, Grüne Noten
Herznote: Apfel, Osmanthus
Basisnote: Kaffee, Sesam

Besonders der einzigartige Duft von Apfelbaumblüten war nicht ganz einfach umzusetzen, gleichzeitig ist eben jener elementar für Florabellio, wie Fabrice Pellegrin hier erklärt: „The apple tree blossom was predominantly used: it composes more than 50% of the fragrance. The apple tree blossom essence had to be created specifically for Florabellio, as it doesn’t exist as it is; the flowers are too fragile and too rare for perfume to be extracted. A reconstruction of the perfume began from a palette of synthetic and natural raw materials. The apple tree blossom surprises us by its various aspects and brings light, crisp and bright notes to the fragrance.”

Die zauberhaften Fotografien von Terri Weifenbach, einer begnadeten Künstlerin, vollenden Duft und Bild von Florabellio aufs Allerschönste. Ihre bewegenden Fotografien leben vom Spiel mit Tiefenunschärfe, Kontrasten, sowie Nähe und Distanz.

A floral trail,
blurring the perspectives
between land and sea, flower and fruit
softness and bitterness…the senses are
led toward distant coastlines.

Et voilà! Widmen wir uns dem Duft von Florabellio. Die olfaktorische Reise in die Vergangenheit beginnt sanft blumig, mit herbfrischen Grüntönen und melonenartigen Fruchtnuancen. Irgendwo zwischen Apfel, Melone und Quitte ist dieser deliziöse Hochgenuss einzuordnen. Interessanterweise weniger saftig und feucht, wie man vielleicht erwarten könnte, dafür tendenziell eher trocken, mit holzigen Anleihen. Sehr apart und sehr besonders. Hocharomatisch sind auch die kräutrigen Noten, die für satte Fülle und sinnliche Dichte sorgen. Meerfenchel wird als Ingredienz genannt, wie ungewöhnlich! Das frische, leicht herbzitrische Aroma spielt mit der ätherischen Luftigkeit des Meeres,  – welch eine gelungene Wahl , die sich auch mühelos in das Szenario von Christiane Gautrot einfügt. Wikipedia erklärt hierzu, dass das begnügsame Gewächs, das zur Familie der Doldenblüter gehört, hauptsächlich an den Küsten des Schwarzen Meeres, des Mittelmeers, aber auch am Ostatlantik, vor den Kanarischen Inseln und Madeira, sowie nordwärts nach Nordirland und Schottland vorkommt. Die Pflanze toleriert den Kontakt zu salzhaltigem Spritzwasser und wurde früher zur Vorbeugung gegen Skorbut eingesetzt. Heute schätzt man den Meerfenchel (Crithmum maritimum) vor allem in Salaten und als schmackhaftes Gewürz. Gerademal eine Handvoll Düfte sind bei Parfumo gelistet, die offenbar auf den Meerfenchel gekommen sind. Ob er uns in der Zukunft des Öfteren Mal begegnen wird?

In Florabellio jedenfalls sorgt das hübsche Pflänzchen für ein ganz wunderbares Aroma, das ich sehr genieße. Aber auch die restliche Komposition kann mich begeistern! Im späteren Verlauf sind es vor allem Kaffee und Sesam, die für Aufsehen sorgen. Einerseits nehme ich noch grüne Kaffeebohnen wahr, anderseits aber auch schon die milde Süße von fertigem Kaffee, verrückt irgendwie, denn eigentlich ja ein Widerspruch. Das sorgt jedoch für Spannung, genauso wie der nussige Sesam mit hauchzarten Röstaromen, der ebenfalls ziemlich innovativ ist und bisher in der Parfumherstellung nur spärlich zum Einsatz kam.

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Fabrice Pellegrin hat also wieder einmal ganze Arbeit geleistet und dem Duft seine ureigene Handschrift verliehen. Kompliment, es ist erstaunlich welche Tiefe und Dichte ein so leichtfüßiger Schönling doch besitzen kann.

Hattet Ihr schon das Vergnügen oder schart Ihr noch mit den Hufen??

Viel Vergnügen beim Testen
und viele liebe Grüße

Eure Evelyn

Philippe Claudel for diptyque

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

2 Kommentare

  1. Christiane on

    Oh, ich möchte gern den Duft haben, den Du gerochen hast.

    Mein Pröbchen war da eher ernüchternd – erst schön frisch-fruchtig, dann holzig und das war es. Haltbarkeit und Abstrahlung – Fehlanzeige. Und kein Kaffee weit und breit. Und das mir als ausgesprochenenen Kaffee-Junkie. *schnüff* Naja, man/frau kann nicht immer Glück haben und zumindest der Bank- bzw. Schuldnerberater sieht es mit Freuden.

  2. Ohhhhh, so schade, der versagt bei Dir echt den Dienst?! Ein Jammer!! 🙁

    Dabei ist das wirklich ein ganz, ganz feiner. Aber stimmt schon – man kann nicht alles haben und so bleibt mehr für die echten Juwelen, die die Dein Herz uneingeschränkt erfreuen, übrig, gell. ♥

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