Atelier Des Ors – Teil 2

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Wüstentränen und heiliges Leder

Am Mittwoch begann unsere Bekanntschaft mit Atelier Des Ors und den Parfums in Teil 1, heute widmen wir uns zwei weiteren Herrlichkeiten, dieser außergewöhnlich schönen Kollektion.

Apropos schön: Sehr besonders ist auch das gesamte Design von Atelier Des Ors. Man sieht, dass hier echte Kenner und Ästheten am Werk waren.

Die Prägung auf der Rückseite des Flakons symbolisiert die Sonne, das Licht und das Leuchten. Wenn die Flasche das Licht einfängt, erzeugt der goldene Ton eine glitzernde Reflexion. Das Gold vermittelt die noble und beständige Seite der Marke, während die Form des Flakons ihre süchtig machende, sinnliche Seite widerspiegelt. Das Logo wurde wie das Siegel eines Kunsthandwerkers auf die schwere Verschlusskappe geprägt und zeigt so die künstlerische und ästhetische Dimension von Atelier Des Ors.

Das Logo stellt ein Seepferdchen dar, der Stempel für 24-karätiges Gold in Frankreich. Das Art-déco-Muster steht für Kultiviertheit und Eleganz und ist eine Hommage an das goldene Zeitalter der französischen Haute Parfumerie. Die klassische, aber auch moderne Verpackung bringt die zeitlose Noblesse von Atelier Des Ors zum Ausdruck.

Cuir Sacre

Cuir Sacré ist unser erster Kandidat für heute.

Kopfnote: Wacholderbeere, Kardamom, Zypresse
Herznote: Weihrauch, Safran, Zedernholz
Basisnote: Vetiver, Nagarmotha, Leder

Eine Duft-Pyramide die neugierig macht, wie immer, wenn ich irgendwo Kardamom wittere. Die Abwesenheit von floralen Noten suggeriert vorab eine tendenziell maskuline Richtung, doch schauen wir mal, ob dem wirklich so ist. Der Auftakt ist geprägt von strahlenden Leucht-Akkorden, die gleichermaßen hell und freundlich sind, wie auch von Wärme durchwoben. Schläfrige, satt-entspannte Wärme übrigens, eine ganz eigentümliche, sehr sehr feine Atmosphäre, die sich hier offenbart. Aus meiner Sicht also weniger das sprühende Leben, als die gemütliche Stille eines trägen Sommernachmittages. Ein feinherber, zitronenweicher Hauch bildet die Kopfnote, kräuterwürzig kontrastiert von der fabelhaften Wacholderbeer-Note und – Kardamom. Richtig großzügig dosierter Kardamom. Kardamom ist einerseits stets irgendwie ätherisch-zart, anderseits aber auch milchig-weich, ein wenig wie Milchglas, das man vor die anderen Noten gehalten hat. Ich liebe dieses Wechselspiel immer sehr und bekomme nie genug davon! Cuir Sacré beherrscht dieses Spiel perfekt.

Die gesamte Komposition lebt von der fein dosierten Würze, die mild angereichert wurde mit rauchigen Holznuancen und – Leder natürlich. Doch nicht wie es der Namen glaubhaft machen möchte, in voller Bandbreite und als die Hauptsache, nein Cuir Sacré will mehr sein, als nur ein weiter Lederduft unter vielen. Und schafft das auch mühelos, denn was ihn wirklich auszeichnet ist die vollendete Harmonie, mit der hier sehr gefühlvoll komponiert und arrangiert wurde. Alles wirkt seidig, weich, milchig, glatt und perfekt aufeinander abgestimmt. Keines der Orchestermitglieder drängt sich in den Vordergrund und doch trägt ein jeder zum allerschönsten Gelingen bei. Einer für alle und alle für einen. Und wer nun glaubt, dass wir Frauen dieses Prachtexemplar den Männern alleine überlassen, der hat sich mächtig getäuscht! Denn auch auf Frauenhaut wirkt dieser Zauber unwiderstehlich und extrem anziehend. Wer schmeichelnde, würzmilchige Düfte liebt, kommt mit Cuir Sacré voll und ganz auf seine Kosten. Mhmmmmmm, davon mehr bitte!

Cuir Sacre

Larmes du Désert, die Tränen der Wüste, so ist der Name unseres nächsten Testobjektes.

Atelier Des Ors’ Larmes du Désert stehen für Erinnerungen, die vergessen geglaubt, durch die Kraft der Essenzen ihre Auferstehung erleben. Ein heiliges, unauslöschliches Feuer brennt und die Magie der Rauchopfer zieht alles in ihren Bann. Eine Hommage an die Ambra und den Weihrauch des Mittleren Ostens, eine Verbeugung vor dem Geburtsort der Parfümerie.

Kopfnote: Elemiharz, Weihrauch, Zypresse
Herznote: Patchouli, Guajakholz, Zedernholz
Basisnote: Zitrische Noten, Benzoeharz, Hölzer

Auch hier wieder geht die Erwartung in Richtung eines maskulinen Parfums, betrachtet man die Duftnoten. Und tatsächlich, der würzige, dunkelherbe Auftakt suggeriert genau das. Milde Kräutrigkeit die an Thymian erinnert, sich sanft kräuselnde Rauchschwaden und weiche Balsame. Irgendwo dazwischen ein paar trockene Edelhölzer und ein minimaler Hauch von Zitrus, der auf meiner Haut allerdings „unter ferner liefen“ agiert. Viel zu mächtig sind da die restlichen Schmeichelnoten, die mich wohlig und weich, wie in feinstes Kaschmir hüllen. Auch in Larmes du Désert findet sich wieder jene Form von Perfektion und Balance, die mir schon bei den vorhergegangenen Kreationen aufgefallen sind. Alles wirkt wie aus einem Guss, kaum eine Note drängt sich in den Vordergrund, gleichzeitig bleibt es trotzdem spannend und artet in keinem Moment in Langeweile aus. Das Gegenteil ist der Fall, gerade weil alles so dermaßen gekonnt ineinanderfließt, kann ich nicht damit aufhören mit der Nase auf olfaktorische Entdeckungsreise zu gehen. Nein, die orientalischen Akkorde sind wahrhaftig nichts neues, nichts was man nicht schon irgendwie kennen würde – irgendwie aber eben nur. Und Madame Marie hat auch hier wieder ganze Arbeit geleistet und ein Elixier kreiert, das einem Zaubertrunk gleichkommt.

Honey von Dino Giordano, (CC BY 2.0) via flickr

Honey von Dino Giordano, (CC BY 2.0) via flickr

Die resinösen Akkorde legen sich wie heilender Balsam um die Seele. Spenden Wärme und dank ein paar sachten Tröpfchen Honig auch verhaltende, dezent dosierte Süße. Kaum genug um sie so zu nennen, aber doch genug als dass sie wahrnehmbar ist und so auch zum meditativen Charme von Larmes du Désert beiträgt. In Verbindung mit der latent vorhandenen Bitterkeit, wird hier eben jene spezielle Bittersweetness erzeugt, die sich in Parfums oft ganz besonders gut macht. Denn, so ist es ja oft, erst eine gewisse Bitterkeit lässt uns die Süße erkennen und das beglückende Gefühl darin finden. Und diese Tränen der Wüste machen ganz besonders glücklich und zufrieden. Ein wirklich unbeschreiblich schöner, anziehender und umhüllender Duft, der auch wieder perfekt in die etwas kühlere Jahreszeit passt. Obwohl er auch jetzt schon eine perfekte Figur abgibt. Und – sowohl an Männer und auch an Frauen unverschämt toll duftet!

Puhhhhhhh! Eben ist mir übrigens ein typischer Freudscher Fehler unterlaufen und ich habe statt „resinös“, „ruinös“ geschrieben… Tjaaaaaaa… Da hab ich wohl im Geiste mal wieder meine Pennys gezählt und das Ergebnis davon in meine tippenden Finger fließen lassen… 😉

Und wir sind ja noch nicht am Ende angelangt, am Montag erwarten uns zwei weitere Knaller, bleibt also unbedingt dran.

Bis dahin,
viele liebe Grüße und genießt das Wochenende.

Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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