Naomi Goodsir – Iris Cendré

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Winter-Melancholie

Iris umweht stets ein leiser Hauch von Melancholie, finde ich. Ihre majestätische Erhabenheit paart sich mit einer kühlen Distanziertheit und genau das macht den Reiz dieses Duftstoffs aus. So wundert es kaum, wenn viele der bekannten und beliebten Kompositionen rund um die erhabene Schöne, genau diese Aura aus Distanz und Kühle in den olfaktorischen Mittelpunkt stellen. Da macht auch Iris Cendré keine Ausnahme, mehr noch, geht vielleicht sogar noch einen Schritt weiter…

Naomi Goodsir ist für ihre Extravaganz bekannt und ihr exzentrisches Auftreten bereits legendär. Auch ihre Duft-Kompositionen sind weit weg von gewöhnlicher Beliebigkeit. Der Neuzugang Iris Cendré verkörpert diesen hohen Anspruch an Originalität und Qualität durch und durch. Parfumeur Julien Rasquinet zeigt hier einmal mehr sein Können. Aus seiner Phiole stammten bereits Bois d’Ascèse und Cuir Velours, außerdem kennen wir ihn durch seinen Arbeiten für Andrea Maack (Silk und Dark) und auch einer der Masque Fragranze Düfte (Act I-III – Russian Tea) geht auf sein Konto. Ein Mann also, der offensichtlich weiß wie man hochspannende, außergewöhnliche Parfums kreiert!

Folgende Ingredienzien schickte er für Iris Cendré ins Rennen:
Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Gewürze
Herznote: Weihrauch, Iris, Veilchen
Basisnote: Labdanum (Zistrose), Tabak, Ambra

Iris Cendre

Die aschblonde (oder doch „die aschige“?) Iris gleicht einem Spiel aus Licht und Schatten. Elegant kommt sie daher, minimalistisch, kühl und distanziert. Irisbutter par Exzellente. Hesperidenschalen ebnen den Weg in die Kühle, die dank Veilchen, blaugrün und saftig schillert. Das helle, komplexe Bouquet wird kontrastiert von erdige Nuancen, die einen leisen Anklang von diffuser Möhrensüße stiften. Die einzige ansatzweise aufkommende Süße im Übrigen. Dafür gibt es reichlich metallische Anklänge und – zumindest auf meiner Haut! – erhasche ich auch eine Ledernote. Ziemlich Markant sogar, aber vielleicht ist das auch dem Zusammenspiel der restlichen Akkorde geschuldet. Auf jeden Fall unterstreicht diese Ledernote den ernsthaften Charakter und auch die leise Melancholie, die dieser Kreation innewohnt. Gut 2 Stunden nach dem ersten Sprühstoß, hängt dann auch diese verführerische Melange aus Tabak und Weihrauch, in duftigen Kringeln in der Luft. Doch, der der geraucht hat, hat den Raum bereits verlassen, es ist nur eine Idee davon und die Erinnerung daran, die bleibt… Ja, hier weht er, dieser leise Hauch , der von Melancholie erzählt, und fast liegt so etwas wie Abschied in der Luft. Und dann ist da noch dieser kaum wahrnehmbare Hauch von Puder, der dem kühlen Metall ein wenig die Härte nimmt, Iris Cendré zwischendurch fast „skinnig“ und seiden macht. Kurz bin ich verwirrt, meine Sinne können all das gar nicht so 100% einordnen, so ineinanderfließend und dicht miteinander verwoben hat Julien Rasquinet gezaubert.

Frost Crystals on Car Window von allispossible.org.uk, (CC BY 2.0) via flickr

Frost Crystals on Car Window von allispossible.org.uk, (CC BY 2.0) via flickr

Window Frost von liz west, (CC BY 2.0) via flickr

Window Frost von liz west, (CC BY 2.0) via flickr

Selten habe ich eine so kühle, ich möchte fast sagen, kalte Iris-Komposition erlebt. Und dennoch fröstelt es mich nicht, denn Iris Cendré erzeugt eben auch diese hautähnliche, fein austarierte Sinnlichkeit, die sanft und doch allumfassend ihre Reize aussendet. Das extravagante Arrangement erscheint reduziert und sehr klar, nicht verspielt oder gar romantisch aufgehübscht. Genau hierin liegt der Reiz der komplexen Kreation und diesem werden einige von Euch erliegen, da bin ich sicher!

Viele liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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