Tiziana Terenzi – Orion und Kirkè

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Göttinnenzauber und Sternenglanz

Erst letzte Woche habe ich einen Artikel zum dritten im Bunde des Neuigkeiten-Trios von Tiziana Terenzi verfasst. Und weil mir der kuschelig-sinnliche Al Contrario bereits schon so viele bitterkalte Tage erwärmt hat, war ich doch auch sehr neugierig auf die beiden anderen Neuheiten.

Verlieren wir also keine Zeit und stürzen uns direkt auf Orion und Kirkè.

Göttinnen haben Vortritt, Vorhang auf also für Kirké mit ihrem verlockenden Zaubertrank.

Unmittelbar südlich von Rom befindet sich eine bezaubernde Gegend. Heutzutage ist sie ein Naturpark, der wie einst durch eine Landschaft gekennzeichnet ist, deren Vielfalt dem Reisenden den Atem verschlägt. Dieser Ort lebt in den Erinnerungen und zeigt tausende Facetten. Er liegt inmitten riesiger Sanddünen am Meer und an unbewohnten Bergen, umgeben von üppigen Wäldern. Die Gegend wird von der blühenden mediterranen Macchie umgeben und trägt die Spuren der ehrenhaften Männer und Frauen, die einst hier lebten. Auf den historischen Pfaden zu wandern, bedeutet einzutauchen in die im Gedächtnis widerhallenden Düfte und Erinnerungen. Wie das Lied einer Meerjungfrau oder die Melodie, die die Göttin Kirke zum Anlocken ihrer Opfer verwendete, von der uns in der Odyssee erzählt wird. Auch uns haben diese lebhaften Düfte verzaubert.

Kirkè

Kopfnote: Passionsfrucht (Maracuja), Pfirsich, Himbeere, Schwarze Johannisbeere, Birne, Sand
Herznote: Maiglöckchen
Basisnote: Heliotrop, Sandelholz, Vanille, Patchouli, Moschus

Verwirrend sinnlich und auf den ersten Blick weit weniger fruchtig als erwartet, überrascht mich Kirké und das ist wahrscheinlich schon Teil ihres Zaubers. Denn in den nächsten Sekunden offenbart sich dann doch jener erwartete Frucht-Cocktail, der mit lockender Fruchtsüße und feinherber Säure aufwartet. Da kommen selbst jene ins Schwärmen, die mit fruchtigen Duftnoten eigentlich wenig am Hut haben. Besonders die wundervolle Pfirsich-Cremigkeit sucht ihresgleichen und duftet schlicht unwiderstehlich. Die mürbe Süße der Birne wird traumhaft von der säuerlichen Beerigkeit ausbalanciert, hierbei wurde nichts dem Zufall überlassen. Denn einerseits ist all das schon süß, richtig süß, aber eben doch auf den Punkt gebracht und nicht zu süß. Perfekte Harmonie also. Aber auch hier wieder ein „Bruch“, denn die seidenweiche, cremige Harmonie wird gekonnt von erdig-dunklen Patchoulinoten getragen. Moschus und Sandelholz verleihen der Kreation einen sanften Kuss, der die Haut zu streicheln scheint. Und zwischen diesen beiden Polen, dem Kopf und der Basis also, steckt ein Herz, das so klar, glockenhell und strahlend erscheint, wie es nur ein lichtes Maiglöckchen erschaffen kann. Wunderwunderschön gemacht! Und selbst ich als Migränekandidat genieße diese feminine, strahlende Komposition von der ersten bis zur letzten Sekunden.

Welch eine göttliche Melange, die sich jeder Göttin würdig erweist und nur darauf abzielt uns zu becircen. Im wahrsten Wortsinne, denn Kirkè wird auch Circe geschrieben und hatte die unschöne Angewohnt ihre Besucher in Tiere zu verwandeln. Nun denn, ich kann Euch versprechen, dass unsere Kirké hier ganz ungefährlich ist – und dennoch einen unnachahmlichen Sog verströmt…

Terenzi

Ich bin gespannt wohin uns Orion (ver)führen wird, dem wir uns als nächstes widmen werden. Lest selbst die Worte von Paolo und erfahrt so, welche gehaltvollen, wunderbaren Erinnerungen für Tiziana und Paolo Terenzi damit unwiederbringlich verwoben sind:

„Als Kinder verbrachten Tiziana und ich, die meiste Zeit der heißen, sonnigen Sommertage bei unserem Großvater auf dem Land. Er erfüllte diese Tage mit spannenden Geschichten und lehrte uns alles über die Wunder der Welt.

Unser Vater Evelino schloss sich uns auf Urlaubsreisen oft mit seinem Segelboot an, das aus wohlriechendem Holz gefertigt war. Entdeckungsfreudig und mit strahlenden Augen durchstreiften wir auf diesem Boot die Meere und lernten die unendliche Schönheit unseres geliebten Italiens kennen. Nur wenige Kilometer von unserer Stadt entfernt liegt ein verwunschener Berg, der ins Meer ragt und einen atemberaubenden Anblick bietet: Monte Conero. Die Felsen und Wälder spiegeln sich im kristallklaren Wasser einer der schönsten Buchten Italiens. Diese wird von zwei Gipfeln geschützt, den zwei Geschwistern, die von den Göttern in das Meer geworfen wurden. Wir brachen mitten in der Nacht auf, begleitet von leichten Brisen, die während der gesamten Reise den fröhlichen Duft der mediterranen Macchie verströmten. Unser Vater orientierte sich an den Sternen und segelte souverän, während unser Großvater Guglielmo uns auf das Sternbild Orion und dessen mythischen Gürtel aufmerksam machte. Gelegentlich sahen wir Feuer auf trockenem Land, und Signalfeuer, die den Seefahrern Gefahren anzeigten.

Unsere Herzen wurden von einer noch heute in uns nachhallenden Explosion an Düften erfüllt, die der warme Sommerwind mit sich trug.
Orion ist das Ergebnis dieses fernen Echos.“

Orion Belt von Astrowicht, (CC BY-SA 3.0) via wikimedia

Orion Belt von Astrowicht, (CC BY-SA 3.0) via wikimedia

Kopfnote: Bergamotte, Rote Johannisbeere, Apfel, Ananas
Herznote: Patchouli, Birke, Jasmin, Thymian
Basisnote: Weihrauch, Ambra, Adlerholz (Oud), Moschus, Zedernholz

Orion legt sich außergewöhnlich würzig und temperamentvoll ins Zeug und macht schnell klar, welch kraftvolles Elixier hier geschaffen wurde. Die herbfruchtige Kopfnote wird akzentuiert von holzigen Akkorden, besonders die Birke stiftet Trockenheit und Thymian und Oregano balancieren die Kräuterwürze perfekt aus. Das untermalt die feinmilde Säure der Ananas vortrefflich und beweist einmal mehr, dass Früchte nicht immer süß und saftig daherkommen müssen. Ich mag diesen Ananas-Twist total, er gefiel mir auch schon so gut in Inekes Gilded Lily oder auch in 1804 – George Sand aus der Histoires de Parfums Kollektion. Apropos Ähnlichkeiten und so: recherchiert man im Netz, kommt man nicht am Aventus-Vergleich vorbei. So und ich muss mich jetzt outen. Ich kenne Creeds Kassenschlager nicht! Warum dieser Erfolgsduft bisher an mir vorbei ging, keine Ahnung, aber so ist es. Also kann ich auch nicht vergleichen, sondern gehe ganz unvoreingenommen ans Werk. Das kann ja durchaus auch Vorteile haben.

Und so zeigt sich Orion mir als ganz besonders kraftvoller Schönling, der von seinen Kontrasten lebt. Hier einerseits die fruchtigen, fast luftigen Akkorde, daneben dynamische, grünherbe Männlichkeit. Diese wird ausdrucksvoll untermalt von sonnentrockenem Adlerholz, meereswürziger Zeder und duftigem Weihrauch, die mehr und mehr den Eindruck von eleganter Raffinesse verstärken und in ein grandioses Finale münden. Orion duftet wundervoll und unverschämt verführerisch an (m)einem Mann, macht aber auch auf Frauenhaut eine sehr gute Figur.

Orion Head To Toe von Rogelio Bernal Andreo, (CC BY-SA 3.0) via wikimedia

Orion Head To Toe von Rogelio Bernal Andreo, (CC BY-SA 3.0) via wikimedia

Wow! Zwei Volltreffer, die beide durch ihre Hochwertigkeit und Dichte glänzen. So kann es gerne weitergehen mit Euch, Ihr lieben Terenzis aus Italien! ♥

Viele liebe Grüße
Eure Evelyn

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Wenn Passion, Leidenschaft und Berufung zusammenfinden und ineinander fließen, dann kann das nur einen einzigen Grund haben: Aus Liebe zum Duft! :-)

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