Spritzig-frisch: Rhabarberdüfte auf dem Vormarsch

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Rhabarber zählt eigentlich zum Gemüse. Seine Verwendung in der deutschen Küche ähnelt jedoch eher einer Obstsorte: Kuchen, Kompott, Marmelade, Sirup – der saure Geschmack ist im Frühsommer sehr beliebt.
Auch bei mir. Ich liebe Rharberkuchen. Wenn sich der süß-duftende Teig mit dem säuerlich-erfrischenden Rhabarber vermischt, erlebe ich Glück in Form eines Kuchenstücks.

Wieso also diesen besonderen Geschmack, den es nur so kurze Zeit im Jahr frisch zu kaufen gibt, nicht auch als Duft verwenden? Nun, meine erste Hemmschwelle war die Tatsache, dass ich schlicht und ergreifend kein Liebhaber von fruchtigen Düften bin. Ist eine Frucht zu dominant, fällt dieser Duft für mich flach.

Meine erste Begegnung hatte ich mit SEPT.21.1966 von Rundholz. Und eigentlich war es dann schon um mich geschehen. Der Duft beginnt mit einer sagenhaften Fülle an Rhabarber und grünen Noten. Es fühlt sich gerade so an als säße man auf frisch gemähtem Gras und knabbere an in Zucker getauchtem, frischen Rhabarber. Mir läuft jedes Mal das Wasser im Munde zusammen. Der säuerlich-herbe, aber trotzdem warme Duft bleibt mir lange in der Nase, bevor er Platz für etwas Holziges macht. Die Hölzer, Oud und Weihrauch vermengen sich mit den floralen und grünen Noten dann zu einer Erinnerung, die ich nicht zu beschreiben vermag. Immer wenn ich an SEPT.21.1966 rieche, habe ich eine Art Déja-vu, aber bisher ist es mir nicht gelungen, diese Erinnerung festzuhalten. Vermutlich rührt daher meine Faszination für diesen Duft – und natürlich vom Rhabarbertraum.

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Meine zweite Entdeckung auf der Suche nach Rhabarber war schneller ausgemacht: Der Duft von Aedes de Venustas. Quasi der Signatureduft des Hauses. Aedes de Venustas bedient sich keiner klassischen Duftpyramide, sondern vereint alle Komponenten in einem einzigartigen Bouquet, welches klar durch Rhabarber dominiert wird. Die ungewöhnlichen Noten hinterlassen einen unbeschreiblichen olfaktorischen Knall für mich. Ganz dezent wahrnehmbar ist hinter der herb-säuerlichen Süße des Rhabarbers auch ein reifer Tomatenstrauch, welcher zeitweise durch etwas Apfeliges ergänzt wird. Außerdem rieche ich Vetiver, was eigentlich nicht meine Note ist, hier aber wunderbar das Rhabarberaroma unterstützt.
Ist die erste Säure des Duftes verflogen, zeigt sich eine Basis aus Weihrauch, Cassis und kaum wahrnehmbarer Haselnuss, die aber dennoch etwas Warmes zu Tage fördert. Ein sehr außergewöhnlicher Duft!

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Der Dritte im Bunde ist Comme des Garçons – Series 5: Sherbet – Rhubarb. Für mich ist Rhabarber bei diesem Duft am dominantesten aller bisher genannten Parfums. In der Komposition sind zwar weitere Komponenten vorhanden, für mich sind diese jedoch kaum wahrnehmbar unter all dem saftigen Rhabarber. Dazwischen mischt sich hin und wieder etwas Frisches – ich rieche die Bergamotte ganz leict heraus – und nach einer längeren Zeit gesellt sich die Süße der Vanille hinzu. Der Anmut einer Rhabarberschorle bleibt jedoch durchweg bestehen und macht diesen einzigartigen Duft aus.

Ich freue mich sehr, diese Düfte in ihrer saftig-sauren Gesamtheit nun ein paar Monate zu benutzen, bevor ich gegen Ende des Sommers wieder den warmen, gewürzigen Düften verfalle.

Alles Liebe,
Melissa

Credits: Rhabarber © cristina – Fotolia.com

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